Geilenkirchen: Vernissage "Compagnons" im Haus Basten

„Compagnons – Deutsch-Französische Freundschaft“ : GK Kulturgut trifft mit seiner Ausstellung den Nerv der Zeit

„Compagnons – Deutsch-Französische Freundschaft“ lautet der Titel der Jahresausstellung des Vereins GK Kulturgut, die am Sonntag im Haus Basten in Geilenkirchen eröffnet wurde. Die Schau wird bestritten von der Künstlergruppe GK KUNST.

Die Aachener Kunsthistorikerin Alexandra Simon-Tönges führte die Vernissagebesucher von „Compagnons – Deutsch-Französiche Freundschaft“ in die Thematik und die präsentierte Kunst ein. Sie knüpfte an die vielbeachtete Rede an, die der französische Präsident Emmanuel Macron im November 2018 im deutschen Bundestag gehalten hatte. Macron hatte im Namen des französischen Volkes die „unerschütterliche Freundschaft mit dem deutschen Volk“ bekräftigt.

Doch auch im Kleinen wolle diese Freundschaft gelebt werden, wie etwa im Rahmen der deutsch-französischen Städtepartnerschaft zwischen Geilenkirchen und Quimperlé. Alexandra Simon-Tönges: „Die Künstler des Vereins GK Kulturgut treffen einen Nerv der Zeit, wenn sie sich in unruhigen politischen Zeiten, die geprägt sind von wiederauflebendem Nationalismus und einer anti-europäischen Stimmung in einigen EU-Ländern, dem Thema der Deutsch-Französischen Freundschaft zuwenden.“

Jeder der beteiligten Kunstschaffenden nähere sich dem Thema auf seine ganz eigene Weise. Herbert Aretz blicke weit zurück in die Geschichte, als das Gebiet, das heute große Teile Deutschlands und Frankreichs umfasse, von Karl dem Großen beherrscht worden sei. Das Aquarell „Charlemagne“ stecke voller Symbole, die einen weiten Bogen spannen würden vom Frühmittelalter bis ins 20. Jahrhundert.

Christiane Lork beschäftige sich ebenfalls mit historischen Ereignissen und rücke den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Die Symbolhaftigkeit von Gesten, insbesondere die des freundschaftlichen Handschlags, sei auch das zentrale Thema in Friedel Heegs Gemälde „Donc et pas autrement“ (So und nicht anders). Der Handschlag werde flankiert von den Wappen Quimperlés und Geilenkirchens, dem Eiffelturm, französischen Spezialitäten sowie dem Brunnen vor dem Gymnasium St. Ursula.

Fery Echghi habe eine der zahlreichen städtepartnerschaftlichen Begegnungen in den Mittelpunkt seiner fotografischen Arbeit gerückt. Er habe eine Fotocollage mit dem Titel „Begegnung“ erstellt, die einerseits Motive aus der Partnerstadt und aus Geilenkirchen zeige. Horst-H. Zocher habe ebenso die Gestaltungsform der Fotocollage gewählt, jedoch nicht in Form einer strukturierten und linearen Anordnung wie sie Fery Echghi gewählt habe, sondern er stelle die Einzelbilder als digital bearbeitete Ausschnitte in einer losen Ordnung zusammen.

Joep Albertz schaue nicht nur auf das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich, sondern nehme die Europäische Union mit in den Blick. Das Gemälde „Unter der Oberfläche“ zeige unter der schwungvoll mit der Rakel über den Bildträger gezogenen blauen Farbe und den goldenen Sternen den Bundesadler, den gallischen Hahn, den Eiffelturm und das Brandenburger Tor. Willi Arlt rücke in seinem Ausstellungsbeitrag das Aufeinanderzugehen in den Mittelpunkt. Seine zweiteilige Eisenplastik „Meine Welt ist offen“ zeige zwei Menschen, die sich jeweils in einer Hälfte einer Kugel befänden und bereit seien, ihren „Kosmos“ zu verlassen, um aufeinander zuzugehen.

Peter Hyden zeige Personen, die sich einander schon sehr nahe seien. Das dargestellte Paar zeige eine innige Verbundenheit, Assoziationen an deutsch-französische Freundschaften. Eine monochrome, helle Farbgebung würde Harmonie beschreiben. Die Möglichkeiten der Symbolkraft von Farben seien für Karin Thiel ebenfalls relevant. Die Farben der deutschen und französischen Flagge seien auf einer hochformatigen Tafel angeordnet. Alexandra Simon-Tönges: „Ein Zusammenprall der Farben oder ihr Verschmelzen, wie auch immer der Betrachter diese Gegenüberstellung der Farben wahrnimmt, in jedem Falle ist die Farbwirkung stark, laut und lebendig.“

Erika Giegla erweitere die Wirkung starker Farben um plakative Buchstaben und angedeutete Architekturen. Die Buchstaben DE und FR verwiesen auf beide Länder; schemenhaft skizzierte Bauten, Brandenburger Tor und Eiffelturm, würden die Darstellung symbolisch aufladen. Eine völlig andere Herangehensweise an das Thema habe Walter Verwoert gewählt. Er zeige Felsenpaare, die in ihrer organischen Form zahlreiche Assoziationen wecken würden. Simon-Tönges: „Und so wie der Wind und das Wasser seit Jahrtausenden Kanten in die Steine schleifen, so sind die beiden benachbarten Länder, ihre Landschaft und ihre Menschen geschliffen und geformt worden.“

Landschaft präsentiere auch Katalin Islik. Sie zeige die charakteristische Vegetation bestimmter Regionen als das Gesicht eines Landes. So versetzten die gezeigten Lavendelfelder den Betrachter in die südfranzösische Provence.

Alexandra Simon-Tönges sagte, die Künstler des Vereins GK Kulturgut würden dem Miteinander Frankreichs und Deutschlands mit dieser Ausstellung nicht nur ein facettenreiches Bild verleihen, „sondern sie erinnern darüber hinaus daran, dass vieles erreicht wurde, das es zu erhalten gilt.“

Die Ausstellung „Compagnons - Deutsch-Französische Freundschaft“, zu der auch ein Katalog erschienen ist, ist noch bis zum 24. Februar sonntags von 14 bis 18 und donnerstags von 16 bis 19 Uhr im Haus Basten kostenlos zu besichtigen. Am Donnerstag, 21. Februar, bleibt die Ausstellung geschlossen.

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