Übach-Palenberg: Geruch bei Polythex: „Grenzwerte deutlich überschritten“

Übach-Palenberg: Geruch bei Polythex: „Grenzwerte deutlich überschritten“

Bis zum 1. Juni dieses Jahres muss Stefan Nickolai dem Kreis Heinsberg ein Abluftbehandlungskonzept vorlegen, bis zum 30. Juni hat die Umsetzung der technischen Maßnahmen erfolgt zu sein. Hält der Geschäftsführer der Firma Polythex Universal sich nicht daran, muss er mit einem Zwangsgeld rechnen.

Jahrelang haben die Mitglieder der Übach-Palenberger Bürgerinitiative auf eine solche Mitteilung hingearbeitet. Sie beklagen bekanntlich, dass die Geruchsbelästigung, die von dem Kunststoffhersteller an der Friedrich-Ebert-Straße ausgeht, unerträglich sei. Am Mittwoch zeigten Dr. Ilias Stoltidis und Hartmut Winters, beide wohnhaft in der Kettelerstraße, sich erfreut darüber, dass von den Behörden in der Sache endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden.

Gleichwohl betonten beide, dass die Ordnungsverfügung für sie und ihre Mitstreiter kein Grund ist, nun locker zu lassen. Denn die Geruchsbelästigung ist nur einer von zwei Beschwerdepunkten. Der andere ist die Gesundheitsgefährdung, die — das befürchten viele Anwohner — von den freigesetzten Dämpfen ausgehen könnte.

Denn bei Polythex wird nicht nur mit Styrol gearbeitet — welches einen süßlich-chemischen Geruch freisetzt —, sondern auch mit Acrylsäurenitril und Butadien. Zwar können Stoltidis und Winters nicht beweisen, dass solche Stoffe tatsächlich in einem gesundheitsgefährdenden Ausmaß freigesetzt werden. Allerdings fänden sie es angebracht, wenn man ihnen das Gegenteil beweist.

Stefan Nickolai sagte hierzu am Mittwoch: „Ich kann nicht bestreiten, dass es riecht. Aber gefährlich sind die Stoffe nicht. Punkt.“ Er verwies auch darauf, dass die Berufsgenossenschaft ihm aufgrund der Größe seines Betriebs eine Betriebsärztin vorschreibe. „Meine Mitarbeiter erfreuen sich bester Gesundheit.“

Bei den Messungen musste der Kreis Heinsberg sich an die recht eng gefassten sogenannten Geruchsimmissions-Richtlinien (kurz: Girl) und eine damit verbundene Rasterkontrolle halten. Das Prozedere ist nicht ganz unkompliziert. „Da Geruchsbelästigungen meist schon bei sehr niedrigen Stoffkonzentrationen (...) hervorgerufen werden, ist ein Nachweis mittels physikalisch-chemischer Messverfahren äußerst aufwändig oder überhaupt nicht möglich. Hinzu kommt, dass die belästigende Wirkung von Geruchsimmissionen stark von der Sensibilität und der subjektiven Einstellung der Betroffenen abhängt“, heißt es hierzu in den Richtlinien.

Daher setzte das Verfahren voraus, dass an jedem Wochentag und zu jeder Uhrzeit — also auch nachts — Messungen vorgenommen werden. Die Messpunkte lagen in einem Abstand von maximal 500 Meter rund um das Firmengelände. Zulässig ist gemäß Richtlinien, wenn in Wohn- und Mischgebieten zu bis zu zehn Prozent der Jahresstunden Gerüche festgestellt werden, für reine Gewerbe- und Industriegebiete gelten 15 Prozent als Obergrenze. Laut Mitteilung des Kreises hat Polythex beide Werte im Verlauf des Verfahrens überschritten, und zwar deutlich.

Zu der Ordnungsverfügung führte der Kreis am Mittwoch aus, dass diese sofort zu vollziehen sei, eine mögliche Klage also keine aufschiebende Wirkung hätte. „Das betroffene Unternehmen hätte lediglich noch die Möglichkeit eines Eilantrages beim Verwaltungsgericht Aachen.“ Dieses teilte am Mittwoch auf Anfrage mit, dass ein solcher Antrag bislang nicht vorläge. Allerdings blieben dazu auch noch einige Wochen Zeit.

Stefan Nickolai macht unterdessen aber deutlich, dass er ohnehin andere Wege beschreiten wolle und hierzu im Herbst einen neuen Technischen Direktor eingestellt habe. Er selbst habe aus eigener Initiative das Gespräch mit dem Kreis gesucht und neue technische Maßnahmen durchgesprochen. Er sei dementsprechend auch keineswegs von der Ordnungsverfügung überrascht worden. „Es gibt keinen Grund, dass das Thema jetzt so hochkocht.“