1. Lokales
  2. Geilenkirchen

Nach der Flut 2021: Geilenkirchener Feuerwehr rüstet sich für Extremereignisse

Nach der Flut 2021 : Geilenkirchener Feuerwehr rüstet sich für Extremereignisse

Die Stadt Geilenkirchen und die Feuerwehr wollen aufgrund der Erkenntnisse aus der Flut von 2021 ihr Vorgehen in künftigen Krisenfällen verbessern – mit veränderten Strukturen, zusätzlicher Notstromversorgung und optimiertem Warn-Management.

Inzwischen ist ein Jahr seit der Hochwasserkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz vergangen. Auch Geilenkirchen war von starken und lang andauernden Regenfällen betroffen. Teile der Innenstadt wurden überflutet, in einigen Bereichen gab es mehrere Tage lang keinen Strom, zwei Menschen starben in den Wassermassen.

Glücklicherweise sind solche Extremereignisse selten, die Fachleute sprechen beim letztjährigen Hochwasser von einem „HQextrem-Ereignis“, also eine Situation, die statistisch nur seltener als alle 100 Jahre eintritt. „Die Erfahrungen der letzten Jahre und die Entwicklungen des Klimawandels lassen jedoch erwarten, dass solche Extremwettereignisse sich verdichten und öfter eintreten werden. Hierzu zählen sicher nicht nur Hochwasserereignisse, sondern auch Starkregenfälle oder Dürreperioden“, heißt es aus der Geilenkirchener Feuerwehr.

Für solche Ereignisse sei es unabdingbar, dass vorbeugende Maßnahmen und die akute Gefahrenabwehr Hand in Hand gehen müssen, um Schäden vorzubeugen und abzuwehren.

 Haihover Straße unter Wasser: Land unter herrscht vor gut einem Jahr auch in der Geilenkirchener City.
Haihover Straße unter Wasser: Land unter herrscht vor gut einem Jahr auch in der Geilenkirchener City. Foto: MHA/Udo Stüßer

In Bezug auf den Hochwasserschutz waren Verwaltung und Politik in den vergangenen Monaten tätig, um vorbeugende Maßnahmen in Abstimmung mit dem Wasserverband Eifel-Rur, der Bezirksregierung und dem Land NRW auszuarbeiten.

Hochwasserschutzkarten werden aktualisiert, (städte-)bauliche Veränderungen wurden in die Wege geleitet, damit Ausmaße wie die im letzten Jahr bereits im Vorfeld eingeschränkt werden können. Viele Gespräche zwischen diversen Fachämtern der Verwaltung und der Feuerwehr haben stattgefunden, um den Umgang mit solchen Situationen zu verbessern.

Auch im Bereich der Gefahrenabwehr war die Stadt Geilenkirchen in den letzten zwölf Monaten nicht untätig und stellt sich derzeit in Bezug auf außergewöhnliche Lagen neu auf. Bereits in den letzten Jahren, also vor dem Hochwasser, wurden erste Maßnahmen und Beschaffungen zur Abwehr von Schäden bei Extremereignissen initiiert. So konnten bei der Hochwasserlage im letzten Jahr die neugestalteten Räume zur Führung und Kommunikation im Feuerwehrgerätehaus Geilenkirchen genutzt werden. Von dort wurde die städtische Lage der Feuerwehr geführt und der sogenannte „Stab für außergewöhnliche Ereignissen (SAE)“ mit Vertretern der Verwaltung, der Feuerwehr sowie der Bürgermeisterin konnte zusammenkommen und notwendige Maßnahmen beraten.

Mit den Erfahrungen der Hochwasserlage wurden die Räumlichkeiten technisch weiter an den Bedarf angepasst, zudem wird die Führungsstruktur der kommunalen Feuerwehr bei solchen Ereignissen derzeit konzeptionell überarbeitet. „Auf Kreisebene gibt es einen Stab der Einsatzleitung. Wir wollen künftig auch auf städtischer Ebene in der Lage sein, Einsätze im kommunalen Stab Einsatzleitung der Feuerwehr zu führen und so den Stab für außergewöhnliche Ereignisse der Verwaltung im Sinne des modernen Krisenmanagements zu spiegeln“, sagt Frank Büßelberg, Leiter der Feuerwehr Geilenkirchen. „Die Führung durch einen Einsatzleiter ohne umfassende Führungsunterstützung ist in der Hochwasserlage im letzten Jahr an ihre Grenzen gekommen.“

Zudem wurde – nicht nur für solche Extremwetterlagen – ein Notstromkonzept für die Funktionsräume erstellt. Zur Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit wurde daher ein Notstromanhänger mit einer Leistung von 60 kVA beschafft. Zudem verfügt der Anhänger über einen leistungsstarken Lichtmast mit acht Metern Höhe und 140.000 Lumen Lichtleistung.

„Nicht nur die Vorbereitung auf künftige Extremwetterlagen, sondern auch die Vorplanung von Stromausfällen beschäftigt die Feuerwehr Geilenkirchen“, sagt Ralph Dechêne, stellvertretender Leiter der Feuerwehr Geilenkirchen. „Im Falle eines länger andauernden Stromausfalls fallen nach und nach die Möglichkeiten der Selbsthilfe in der Bevölkerung aus, strombetriebene Geräte können nicht geladen werden, Telefon- und Mobilfunknetze brechen zusammen, die Warnung der Bevölkerung wird nicht auf gewohnte Art und Weise möglich sein“, so Dechêne. Aus diesem Grund werden für jedes der neun Feuerwehrgerätehäuser Notstromkompenenten beschafft, die zur Errichtung einer Anlaufstelle und zur Stromversorgung der Feuerwehrgerätehäuser im Rahmen des sogenannten Leuchtturmkonzeptes eingesetzt werden können.

Hierzu wurden in den letzten Monaten Rollwagen beschafft und durch den neugegründeten Fachdienst Logistik ausgebaut. Die Rollwagen beinhalten die Komponenten zur Strom- und Lichterzeugung und wurden auf Grundlage verschiedener Fachempfehlungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sowie Erfahrungen benachbarter Feuerwehren ausgestattet. „Im Falle eines Stromausfalles kann somit auch in den Ortschaften außerhalb der Innenstadt eine Anlaufstelle geschaffen werden, an der die Bevölkerung sich bei Notfällen und Hilfeersuchen wenden kann“, sagt Ralph Dechêne.

Eine weitere Maßnahme des Bevölkerungsschutzes der Stadt Geilenkirchen wird in der nächsten Zeit abschließend umgesetzt. Zwar besteht im Stadtgebiet Geilenkirchens eine hohe Dichte an Sirenen zur Warnung der Bevölkerung, jedoch ist eine akustische Abdeckung des gesamten Gebietes derzeit noch nicht in der angestrebten Lautstärke möglich. Ergänzend zu den Sirenen werden aktuell mobile Warnsysteme angeschafft, um Warnfahrzeuge zur akustischen Warnung und Information der Bevölkerung mittels Sprachdurchsagen auszustatten. „Gepaart mit den weiteren Möglichkeiten, wie Rundfunkwarnungen oder Warnungen über Warnapps an Smartphones ist hiermit eine flächendeckende und gezielte Bevölkerungswarnung möglich“, betont die Feuerwehr.

(red)