Geilenkirchen: Geilenkirchener Eltern protestieren gegen Kita-Gebühren

Geilenkirchen : Geilenkirchener Eltern protestieren gegen Kita-Gebühren

Es geht ihnen um eine familiengerechte und familienfreundliche Gestaltung der Kita-Beiträge. Die Vorlage der Verwaltung jedenfalls, über die der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung am kommenden Mittwoch um 18 Uhr abstimmen soll, hält der Jugendamtselternbeirat für alles andere als familienfreundlich.

Nach mehreren Diskussionen in den Fachausschüssen in den vergangenen Monaten ruft der Jugendamtselternbeirat vor der endgültigen Abstimmung die Eltern der 950 Kinder, die eine Geilenkirchener Kindertagesstätte besuchen, deshalb zur Demonstration vor dem Rathaus auf. Auch wollen sie bei der Gelegenheit darauf hinweisen, dass jeder die anschließende Diskussion im Ratssaal verfolgen kann. Der Jugendamtselternbeirat sieht sich als Interessenvertretung der Eltern und als Bindeglied zwischen Eltern, Verwaltung und Politik.

Melanie Gohlke, Katja-Wegner-Hens, Sonja Jansen und Andreas Thiemann (von links) vom Jugendamtselternbeirat rufen zur Demonstration auf. Foto: Udo Stüßer

Für den Zeitraum von 17 bis 18.30 Uhr hat der Beirat die Demo bei der Kreispolizei angemeldet. Mit Plakaten in den Kitas haben die Organisatoren auf ihren Protest aufmerksam gemacht. „Wir sprechen für all die Eltern der Kinder, die eine der zwölf Kitas im Geilenkirchener Stadtgebiet besuchen“, erklärt Katja Wegner-Hens, Sprecherin der Eltern, deren Kinder den AWO-Kindergarten Stadtmitte besuchen, und Vorsitzende des Jugendamtselternbeirates.

Unterstützt wird sie bei den Vorbereitungen der Demo besonders von Sonja Jansen, Vorsitzende der Elternvertretung der St.-Ursula-Kindertagesstätte, Andreas Thiemann von der Elternvertretung der St.-Ursula-Kita und Melanie Gohlke (AWO-Kita Stadtmitte).

Hintergrund des Elternprotestes ist der Plan der Verwaltung, die Elternbeiträge ab dem 1. August um 1,5 Prozent anzuheben, was für die Stadt Geilenkirchen eine Mehreinnahme von 11.500 Euro bedeutet.

Bereits in der Jugendhilfeausschusssitzung im März hatte die Verwaltung deutlich gemacht, dass die Jugendämter im Kreis Heinsberg in den Jahren ab Einführung des Kinderbildungsgesetzes eine jährliche Erhöhung der Elternbeiträge um 1,5 Prozent anstrebten, da auch der Hauptanteil der von den Jugendämtern zu tragenden Betriebskostenanteile jedes Jahr um 1,5 Prozent stiegen. Obwohl seit August die Pauschalen jährlich um drei Prozent steigen, schlage die Verwaltung trotzdem lediglich eine Steigerung von 1,5 Prozent vor. Diese Erhöhung hätten auch die anderen Jugendämter im Kreis vorgesehen.

„Die Stadt Geilenkirchen erhält 978.000 Euro mehr an Landeszuweisungen für ihre Kitas. Da sind doch 11.500 Euro von den Eltern nicht notwendig“, sagt Katja Wegner-Hens, während Sonja Jansen angesichts der Tatsache, dass die Stadt Geilenkirchen insgesamt jährlich 3,4 Millionen Euro für ihre Kitas zahle, diesen Betrag für die Stadt als „Tropfen auf dem heißen Stein“ bezeichnet. Derweil gibt Andreas Thiemann zu: „Eltern zahlen durchschnittlich 200 Euro im Monat, das bedeutet eine monatliche Erhöhung der Beiträge um zwei bis drei Euro.“

Doch um diese zwei bis drei Euro alleine geht es den Eltern nicht. Wegner-Hens: „Der Stadrat könnte jetzt ein Zeichen setzen. Für Ortsvorsteher werden 20.000 Euro im Jahr ausgegeben, Ausschussvorsitzende sollen 18 000 Euro erhalten, und für unsere Kinder sollen keine 11.000 Euro mehr da sein. Wir investieren zu wenig in die Bildung unserer Kinder“, sagt Wegner-Hens und meint weiter: „Geilenkirchen könnte im Kreis Heinsberg als familienfreundliche Stadt Vorreiter werden.“

Die für die Höhe der Elternbeiträge maßgebliche Tabelle, so bemängeln die Elternvertreter unisono, stamme aus dem Jahr 2014 und umfasse nur zehn Verdienststufen, nach denen Eltern zur Kasse gebeten werden. Deshalb müssten beispielsweise Eltern mit einem jährlichen Einkommen von 38.000 Euro bei einer 45-stündigen Betreuungszeit ebenso 131,50 Euro zahlen wie Eltern mit einem Einkommen von bis zu 49.999 Euro. Das halten sie nicht für gerecht und fordern neue und zusätzliche Staffelungen. „Die Stadt Dortmund hat übrigens 18 Stufen“, sagt Wegner-Hens.

Gegen diesen Vorschlag hatte sich Jugendamtsleiter Wilfried Schulz bereits in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses ausgesprochen und dies mit einem zu großem Aufwand für die Verwaltung begründet.

Bis zu einem Jahreseinkommen von 17.999 Euro sind die Eltern von Kita-Gebühren befreit. Die Elternvertretung fordert, diese Grenze auf 24.000 Euro anzuheben. „Die Stadt Aachen hat eine Freigrenze bis 27.000 Euro, die Städteregion von 24.542, in Düren werden keine Beiträge gezahlt“, sagt Wegner-Hens. Und: „Die Eltern, die dadurch höher belastet werden, müssten 61 Cent in der untersten Stufe mehr zahlen, in der höchsten Stufe sechs Euro.“

Bisher stießen die Vorstellungen des Jugendamtselternbeirates in der Politik auf wenig Gegenliebe. Unterstützung gab es bisher nur von den Grünen. Der Beirat hofft nun nach der Demo auf ein Umdenken in den anderen Ratsfraktionen. Katja Wegner-Hens ist Mitglied der Grünen und für die Grünen als Sachkundige Bürgerin Mitglied im Ausschuss für Bildung, Soziales, Sport und Kultur.

Mehr von Aachener Zeitung