Geilenkirchener Stadtsportverband steht vor der Auflösung

Auflösung in der Diskussion : Quo vadis Stadtsportverband Geilenkirchen ?

„Quo vadis SSV?“ So lautete das Motto einer richtungsweisenden Dringlichkeitssitzung des Stadtsportverbandes Geilenkirchen. Im Sportpark Loherhof hatten sich Vertreter von 16 Vereinen des Geilenkirchener Stadtgebietes eingefunden. 24 Sportvereine sind es insgesamt. Sie vertreten die Interessen von 7000 Sportlern.

Die Anwesenden hörten eine klare Botschaft des Vorstands, die kurz und knapp formuliert lautete: „So geht es nicht weiter!“ Die Auflösung des Stadtsportverbands stand zur Disposition.

Die 1. Vorsitzende Karin Hölscher ist kein Mensch, der mit der Faust auf den Tisch haut, doch auch ihre Schmerzgrenze war erkennbar überschritten. Der Vorstand fühlt sich von der Stadt hingehalten oder gar nicht informiert und von den Vereinen umgangen. Ein „Wir machen einfach weiter“ war nicht mehr denkbar. Viel Arbeit und dann auch noch viel Frust können die Erfolgserlebnisse nicht mehr aufwiegen.

Durch die Bank machten sowohl der SSV-Vorstand als auch die Vereinsvertreter deutlich, dass der Sport in Geilenkirchen nicht den Stellenwert hat, der ihm zukomme. Von „Verarschung“ seitens der Stadt wurde mehr als einmal gesprochen, wenn es etwa um die Mängelbehebung im Rahmen der Sportstättenbegehungen ging. Da müsse der Stadtsportverband selbstbewusster auftreten, lautete die Forderung.

Karin Hölscher verwies darauf, dass Termine im Rathaus nur schwer zu bekommen seien und dann kaum zielführend seien. Dann müsse man halt mal etwas schärfer auftreten, meinte ein Vereinsvertreter und ohne Termin die entsprechende Tür im Rathaus aufmachen. Ein Trillerpfeifenkonzert von 7000 Sportlern vor dem Rathaus war ein anderer Vorschlag. Karin Hölscher hatte versucht, mit Ruhe und Beharrlichkeit etwas für die Sportvereine zu erreichen, doch jetzt geht auch ihr die Puste aus. Etwa bei den Nutzungsgebühren für das Hallendbad, von denen drei Vereine betroffen sind, hätten die Gespräche bei der Stadt ohne den SSV stattgefunden. Weder die Vereine noch die Stadt hätten den SSV-Vorstand eingeladen.

Nicht nur das Loch des Fußballtores auf dem Bauchemer Sportplatz muss geflickt werden. Auch die Kommunikation zwischen Stadt und Stadtsportverband hat ihre Lücken. Foto: Dettmar Fischer

Die lebhafte Diskussion über die Zukunft des Stadtsportverbands Geilenkirchen endete, auch wenn es Ansätze in diese Richtung gab, glücklicherweise nicht im Streit untereinander, sondern es entwickelte sich eine Dynamik, die in der Erkenntnis gipfelte, alleine könne ein Verein nichts erreichen. Wenn, dann sei nur gemeinsam etwas für den Sport in Geilenkirchen auf den Weg zu bringen. Geeint hatte die Vereinsvertreter auch die Befürchtung, dass nach einer Nutzungsgebühr für das Hallenbad vor dem Hintergrund der sich wohl entwickelnden Kostensteigerung bei der Sanierung der Sportplätze auch die Nutzung der übrigen Sportstätten für die Vereine kostenpflichtig werden könnte. Der Vorstand des Stadtsportverbands machte deutlich, dass er mit seiner Leistungsfähigkeit an seinen Grenzen angelangt ist.

Der 2. Vorsitzende Tom Klein hatte eigentlich keine Lust mehr gehabt, seine Energie in Arbeit zu investieren, die zu nichts führt. Doch nach der engagierten Diskussion erklärte er sich bereit, wieder das Amt des 2. Vorsitzenden zu übernehmen, da er eine „Kraft“ wahrnahm, die er vorher vermisst hatte. Karin Hölscher stand turnusmäßig nicht zur Wahl. Aber der Geschäftsführer Heinz-Josef von St. Vieth erklärte, er wolle nicht mehr für den Posten des Geschäftsführers kandidieren, da er aus persönlichen Gründen nicht mehr die notwendige Zeit aufbringen könne. Nachdem niemand aus dem Kreis der Anwesenden das Amt des Geschäftsführers übernehmen wollte, ließ das Internet einen Hoffnungsschimmer am Horizont aufflackern.

Auf der Homepage der Stadt Geilenkirchen hatten Sitzungsteilnehmer unter den „Dienstleistungen" der Stadtverwaltung entdeckt, dass die Stadt den Geschäftsführer des Stadtsportverbands stellen würde. Bis vor einigen Jahren war dies tatsächlich gängige Praxis gewesen. Einstimmig sprach sich die Versammlung dafür aus, diese Verbindung zwischen SSV und Stadtverwaltung neu zu beleben und einen städtischen Geschäftsführer zu installieren. Heinz-Josef von St. Vieth erklärte sich bereit, für eine Übergangszeit von zwei, drei Monaten kommissarisch seinen Posten weiter zu führen.

Herbert Brunen, 1. Beigeordneter der Stadt Geilenkirchen, kann den auf der SSV-Versammlung geäußerten Unmut nicht nachvollziehen. Dazu, dass Gesprächstermine im Rathaus schwer zu bekommen seien, sagt Brunen: „Das weise ich mit aller Deutlichkeit von mir. Es sind noch nie Gespräche abgelehnt worden.“ Zu den Gesprächen mit den Schwimmvereinen hätten eigentlich die Vereine den SSV hinzuziehen müssen. Es fände aber in der nächsten Woche ein Gespräch zu diesem Thema mit dem SSV statt, meinte Brunen.

Nutzungsgebühren für die übrigen Sportstätten seien nicht geplant. Und er fasste sein Unverständnis in den Satz: „Warum sagen die uns nicht, was die gerne hätten.“ Vielleicht lässt sich ja im Rathaus ein sportbegeisterter Mitarbeiter finden, der den Posten des Geschäftsführers übernimmt, die Kommunikation zwischen Sportlern, Stadt und Politik verbessert und dem Sport zu dem Ansehen in der Stadt Geilenkirchen verhilft, der ihm zusteht.