Geilenkirchen: Trabi-Treffen in Geilenkirchen ist "das coolste"

Trabi-Treffen : Jeder „Dötsch“ erzählt eine Geschichte

Es ist mit 80 Oldtimern nicht das größte Trabi-Treffen, aber sicherlich eines der coolsten. Es findet seit vielen Jahren auf einer Wiese hinter dem Wohnhaus der Familie Hack an der von-Humboldt-Straße in Geilenkirchen statt. Markus Hack teilt dort seine Liebe zu Ostfahrzeugen mit alten und neuen Fans von Trabi & Co.

Mit 13 Jahren hatte Markus Hack seinen ersten Trabant gekauft für den Gegenwert von „`nem Appel und `nem Ei“. Die Preise sind inzwischen etwas angezogen. In der Hochzeit der Sammelleidenschaft hatte Markus Hack 20 Fahrzeuge in Besitz, heute setzt er mehr auf Klasse als auf Masse.

Das hat er mit so manch anderem Oldtimerbesitzer gemein, etwa mit Carsten Neumann. Neumann ist aus Jülich zum Trabi-Treffen angereist. Er hat ein Lastenmotorrad der Nationalen Volksarmee der Deutschen Demokratischen Republik dabei. Statt einer Last fährt er im Beiwagen seinen Hund spazieren. Der findet das toll und würde gerade jetzt lieber mit Herrchen ein paar Runden drehen, als an der Leine zuzuschauen, wie die Leute Herrchens Trabant Cabrio bewundern.

Man mag es der DDR kaum zutrauen, aber zumindest deren Autobauer hatten kurz vor der Wende sogar poppige Einflüsse in den Autobau einfließen lassen. Carsten Neumann hatte das unverschämte Glück, solch eine Seltenheit aus erster Hand zu erwerben. In Bonbonrosa, Originallackierung wohlgemerkt, hatte der Fahrzeughersteller Sachsenring aus Zwickau die zivile Ausführung des NVA-Kübelwagens designt. Die Vorbesitzerin, von der Neumann das Fahrzeug vor zwei Jahren mit gerade mal 30.000 Kilometern auf dem Keilriemen erworben hatte, hatte das Auto als Hochzeitsgeschenk bekommen. Sogar der Name dieser Sonderediton war verwestlicht, er hieß Tramp.

Noch seltener als die 500 Stück der rosafarbenen Cabrios ist der Tramp in der Edition Caro. Caro ist noch eine Stufe poppiger und wurde nur 60 Mal hergestellt in sehr auffälligen Farbkombinationen.

Stolzer Papa und fast so stolzer Wolga-Besitzer ist Florian aus Heinsberg. Florian hat auf der Wiese seinen knallroten Wolga der Gorkier Automobilwerke aus den 1960er Jahren abgestellt. 30 Jahre hatte das Fahrzeug im Museum eines Sammlers gestanden, fahruntüchtig aber in Erstlackierung. Der Wagen habe ein unsynchronisiertes Drei-Gang-Getriebe, erklärt Kfz-Mechatroniker Florian nicht ganz ohne Stolz, damit könne nicht jeder fahren. Zudem habe der Wolga den Bremsweg und den Wendekreis eines Containerschiffes. So wie Florian lächelt, glaubt man ihm sofort, dass es ein tolles Gefühl sein muss, den Wolga mit 60 Stundenkilometern über die B221 von Heinsberg nach Geilenkirchen zu chauffieren. Florian hat die Technik seines Wolga wieder instand gesetzt. Den Lack rührt er aber nicht an: „Jeder Dötsch erzählt doch eine Geschichte.“

Auch Töchterchen Henrieke fährt auf dem Trabi-Treffen auf Hacks Wiese stilecht vor. Sie ruht in einem Kinderwagen Baujahr 1949 und fühlt sich sichtlich wohl.

Da auch Trabis so ihre Mucken haben, ist Jochen Trommler bei jedem Trabi-Treffen einer der meist beschäftigten Männer. Trommler verfügt über eine 30-jährige Erfahrung im Reparieren von Ostfahrzeugen. Eigentlich wollte er in diesem Jahr etwas kürzer treten. Doch während des dreitägigen Treffens hat Trommler eine Bremsanlage, eine Achse und einen halben Motor auseinandergenommen und fahrtüchtig wieder zusammengebaut, von Keilriemen und anderen Kleinigkeiten ganz zu schweigen.

Trabi-Paul aus dem benachbarten niederländischen Voerendaal ist einer der Glücklichen, denen Jochen Trommler in der Schrauberecke helfen konnte. Paul Kecken sammelt nicht nur Trabanten, sondern auch die Traction Avant (Frontantrieb) der Marke Citroën. Im Citroën-Club liege der Altersdurchschnitt bei 50 bis 70, bei den Trabi-Treffen hingegen bei 15 bis 70 Jahren, und alles sei nicht so steif, hat Trabi-Paul festgestellt. Das hört Markus Hack nur zu gern: „In 30 Jahren wird die Trabi-Szene vielleicht auch so spießig sein wie bei den anderen Oldtimern“, und dann fügt er lachend hinzu, „aber nicht hier in Geilenkirchen.“