Geilenkirchener Aktionskreis sucht neuen Vorstand

Aktionskreis Geilenkirchen : „Wir müssen getrennt marschieren und gemeinsam siegen“

In der kommenden Woche lädt der Geilenkirchener Aktionskreis zur Versammlung. Es gilt, einen neuen Vorstand zu wählen. Vorsitzender Karl-Heinz Esser hatte bei seiner Wahl angekündigt, nur eine Legislaturperiode zur Verfügung zu stehen. Geschäftsführer Heiner Coenen hat kürzlich aus Verärgerung seinen Rücktritt erklärt.

„Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren“: Mit dieser Maxime hat Heiner Coenen im Jahre 2016 das Amt als Geschäftsführer des Geilenkirchener Aktionskreises übernommen. Jetzt hat der als grenzloser Optimist bekannte 72-Jährige die Nase von diesem Kampf um Kunden und Kaufkraft im Wettstreit mit anderen Kommunen gestrichen voll. Er hat sein Amt unbeachtet von der Öffentlichkeit bereits im Januar niedergelegt. Sicherlich war er nach einer Meniskus-Operation für einige Zeit in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Seine Beine wollten nicht so wie er, aber sein Kopf war klar.

Die zeitlich absehbare körperliche Beeinträchtigung alleine kann also nicht der Grund für seine Entscheidung gewesen sein. Vielmehr sah er seine ursprüngliche „Mission“, die positive Atmosphäre, die im Aktionskreis-Vorstand herrscht, auf die Mitglieder und dann möglichst auf die ganze Stadt zu übertragen, als gescheitert. Spätestens im Rathaus ist er an seine Grenzen gestoßen. „Mein Lebensziel ist, ständig zu lernen und die eigene Qualität zu verbessern. Das ist Qualitätsmanagement“, sagt der ehemalige Studiendirektor am Berufskolleg Wirtschaft, der dort 25 Jahre lang das Wirtschaftsgymnasium geleitet hat.

Als es Anfang des Jahres in einem Gespräch zwischen AK-Vorstand und Verwaltung im Rathaus um die Gestaltung der Autoschau ging, so schildert es Coenen heute, ist er mit seinen Qualitätsansprüchen auf taube Ohren gestoßen. Einige Ausstellerfirmen seien dort präsentiert worden, dazu ein paar Elektroroller, berichtet er. Dass die Elektromobilität möglicherweise die automobile Zukunft ist, sei bei der Planung kaum berücksichtigt worden. Dies, so erklärt Coenen, habe er bei dieser Besprechung angemerkt. Doch kritische Worte werden offenbar nicht von jedem in der Verwaltung gerne gehört: „Sie mit Ihrem Qualitätsmanagement, schrie mir ein führender Verwaltungsmitarbeiter entgegen. In dem Moment wusste ich, dass ich auf der falschen Veranstaltung war. Das ist von Form und Inhalt ungehörig“, ärgert sich Coenen.

Eine Verschränkung von Stadtverwaltung und Aktionskreis sei zwar gut gemeint, habe sich aber nicht als praktikabel erwiesen. „Das ist ein struktureller Fehler: Wir müssen getrennt marschieren und gemeinsam siegen.“ Wenn er von einem führenden Verwaltungsmitarbeiter spricht, will er dessen Namen in dem Zusammenhang nicht in der Zeitung lesen. Aber er macht deutlich: „Es war nicht Beigeordneter Herbert Brunen.“ Dem Aktionskreis gehe es darum, die Qualität in Geilenkirchen weiter zu verbessern. Das gehe allerdings nur, wenn man sich selbst kritisch bewerte und hinterfrage. „Mängel und Vorbereitung einer Autoausstellung müssen doch kritisiert werden. Nach dieser unsachgemäßen Einlassung des führenden Verwaltungsmitarbeiters fiel der Entschluss, nicht mehr anzutreten“, meint der ehemalige Geschäftsführer.

Während der Diplom-Betriebswirt Heiner Coenen einerseits Kritik übt, hat er für die Entwicklung der Stadt Geilenkirchen andererseits großes Lob übrig: „Geilenkirchen muss sich von dem letzten Rest Selbstmitleid befreien, denn wir verfügen über richtige Bringer“, meint er und erinnert an die großen florierenden Firmen in den Industriegebieten, in den „ökonomischen Speckgürteln“. „Hier, im LBBZ, werden die Karosserien für Elektroautos hergestellt, und für die Autoschau ist von der Verwaltung ein Elektrofahrrad vorgesehen“, meint er mit einer Spur Ironie.

Die Innenstadt sei mit hochwertigen Textilgeschäften, Elektrofachhandel, Feinkostgeschäft und Buchhandlungen attraktiv, der After Work Markt sei bei schönem Wetter schwarz vor Menschen. Der Internet-Auftritt des Aktionskreises mit neuer Homepage sei deutlich modernisiert worden, die Mitglieder könnten sich nun mit ihrem Auftritt verlinken. „Wir haben immer die erdrückenden Bilder vom Einzelhandel im Kopf, dem es schlecht geht. Der Einzelhändler, der zweigleisig fährt, wird überleben“, ist sich Coenen sicher. „Der Händler muss dem Kunden in seinem Geschäft ein Einkaufserlebnis mit all seiner sinnlichen Wahrnehmung bieten, aber auch dem potenziellen 28-jährigen hart arbeitenden Kunden ein attraktives Angebot im Internet machen. Die Lieferkette muss dann bis ins Haus des Kunden gehen“, blickt Coenen in die Zukunft.

Der Vorstand des Aktionskreises müsse die zukünftige Entwicklung durch fachliche Anregungen begleiten. Eine kritische Selbstwahrnehmung und ständige Arbeit an der Kommunikation sei das Fundament.

Wie der neue Vorstand aussieht, entscheiden die Mitglieder in ihrer Jahreshauptversammlung am Mittwoch, 15. Mai, 19.15 Uhr, im Sportpark Loherhof. Fest steht auf jeden Fall, dass der bisherige Vorsitzende, Karl-Heinz Esser, ebenfalls nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung steht.

Dies, so erklärt er gegenüber unsere Zeitung, habe aber schon bei seiner Wahl festgestanden. Derzeit ist der Vorstand dabei, die Weichen für die Zukunft zu stellen. „Wir werden einen neuen tollen Vorstand und eine super Lösung finden“, ist sich Esser sicher. Mehr verrät er nicht.

Derweil hat der stellvertretende Geschäftsführer des Aktionskreises, Detlef Kerseboom, auf Anfrage erklärt, für das Amt des Geschäftsführers zur Verfügung zu stehen. Kerseboom ist Mitarbeiter im Schulverwaltungs-, Sport- und Kulturamt der Stadt Geilenkirchen und seit drei Jahren stellvertretender AK-Geschäftsführer.

Wo die Reise dann hin geht, entscheiden die Mitglieder am kommenden Mittwoch.

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