Barrierefreies Geilenkirchen : Konträre Diskussionen und gemeinsame Lösungen

„In Sachen Barrierefreiheit hat Geilenkirchen eine Vorreiterrolle im Kreis Heinsberg“, sagt Bürgermeister Georg Schmitz. Darum stellen die Stadt, der Behindertenbeauftragte und der Lokale Teilhabe-Kreis ihre verschiedenen Projekte vor. Dabei sind sie sich nicht immer einig.

Eigentlich war der Termin angesetzt worden, um Einigkeit und Zusammenhalt zu symbolisieren. Zusammenhalt im Sinne der Sache – nämlich Geilenkirchen für Menschen mit einer Behinderung lebenswerter, also barrierefrei zu machen. Zuletzt hatte es nämlich ein paar Unstimmigkeiten zwischen den Akteuren – dem Lokalen Teilhabe-Kreis im Kreis Heinsberg und dem Behindertenbeauftragten der Stadt Geilenkirchen, Heinz Pütz – gegeben. Der Grund: Pütz warf dem Lokalen Teilhabe-Kreis, bei dem Termin vertreten durch Nicole Abels und Adelheid Venghaus, vor, ihn bei verschiedenen Aktionen, unter anderem einem Rundgang mit der Presse durch Geilenkirchen, nicht beteiligt zu haben. „Wenn es um das Thema Barrierefreiheit in Geilenkirchen geht, muss man mich ins Boot holen“, ist Pütz Ansicht, und die vertritt er auch bei jeder Gelegenheit vehement.

So auch bei dem Termin im Rathaus. Bürgermeister Georg Schmitz, bekanntermaßen ein Freund von Harmonie und einem guten Miteinander, hatte also Pütz, Abels und Venghaus zu einem Pressetermin an einen Tisch geholt, um gemeinsam mit Stephan Scholz, Leiter des Bauverwaltungs- und Tiefbauamtes der Stadt, einmal darzustellen, was man gemeinsam in Sachen Barrierefreiheit in Geilenkirchen schon alles geschafft habe. „Wir haben seit Jahren eine Vorreiterrolle im Kreis Heinsberg“, sagt Schmitz. „Vertreter aus anderen Städten sind zu uns gekommen, um sich anzusehen, wie wir die Dinge umgesetzt haben.“ Die Umsetzung der Projekte, Stephan Scholz zählt unter anderem diverse Straßenbaumaßnahmen sowie die barrierefreie Einrichtung der Kindertagesstätte Teveren, des Rathauses, des Haus Basten oder des Hallenbades auf, sei nicht zuletzt der Hartnäckigkeit des Behindertenbeauftragten Heinz Pütz zu verdanken. Oftmals habe man konträr diskutiert und auch gestritten, letztlich aber immer eine gemeinsame Lösung gefunden.

Als Beispiele der gelungenen Zusammenarbeit nennt auch Pütz einige Beispiele: etwa die Sanierungsarbeiten an der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule und der Realschule, wo letztlich barrierefreie Kochstellen für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen eingerichtet wurden. Dies geschehe übrigens demnächst auch im Pfarrheim in Würm.

Auch Nicole Abels und Adelheid Venghaus sind nun an der Reihe, von ihren Aktionen zu berichten, ihr Fokus liege zwar weniger auf der Überprüfung von Din-Normen als vielmehr auf dem gelungenen Miteinander von allen Menschen. Aber die Mitglieder des Lokalen Teilhabe-Kreises, „allesamt Experten in eigenen Sache“; hätten schon einiges in die Wege geleitet. Seien es Sportangebote für Menschen mit verschiedenen Behinderungen, eine Kooperation mit Realschülern für mehr gegenseitiges Verständnis, eine kreisweite Fragebogenaktion zum Thema Barrierefreiheit oder eine Kooperation mit dem evangelischen Jugendzentrum „Zille“ in Geilenkirchen.

Bevor Abels und Venghaus aber dazu kommen, dies auszuführen, nutzt Heinz Pütz die Gelegenheit, noch einmal zu kritisieren, dass der Lokale Teilhabe-Kreis ihn bei einigen der jüngsten Projekte nicht berücksichtigt und um seine Teilnahme gebeten habe. „Darüber habe ich mich sehr geärgert“, sagt Pütz. So habe der Teilhabe-Kreis etwa die Geilenkirchener Geschäftsleute zum Thema Bestandsschutz und Barrierefreiheit angeschrieben, ohne dies vorher mit ihm zu besprechen. „Es ist ein falscher Eindruck bei den Geschäftsleuten entstanden“, ist sich Pütz sicher.

Eigentlich sei man doch zusammengekommen, um Zusammenhalt zu zeigen, wird Pütz von Nicole Abels unterbrochen, da sei dieses Thema doch eher wenig zuträglich. Dies sieht Pütz anders: „Ich spreche das ganz bewusst hier an. Es ist mir wichtig, noch einmal darauf hinzuweisen.“

Die harmonische Stimmung des Gespräches ist nun doch etwas gedrückt, auch wenn man noch einige Beispiele der gelungenen Zusammenarbeit anführen kann. Auch bei noch nicht abgeschlossenen oder zukünftigen Projekten, etwa dem Umbau des Bahnhofes und der dortigen baulichen Lückenschließung oder der Ampelanlage Theodor-Heuss-Ring / Konrad-Adenauer-Straße oder auch der Aufbereitung der bevorstehenden Europawahl für Menschen mit Behinderungen, kommt noch einiges an Arbeit auf die Stadt Geilenkirchen, den Behindertenbeauftragten und auch den Lokalen Teilhabekreis zu. Darauf werde man aber zu gegebener Zeit noch einmal gesondert hinweisen.