Geilenkirchen/Gangelt/Übach-Palenberg: Geilenkirchener versinken nach Unwetter im Schlamm

Geilenkirchen/Gangelt/Übach-Palenberg : Geilenkirchener versinken nach Unwetter im Schlamm

„Was sollen wir nur mit dem ganzen Schlamm machen?“ — die Menschen in Geilenkirchen-Nierstraß stehen bis zu den Knien im Matsch. Mit Schaufeln, Eimern und zwei Traktoren aus der Nachbarschaft kämpfen sie gegen die Massen an Erde, die vom nächtlichen Gewitter auf die Straße Am Rodebach gespült worden sind.

Nicht auf der Straße, sondern auch in den Kellern, Garagen und Wohnräumen einiger Häuser hat sich der Schlamm festgesetzt. Die Feuerwehr hat in der Nacht ihr Mögliches getan. Nun sind die Leute auf sich allein gestellt.

Wohin mit dem Matsch? Vor dieser Frage stehen die Menschen in Nierstraß. Das Unwetter hatte Unmengen von Erde auf die Straße und in die Garagen, Keller und Wohnungen „Am Rodebach“ gespült. Foto: Simone Thelen

„Wir warten hier dringend auf Hilfe vom Bauhof“, meint Andreas Hermanns, ein Anwohner, der zwar nicht selbst betroffen ist, aber gemeinsam mit seinen Nachbarn den Kampf gegen die Hinterlassenschaften des Unwetters aufgenommen hat. Am Morgen hatten Mitarbeiter des Bauhofs die Straße einseitig gesperrt. Gegen Mittag kam ein städtischer Mitarbeiter vorbei, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Helfen kann er nicht.

„Am Brückentag gibt es keine Leute, keine Fahrzeuge, keinen Container für den Matsch“, berichtet Andreas Hermanns aus dem Gespräch. Die Menschen in Nierstraß sind verzweifelt. Und sauer. Sie verstehen nicht, dass sie so alleine gelassen werden.

Schuld an den Wasser- und Erdmassen ist ein Rückhaltebecken am Ortsrand von Nierstraß, das bei dem heftigen Regenfall seine eigentliche Aufgabe, nämlich das Wasser zurückzuhalten, nicht mehr erfüllen konnte. Mit dem Wasser kam die Erde von den frisch gepflügten und eingesäten Feldern aus Richtung Geilenkirchen. Durch das weitläufige Gefälle kannten die Massen nur ein Ziel: Nierstraß. Auch in Gillrath mussten die Straßen bis in den Montag hinein gesperrt und freigeräumt werden. Ebenso die L 42 zwischen Trips und Kogenbroich.

Am frühen Nachmittag machen sich schließlich Bürgermeister Georg Schmitz und Technischer Beigeordneter Markus Mönter auf den Weg nach Nierstraß.

Auch der Erste Beigeordnete Herbert Brunen wirbt um Verständnis: „Nicht nur aufgrund des Brückentags, auch weil viele Kräfte an anderen Stellen im Einsatz sind, wird alles nach Prioritätenliste abgearbeitet.“ Da die Beseitigung des Schlamms in Nierstraß ohnehin schwierig sei, solange dieser noch so nass ist, müssten sich die Nier—straßer wohl leider noch gedulden.

Gut und schön, denken die Nierstraßer, die nun leider mit der Gefahr leben müssen, dass bei weiteren Regenfällen der notgedrungen auf die Straße geschaufelte Matsch wieder zurück in die Keller und Häuser läuft.

Überflutete Keller sind die Hauptursache für die insgesamt 33 Einsätze, die die Feuerwehr Geilenkirchen in der Nacht und bis in den Tag hinein gefahren hat. 140 Kräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Malteser Hilfsdienst waren im Einsatz. „Die Nacht war turbulent“, meint Thomas Graf, Brandoberinspektor der Feuerwehr Geilenkirchen.

Zug fährt gegen einen Baum

Für 42 Fahrgäste der Regionalbahn von Mönchengladbach nach Aachen endete ihre Reise gegen 0.30 Uhr bei Würm, als die Bahn mit einem auf die Gleise gestürzten Baum kollidierte. „Verletzt wurde zum Glück niemand“, erklärte Thomas Graf. „Alle Passagiere wurden vorübergehend im Gerätehaus Würm untergebracht und medizinisch untersucht. Alle konnten anschließend aber ihre Reise mit dem Taxi fortsetzen.“

Der verunglückte Zug konnte seine Fahrt nicht mehr eigenständig fortsetzen und musste abgeschleppt werden. Die Gleise konnten zwischenzeitlich wieder freigegeben werden.

Noch bis zum Mittag machte der Geilenkirchener Feuerwehr der hohe Pegelstand der Wurm, vor allem im Bereich des Geilenkirchener Krankenhauses, zu schaffen. Es wurden vorsorglich Sandsäcke aufgeschüttet, aber der Scheitelpunkt war am Vormittag erreicht, ohne dass der Fluss über die Ufer getreten ist.

Auch in der Gemeinde Gangelt hat das nächtliche Unwetter stark zugeschlagen. Insgesamt 75 Einsatzkräfte waren hier im Einsatz, um überschwemmte Keller und Fahrbahnen von Schlamm und Wasser zu befreien. Unter anderem mussten die B 56n im Ortsteil Stahe sowie die K13 zwischen Gangelt und Breberen für die Dauer der Einsätze gesperrt werden. Besonders betroffen von den Unwetterschäden waren die Ortsteile Birgden und Stahe, wo die Wassermassen größere Mengen Schlamm auf die Fahrbahnen spülten.

Unterstützt wurden die Feuerwehrleute von Helfern des Bauhofs der Gemeinde und vom THW. Oliver Thelen, Sprecher der Gangelter Feuerwehr: „Auf der B 56n war es zu einem Erdrutsch gekommen. Auf der Kreisstraße 13 standen weite Teile der Fahrbahn zwischen Vinteln und Schümm unter Wasser. Mit fünf Pumpen gelang es der Feuerwehr schließlich, die Wassermassen zu beseitigen.“

Nachdem sich die Lage weitestgehend beruhigt hatte, konnten gegen 5 Uhr morgens die ersten Einheiten ihren Rückweg antreten. Insgesamt wurden rund 30 Einsatzstellen in Gangelt abgearbeitet.

Relativ glimpflich sind die Menschen in Übach-Palenberg davongekommen. Hier mussten die insgesamt 60 Einsatzkräfte der verschiedenen Feuerwehren nur zehn Mal ausrücken. Auch hier waren überflutete Keller und Straßen die Ursache für die Einsätze.

Die Leitstelle im Feuerschutzzentrum in Erkelenz verzeichnete kreisweit ab 23.30 Uhr bis 7 Uhr am Morgen insgesamt 170 Einsätze. Bis zum Nachmittag erhöhte sich die Einsatzzahl sogar auf mehr als 200.

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