Geilenkirchen: Geschäftstreffen endete mit Schlägen: Urteil im Amtsgerichtsprozess

Geilenkirchen: Geschäftstreffen endete mit Schlägen: Urteil im Amtsgerichtsprozess

Da habe wohl einer nicht durch Zufall eine auf‘s Maul gekriegt, meinte (abseits vom Protokoll) der Verteidiger des Angeklagten. 6300 Euro kostet den angeklagten 43-jährigen Kölner, der nach eigenen Angaben sein Geld als Selbstständiger im Blumenhandel verdient, der Schlag „auf‘s Maul“ eines Geschäftspartners auf dem Parkplatz eines Supermarktes in Gangelt.

Das Schöffengericht am Amtsgericht Geilenkirchen verurteilte den Angeklagten wegen Körperverletzung zu dieser Geldstrafe. Das Verfahren gegen einen zweiten Angeklagten, einen 41-jährigen Schlosser aus Bergheim, der ebenfalls nach dem Geschäftstermin in Gangelt zugeschlagen hatte, wurde gegen Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 250 Euro eingestellt.

„Auftragswunder“

„Die Hintergründe sind alles andere als klar geworden“, stellte Richterin Corinna Waßmuth in ihrer Urteilsbegründung fest. Am 17. Juni 2015 hatten die beiden Angeklagten sich mit mehreren Geschäftspartnern im Café eines Supermarktes in Gangelt getroffen. Das Gespräch im Café soll einvernehmlich verlaufen sein, wie ein Teilnehmer, der als Zeuge vernommen wurde, aussagte. Es soll in dem Gespräch um Provisionen gegangen sein, die im Rahmen eines oder sogar mehrerer größerer Bauprojekte, die Rede war konkret vom Bau eines Supermarktes, zur weiteren Verteilung gelangen sollten.

Die beiden Angeklagten sollen Vorauszahlungen geleistet haben, um den Geschäftspartnern, die sich gerade in einer finanziellen Flaute befanden, weitere Geschäftskontakte mit den nötigen Reisen und Bewirtungen zu ermöglichen. Der Zeuge berichtete vom „Auftragswunder“, das einer der am gemeinsam geplanten Geschäft Beteiligten in Aussicht gestellt und mit der Erwartung viel Geld zu verdienen verbunden hatte.

Die Prügel, die der Zeuge (ein leichter Schlag, mit 250 Euro geahndet) und sein Partner (Kieferbruch, 6300 Euro) von den beiden Angeklagten bezogen hatten, müssen wohl irgendwie damit in Zusammenhang stehen, dass das „Auftragswunder“ und der damit verbundene Geldsegen sich einer Fata Morgana gleich in Luft aufzulösen drohte.

Beim Verlassen des Supermarktcafés auf dem Weg zum Parkplatz muss es zu einem Gespräch unter den später geprügelten Geschäftspartnern gekommen sein, das die Angeklagten dermaßen erzürnte, dass sie spontan zuschlugen. Die Angeklagten müssen wohl den Eindruck gewonnen haben, dass ihre Geschäftspartner die in Aussicht gestellte Provision des Supermarktdeals unter sich aufteilen wollten.

Dass „eine auf‘s Maul“ keine akzeptables Geschäftsgebaren ist, räumte natürlich auch der Verteidiger des Hauptangeklagten ein und akzeptierte für seinen Mandanten die Geldstrafe. Das Schöffengericht durfte sich wohl glücklich schätzen, lediglich den handfesten Part der dubiosen Geschäftsbeziehungen klären zu müssen, der Rest ist Sache der Wirtschaftsstrafkammer.