Geilenkirchen: Geilenkirchen soll Stadt der Kunst werden

Geilenkirchen: Geilenkirchen soll Stadt der Kunst werden

Aufgeschlossen, gesellig, kontaktfreudig und weltoffen, kurzum extrovertiert, ist sie. Und fröhlich ist sie. So bunt, schillernd und stimmungsvoll wie Nada Reinhardt ist, ist auch ihre Kunst. Das sieht man schon an ihrer Kleidung, an ihrem gehäkelten, überdimensionalen Schmuck, den sie in leuchtenden Farben präsentiert.

„Mir gefällt, dass man das Kreative an mir sieht. Ich halte mich nicht an Moderegeln. Ich ziehe an, worauf ich Lust habe. Was andere denken, ist mir egal. Manchmal fragen die Leute mich sogar, ob sie mich fotografieren dürfen“, sagt sie.

Kunsthandwerk, das ist die eine Sache, die man bei der Geilenkirchenerin findet: dekorative Kissen, kleine Stofftiere, Schmuck, Decken und Deko fürs Heim. Die Welt der Kunst ist die andere Sache, auf die der Besucher ihres Ateliers im alten Postgebäude in Geilenkirchen stößt.

Die 42-Jährige ist mit Kunst groß geworden. Ihre kroatische Mutter, die Künstlerin Dragica Philipp, hat Objekt-Design in Aachen studiert. Wenn ihre Mutter gemalt und gezeichnet hat, griff auch die kleine Nada zu ihren Stiften. So entstanden schon sehr früh die ersten schönen Bilder: Häuser, Bäume, Tiere. Die Malerei hat sie nie aufgegeben, ihr künstlerisches Spektrum aber ständig erweitert. Sie näht Kleider und fertigt Schmuck aus Perlen, Stoff und Wolle. Und sie ist eine leidenschaftliche Fotografin. „Ich lasse mich einfach von meiner Lust und Laune und vom Wetter inspirieren“, sagt sie.

Bei schönem Wetter streift sie mit ihrer Kamera durch die Teverener Heide, fotografiert Pflanzen und das, was abseits des Weges liegt. Beim Abbilden von alten Gehölzen und abstrakten Steinen spielt sie mit Licht und Schatten. Eindrucksvoll ist das Bild vom Baumstück, auf dem noch tiefe Spuren der Würmer zu sehen sind. Oder die Formen und Figuren aus der Natur, die sie teilweise am PC bearbeitet oder mit Wolle und Garn bestickt. „Ich binde gerne Textilien in meine Kunst ein“, sagt sie.

Ihre Gemälde sind plakativ-figürlich, sie orientiert sich an der New School und liebt Motive des Tattoo Style. Da findet man klassische Tattoo-Motive wie Rose und Anker auf der Leinwand, aber auch Dinge aus der Welt des Sports, ihre Freundinnen, kleine Alltagssituationen, gemalt mit Acryl und Wasserfarben. Auffallend sind die großen, farbenfrohen Bilder, beispielsweise der großformatige Koi. Ihre Kunst ist wie ihre Natur: vielfältig. Und so präsentiert Nada Reinhardt auch ruhige Papierarbeiten, in der Farbe vollständig reduziert.

Experimentierfreudig

Ihre Experimentierfreudigkeit stellt sie mit neuen Arbeiten mit Beton und Textilien unter Beweis: Stoffe hat sie in Beton eingetaucht und unterschiedlichen Elementen ausgesetzt. Die mit Beton behafteten Stoffe hat sie auf der Erde trocknen lassen, Wasser, Wind und Hitze ausgesetzt. „Ich war einfach neugierig, was daraus entstehen würde“, sagt sie. Sie hat noch viele Ideen, die sie verwirklichen möchte, alle hat sie in einem kleinen Notizbuch aufgelistet.

Auch Schüler einbinden

Auch wenn die Künstlerin noch viele Pläne hat, hat die Mutter von drei Kindern vor Monaten eine neue Aufgabe übernommen. Die hauptberuflich als Steuerfachangestellte arbeitende Geilenkirchenerin führt den Kunstverein „GK Kulturgut!“ als Vorsitzende an. Dem Verein, der die Kunst- und Kulturlandschaft in Geilenkirchen verantwortlich mitgestalten und durch eigene Aktivitäten bereichern will, ist sie vor vier Jahren beigetreten. „Die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern bereitet mir Freude“, sagt Nada Reinhardt. Die Nachfolgerin von Henriette Echghi-Ghamsari will neue Ideen für gemeinsame Arbeiten und Ausstellungen, neue Ideen für die Präsentation von Kunst und Kultur in Geilenkirchen umsetzen.

„Unser Programm soll generationsübergreifend werden und Alt und Jung interessieren“, sagt Reinhardt, die die Jugend mit einbinden will. Sie will nun regelmäßige Treffen initiieren. „Da kann man gemeinsam kreativ sein, man kann gemeinsam fotografieren. Oder man kommt, um sich nur kennenzulernen und sich auszutauschen“, sagt sie. Die neue Vorsitzende hofft auf neue Mitglieder in ihrem Verein, auf Menschen, die aktiv und kreativ dabei sind, und auf Menschen, die mit einem Mitgliedsbeitrag von 30 Euro im Jahr den Verein fördern möchten. 15 Mitglieder gehören übrigens zur Künstlergruppe von „Kulturgut“.

Nada Reinhardt will künftig Künstlern aus der ganzen Region und Kunstschaffenden, die auf dem Awacs-Flugplatz beschäftigt sind, in Geilenkirchen eine Plattform bieten. „Ich möchte Geilenkirchen in eine Stadt der Kunst verwandeln.“ Sie sucht nun eine Kooperation mit den Geschäftsleuten, „damit Geilenkirchen ein Schmuckstück wird“. Auch die Schulen möchte sie verstärkt einbinden. So werden Schüler der Realschule bei der nächsten Jahresausstellung im Februar ihre Arbeiten zeigen.