Geilenkirchen: Vortrag zum Islamischen Terror im Haus Basten

Vortrag: Islamischer Terror und die Innere Sicherheit Deutschlands

„Ich hoffe, Sie sagen, wenn Sie hinausgehen, es hat sich gelohnt, dass Sie hier waren“, begrüßte Herbert Wölfel, Sektionsleiter der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) Aachen-Heinsberg, die Gäste im Haus Basten. Zusammen mit Geschäftsführer Lothar Böven, Ina Kradepohl, Fachbereichsleiterin für Politik und Gesellschaft der VHS Heinsberg, und der Deutschen Atlantischen Gesellschaft, hatte Wölfel Jörg H. Trauboth eingeladen, über „Islamistischen Terror und die Innere Sicherheit Deutschlands“ zu referieren.

Zu Beginn der Veranstaltung blickte Ina Kradepohl in Trauboths Leben: 1943 geboren, habe er viele Jahre Tornado-Flugzeuge gesteuert und im deutschen Verteidigungsministerium gedient, ebenso bei der NATO in Brüssel als Repräsentant Deutschlands im Bereich Sicherheitspolitik und Krisenmanagement bis zum Rang eines Oberst. Als Special Risk Consultant sei er in Entführungs- und Erpressungsfällen weltweit eingesetzt gewesen, habe auch mit Guerillagruppen verhandelt. Zudem sei er Buchautor, gefragter Terrorismus- und Sicherheitsexperte und lehre als Gastdozent an Hochschulen.

Trauboth begann mit einer Lesung aus seinem Buch „Drei Brüder“, das vom Kampf dreier deutscher Elite-Soldaten gegen die IS-Terror-Miliz handelt. Er habe sich entschlossen, einen Roman zu schreiben, „weil ich dann etwas schreiben kann, was ich sonst nicht äußern darf“. 70 Prozent des Buches seien Wirklichkeit, 30 Prozent Fiktion.

Zur Verdeutlichung spielte er Szenen mit einer fiktiven Bundeskanzlerin, die er in Person von Ulla Heinen mitgebracht hatte. Wegen der deutschen Entscheidung, dem Islamischen Staat zu schaden, würden zwei Geiseln, die soeben entführt worden waren, sterben, verlautbarten die IS-Terroristen in einer Szene.

„Bei Entführungen geht es fast immer um Geld“, erklärte Trauboth. Es werde zwar gesagt, es werde nichts gezahlt, doch es werde immer gezahlt. Nach der Entführung hole sich das Auswärtige Amt das Geld von der entführten Person oder seiner Familie zurück, denn es seien ja Steuergelder, die gezahlt wurden.

„Die zur Befreiung eingesetzten Elitesoldaten üben den Einsatz vorher“, erläuterte der Referent, „dies wissen die wenigsten“. In seinem Roman würden sie verraten. „Jetzt möchte ich nichts weiter erzählen – schauen Sie ins Buch!“, beendete Trauboth seine Lesung und begann mit seinem Vortrag:

Deutschland stehe im Konflikt zwischen Sicherheit und Grundrechten. Die Angst vor terroristischen Anschlägen sei in den vergangenen Jahren hochgeschnellt. Das Ausland spreche von der „German Angst“ – dieser Begriff sei durch zurückhaltende Sicherheitspolitik entstanden. Obwohl es uns gut gehe, sei Angst bei Vielen Teil des Lebensgefühls.

Angstmacher Nummer eins seien Boulevard- und soziale Medien, Fake- und Hass-News sowie IS-Propaganda. Angstmacher Nummer zwei Demagogen wie Trump, Erdogan oder die Reichsbürger, Angstmacher Nummer drei die politische Instabilität.

„Ich bin jedoch überzeugt, Europa ist mehr durch innere Auflösungsprozesse und nationalstaatliche Interessen als durch Angstmacher gefährdet“, mutmaßte Trauboth, „nur so lange wir Länder wie Griechenland finanzieren, werden sie dabei bleiben!“

Weitere Unsicherheitsfaktoren seien Putin in Russland, Jingping in China und Trump in den USA. „Trotz allem brauchen wir die USA. Europa ist momentan ohne sie ein ineffizienter Kaufmannsladen“, bekräftigte der Vortragende.

Russland stehe wieder auf Augenhöhe mit den ganz Großen – die riesigen Gas- und Erdölreserven seien der Grund. China möchte die Totalkontrolle über die Menschen einführen. Nicht nur seine langfristige Wirtschaftspolitik werde USA in einiger Zeit überholen, auch militärisch, denn das Land rüste enorm auf. „Inzwischen hat China soviel Geld in den USA investiert, dass es das Land kaufen könnte“, informierte Trauboth.

Die Mutter aller Probleme sei das Kommunikationsproblem zwischen Volk und Volksvertretern, betonte der Referent. Es werde teils massiv in Rechte eingegriffen. Das Bundesverfassungsgericht dürfe nicht Entscheidungen der Politik treffen.

„Ich war wütend damals, als die Kanzlerin Flüchtlinge hineinließ, was emotional vertretbar war – doch sie hatte keinen Plan“, ereiferte sich Trauboth. „Oder die Dieselkrise – keiner sagt ‚die Firmen haben euch betrogen!‘“ Es fehle ein „Masterplan“ für die innere Sicherheit des Staates. Als Beispiel nannte er das Versagen im Fall Anis Amri, der den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt verübte. „Politiker gehen nicht in den Knast, wenn sie sich nicht ihrer Verantwortung stellen – Banker müssen dies!“

Trauboth fragte sich, ob es wohl eine schleichende Erosion von Bürgerrechten unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung gebe, quasi das Gewaltmonopol des Staates versus Grundrechte? Es gebe ein Grundrecht auf innere Sicherheit und eine Schutzpflicht des Staates, um die Bürgerrechte, die im Grundgesetz stehen, zu schützen, hob er hervor.

Ziel des islamistischen Terrors sei Veränderung, die Gefahr bleibe hoch. In Deutschland seien zirka 11.000 Salafisten und 1.600 gefährliche Islamisten, von denen man 774 einen Anschlag zutraue, zudem „Foreign Fighters“ und Kindersoldaten.

Wo ist unsere „offene Flanke“?, eruierte Trauboth. „Es wird noch mindestens 50 Jahre dauern, bis wir genug Polizisten haben, denn bis zu 50.000 Polizeistellen sind nicht besetzt!“ Die Polizei sei durch Nebenaufgaben überlastet.

„Das größte Problem im Anti-Terror-Kampf ist meiner Meinung nach der Föderalismus!“, betonte der Vortragende. In den USA gebe es beispielsweise das FBI, eine Behörde, die über der örtlichen Polizei stehe. Trauboths Vorschlag für eine neue Sicherheitsarchitektur sei, die Verfassungsschutzämter auflösen und zentrieren. „Wir brauchen ein wehrhaftes Deutschland!“

Doch was können wir hier in der Geilenkirchener Gegend tun? Trauboths Antwort: „Aufstehen für eine wehrhafte Polizei und Bürgerwehr sowie für ein wehrhaftes Europa und sich engagieren gegen Extremismus und Radikalisierung!“ Im Anschluss an seinen Vortrag entspann sich eine rege Diskussion.

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