Geilenkirchen: WIlli Goerts stellt sein neues Buch vor

Buchvorstellung : Gewitterjahre der deutschen Geschichte

„Leider hatte die Druckerei einen Schaden an der Produktionsmaschine, so dass die Bücher erst morgen verfügbar sind“, musste Rainald Folz, Vorsitzender des „Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (VDL) im Kreis Heinsberg“, den zahlreich erschienen Gästen im Haus Basten eingestehen, was mit allseitigem Schmunzeln quittiert wurde.

Nichtsdestotrotz hieß er alle herzlich zum Vortrag der von seinem Vereinskameraden Willi Goertz verfassten und vom VDL herausgegebene Dokumentation „Das Geilenkirchener Land im Sturm der Zeit zwischen 1914 und 1945“ willkommen.

Leonhard Kuhn, stellvertretender Bürgermeister, betonte, das Buch handele von einer Zeit, die „durch Furcht, Angst und Rückschläge die städtische Seele nachhaltig prägte“. Gerade diese „Seele“ beleuchte der Autor in seinem Werk, zudem sei es eine Mahnung gegen rechtsextreme Tendenzen.

Resi Hensen, Ortsvorsteherin aus Grotenrath, lobte das Wirken des „Grotenrather Jong“ Willi Goertz, der seine Wurzeln nie vergessen habe. Sie dankte ihm und dem VDL „für die unermüdlich zum Wohle unserer Heimat geleistete Arbeit“.

Der Autor dankte allen, die zum Gelingen des Projektes beigetragen hatten, und verglich das derzeitige stürmische Wetter mit den Ereignissen von 1914 bis 1945: „Das waren quasi die ‚Gewitter-Jahre‘ der deutschen Geschichte!“ Das Recherchieren sei wahrlich eine „Herkules-Aufgabe“ gewesen, gab er zu, und begann mit seinem packenden Vortrag, der die Zuhörer fesselte.

1815, berichtete Goertz, sei das erzkatholische Geilenkirchener Land in das Königreich Preußen einverleibt worden. Bismarcks katholikenfeindliche Agitationen hätten damals die Ursulinen gezwungen, die Stadt zu verlassen. Von der protestantischen Oberschicht kaum akzeptiert, stärkten die Bürger ihre Zusammengehörigkeit durch die Wahl der Zentrumspartei, die 1912 im Geilenkirchener Land 96 Prozent der Stimmen bekam.

Im Ersten Weltkrieg habe ein „Hurra-Patriotismus“ Jung und Alt erfasst. An den Bahnhöfen in Geilenkirchen, Palenberg und Lindern seien die ins Feld einrückenden Soldaten in mit Tannenzweigen geschmückten Sonderzügen verabschiedet worden. Die Ernüchterung folgte in Schlachten wie bei Verdun, zudem raffte die Spanische Grippe Tausende dahin.

In der Weimarer Republik habe es von 1924 bis 1928 eine „Scheinblüte“ gegeben, bemerkte Goertz, wobei der Busverkehr in Geilenkirchen eröffnet und in Grotenrath die erste Wasserleitung verlegt wurde. Von 1919 bis 1927 sei Geilenkirchen zudem französisch besetzt gewesen, und selbst in den „heiligen Hallen“ des Hauses Basten hätten sich die Franzosen einquartiert. Bei Fehlverhalten der Geilenkirchener wurde diese mit Reitpeitschen auf den Kopf geschlagen. Damals hätten Hass und Vergeltung die Franzosen dominiert. „Die Amerikaner hatten noch nicht den Einfluss wie nach dem Zweiten Weltkrieg“, konstatierte der Autor.

Die Arbeitslosigkeit erreichte damals Rekordhöhen, das Geld verlor immer mehr an Wert: Ein Pfund Fleisch kostete 36 Milliarden, ein Bier 4,2 Milliarden Reichsmark. Die Niederlande waren ein wirtschaftliches Mekka – der Schmuggel blühte. Der unaufhaltsame Aufstieg der NSDAP mit dem „Jahrhundertverbrecher“ Adolf Hitler begann...

Viele weitere unbekannte Geschehnisse brachte der Heimatforscher zu Gehör, und sein Vortrag machte in der Tat „Appetit“ auf das 360 Seiten starke Werk. Die Reaktionen des Publikums waren entsprechend: Rudi Rongen aus Grotenrath bekräftigte: „Ich kaufe mir gleich morgen das Buch, bin neugierig auf die vielen Kleinigkeiten“, während Franz-Josef Hermanns aus Prummern besonders die Ausdrucksweise des Vortragenden beeindruckte. Gisela Maahsen, erst seit 1965 in Geilenkirchen wohnhaft, freute sich, dass sie „viel Unbekanntes erfahren“ habe, und Berti Kuck aus Prummern schätzte, dass „man durch die Lektüre angeregt wird zu Gesprächen und zum Lesen“.

Zum Preis von 15 Euro kann das Buch bei Vorstandsmitgliedern abgeholt, per Post zugeschickt oder sogar nach Hause gebracht werden. Zudem ist es in den Geilenkirchener Buchhandlungen „Lyne von de Berg“ und „De Kleine“ erhältlich.

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