Geilenkirchen: Gesellschaft für Sicherheitspolitik: Was will der türkische Präsident?

Geilenkirchen : Gesellschaft für Sicherheitspolitik: Was will der türkische Präsident?

„Es gibt Befindlichkeiten, die man zur Kenntnis nehmen muss“, stellte Oberst a.D. Heinrich Quaden bei seinem Vortrag über die Türkei im Haus Basten fest. Auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) und in Zusammenarbeit mit der Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg und der Deutsch-Atlantischen-Gesellschaft sprach der ausgewiesene Türkei-Kenner über die Situation.

Die Politik von Präsident Erdogan spielte dabei natürlich eine tragende Rolle, aber auch die Geschichte des Landes, das 1923 von Atatürk, so Quaden, „teils mit der Brechstange“ aus der Taufe gehoben wurde, war Thema. So sei die Türkei nicht erst mit ihrem gescheiterten Versuch, die Habsburger Monarchie aus den Angeln zu heben, immer schon eine europäische Macht gewesen. Als vielzitierte „Brücke zwischen Orient und Okzident“ habe die Türkei auch wegen ihrer geographischen Lage immer auch eine wichtige Funktion eingenommen.

Dies spiegelt sich beispielsweise in den internationalen Verflechtungen wider, ist die Türkei doch seit 1952 Nato-Mitglied und seit Ende der 1950er-Jahre immer wieder im Gespräch, wenn es um den Beitritt zur einstigen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und heutigen EU geht. Der Referent warf dabei einen Blick auf die den ehemaligen Balkanstaaten angetragene Mitgliedschaft, die bei den Türken — vor allem nach jahrzehntelangen Beitrittsbemühungen — sicherlich ein befremdliches Gefühl gegeben hätten. Aber auch das Verhältnis zu Deutschland, dem wohl wichtigsten Wirtschaftspartner der Türkei, stand in seinem Fokus. So sei auch der aktuell scharf kritisierte Präsident Erdogan in Deutschland zunächst ein hochgeschätzter Hoffnungsträger.

Doch der aktuelle Umschwung der türkischen Haltung und die Insellage der Türkei als Nato-Staat inmitten seiner Nachbarn seien schwierig. Den gescheiterten Putsch des vergangenen Jahres bewertete Quaden nicht wie manche andere Theoretiker als bewusst inszeniert, wohl aber als sehenden Auges in Kauf genommenes Geschehen, dass eine gute Basis dafür lieferte, mit Erdogans politischen Gegnern aufzuräumen.

Dennoch stehe Erdogan vor dem Hintergrund einer stark defizitären Wirtschaftslage vor der Herausforderung, sich außen- wie sicherheitspolitisch zu orientieren. In Erdogans Karten spielt dabei Quadens These, dass Europa die Türkei mehr braucht als anders herum. „Denn als zumindest auf dem Papier normal verfasstes Land in diesem Umfeld hat die Türkei immer noch eine wichtige Scharnierfunktion“, sagte er, und das gelte nicht nur für die Belange der Nato.