Geilenkirchen: Zum Tag der Brieftaube öffnet Ludwig Artz seinen Schlag

Gurrrrr, Gurrrrr, Gurrrrr : Am Tag der Brieftaube öffnet Ludwig Artz den Schlag

Am Sonntag, 14. April, ist Tag der Brieftaube. Ludwig Artz öffnet seinen Taubenschlag in Bauchem für interessierte Besucher.

Wie finden Brieftauben eigentlich ihren Weg nach Hause? Dies ist eine der Fragen, die den Kindern, die sich rund um den Tag der Brieftaube am 14. April im Taubenschlag von Ludwig Artz in Geilenkirchen treffen, unter den Nägeln brennt. Eine erschöpfende Antwort wird ihnen der Taubenzüchter und –sportler Ludwig Artz aber leider nicht geben können. Denn eine vollständige Erklärung für dieses „Heimfindeverhalten“ haben selbst die Wissenschaftler noch nicht gefunden. Man geht davon aus, dass Brieftauben wie auch Zugvögel den Stand der Sonne und Sterne sowie das Magnetfeld der Erde als Kompass verwenden können und zusätzlich optische Anhaltspunkte nutzen.

„Und außerdem wissen meine Tauben, dass es ihnen hier gut geht“, meint Ludwig Artz, der seinen gefiederten Sportpartnern schöne Taubenschläge aus Holz gebaut hat. Selbstverständlich werden sie täglich gereinigt und in Schuss gehalten. Die Tiere sollen es ja gut haben.

Ludwig Artz züchtet seit 1979 Tauben. Die Leidenschaft hat er von seinem Vater übernommen, der ebenfalls im Taubensport aktiv war. Seine eigene Zucht hat er mit 30 Vögeln begonnen, heute sind es 200. Seine Frau Wilma züchtet außerdem Hochzeitstauben, 40 der eleganten Tiere bewohnen im Garten der Familie Artz einen eigenen kleinen Taubenschlag.

Ein Leben ohne Tauben kann sich Ludwig Artz nicht vorstellen. „Jeder hat eben sein Hobby. Die Tauben sind meins, und es macht mir sehr viel Spaß.“ Heute ist Ludwig Artz Rentner, früher war er als Heizöl- und Baufahrer unterwegs. Mehr Kilometer als seine gefiederten Freunde in all den Jahren hat er dabei aber wohl nicht zurückgelegt. Das Reisejahr im Taubensport, also die Zeit, in der die Tauben zu Wettflügen starten, geht vom 5. April bis zum 14. September. Es wird an 30 Wochenenden geflogen. Die Tauben legen dabei Strecken zwischen 50 und 680 Kilometern zurück.

Die Tauben werden in der Regel zwischen 15 und 20 Jahre alt. Die Männchen und Weibchen werden getrennt gehalten. „Vor dem Flug werden sie kurz zusammengelassen und dann wieder getrennt. Das steigert dann die Motivation für die Flugtauben, möglichst schnell wieder in den Schlag zurückzukommen.“

Ludwig und Wilma Artz vor einem ihrer Taubenschläge. Sie freuen sich schon sehr auf den Besuch der Kindergarten- und Schulkinder. Foto: ZVA/Simone Thelen

Erfolge konnte Ludwig Artz so schon viele feiern. „Ich bin aber kein Fanatiker. Ich möchte nur ein bisschen mitspielen“; sagt er. Trotzdem investiert er viel Zeit und auch Geld, damit seine Tauben bestens gepflegt und auch leistungsfähig sind. Allerhand Spezialfutter und Zusatzstoffe lagern in einem kleinen Stall zwischen Wohnhaus und Taubenschlägen. „Das sind alles natürliche Produkte für die Pflege und Gesundheit. Schließlich züchte ich ja auch Jungtiere heran. Ich bin stolz auf meine Tauben.“

Das kann Ludwig Artz auch sein. Seinen Besuchern zeigt der Bauchemer gerne ein gerahmtes Bild von der Matadoren-Schau 2007 in Dortmund. Damals konnte er seinen größten Erfolg feiern. Die Siegertaube des Wettbewerbs stammte nämlich aus seinem Schlag. Eine Urkunde, die ebenfalls in einem Rahmen präsentiert wird, beweist es. „Diese Taube ist anschließend für 10.000 Euro nach China verkauft worden. Das war schon toll.“ Dabei seien 10.000 Euro im Vergleich zu sonstigen Rekordsummen noch wenig: Erst vor wenigen Wochen hat eine Taube aus Belgien bei einer Versteigerung für 1,25 Millionen Euro den Besitzer gewechselt. Auch diese Taube ging nach China, wo sie nun zu Zuchtzwecken gehalten wird.

Ob die wachsende Nachfrage aus Asien und dem nahen Osten auch in Deutschland die Beliebtheit des Taubensports steigern kann, bleibt abzuwarten. Ludwig Artz: „Das Interesse am Taubensport ist durchaus da. Schließlich arbeiten wir in unseren Vereinen und Verbänden auch stark an unserem Image. Allerdings fehlt trotzdem vielfach der Nachwuchs.“ Der Grund? „Die Kosten!“, sagt Artz. „Wer als Jungzüchter anfangen möchte, muss erst einmal ziemlich viel Geld investieren. Schließlich braucht man einen Taubenschlag und auch eine professionlle Taubenuhr zur Zeitmessung bei den Wettbewerben. Das geht schon ins Geld.“

Seine eigenen Kinder sind natürlich von klein auf in den Taubensport hineingewachsen. Wenn nun Ludwig Artz` Enkel Linus und Lucas beim Opa zu Besuch sind, geht es natürlich als erstes in den Garten und zu den Tauben.

Darüber werden sich nun rund um den Tag der Brieftaube am 14. April auch zahlreiche Kindergartenkinder und Grundschüler freuen können. Ludwig Artz erwartet in den nächsten zwei Wochen rund 300 junge Besucher, denen er seine Tiere zeigen möchte und den Taubensport näherbringen will. „Besonders spanndend wird auch unser Auflasswagen sein. Die Kinder können die Tiere anfassen und beim Beringen zusehen oder assistieren.“ Vielleicht haben sie ja auch Glück, und es schlüpft gerade eine neue Taube aus ihrem Ei.

Der Taubensport ist ein Hobby für Jung und Alt – Ludwig Artz ist auch mit dem Franziskusheim in Kontakt. Er möchte den Bewohnern seinen Taubenschlag zeigen und ihnen eventuell Patenschaften für die Tauben anbieten. „Sie könnten dann bei der Rückkehr der Tauben und auch bei der anschließenden Siegerehrung dabei sein. Ich denke, das würde vielen Senioren Spaß machen.“

Sonstige Menschen, die gerne einmal in den Taubensport hineinschnuppern möchten, empfängt Ludwig Artz natürlich ebenfalls gerne bei sich zu Hause. Wer Interesse hat, kann sich bei Ludwig Artz unter der Telefonnummer 02451/915451 melden.

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