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Geilenkirchen: Schüler-Ausstellung zum Holocaust in der Kreissparkasse

Thema Holocaust : Eine eindrucksvolle Ausstellung von Schülern

Die Perspektive junger Menschen auf ein schwieriges Thema möchte die Ausstellung „Kultur der Erinnerung – Remember the six million“ darstellen. Die Schau wurde im Beisein zahlreicher Gäste auch aus der Politik in der Schalterhalle der Kreissparkasse Geilenkirchen eröffnet und kann noch bis zum 10. April besichtigt werden.

Diese Ausstellung vermittelt die Eindrücke, Gedanken und Reflexionen von Schülern zum Thema Holocaust. Sie ist eine Kooperation der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule Geilenkirchen, der Kreissparkasse Heinsberg und der Initiative Erinnern Geilenkirchen.

Eindrücke verarbeiten

„Kunst ist ein Versuch, die Welt zu zeigen und zu begreifen“, sagte Elzbetha Gehlken. Die Kunstlehrerin hatte mit ihren Schüler des 9. und 10. Jahrgangs, die an den „Krakau-Fahrten“ der Anita-Lichtenstein Gesamtschule teilgenommen hatten, die emotionalen und rationalen Eindrücke, die der Besuch der ehemaligen Vernichtungslager hinterlassen hatte, aufgearbeitet. Die Ergebnisse der künstlerischen Umsetzung sind nun in der Ausstellung „Kultur der Erinnerung – Remember the six million“ zu betrachten.

Ein Objekt der Ausstellung in der Sparkasse Geilenkirchen befasst sich mit dem Kommandanten des Konzentrationslagers Auschwitz Rudolf Höß, der zum Tode verurteilt wurde. Foto: Dettmar Fischer

Schüler der 8.4 von Geschichtslehrer Hans Bruckschen hatten sich zu ihren Werken von der Ausstellung „We, the six million“, die in der Gesamtschule gezeigt worden war, inspirieren lassen. Mit dieser Ausstellung hatten RWTH-Studierende die Lebenswege der Opfer der Shoah im westlichen Rheinland in Erinnerung gebracht. Die Schüler hatten nun ihrerseits ein Fotoprojekt erarbeitet. Tom Springer war einer der teilnehmenden Schüler. Die Projektteilnehmer hatten sich Szenen ausgedacht und nachgestellt, die das Leiden der Opfer des Naziregimes auf sehr eindrucksvolle Weise erlebbar machen.

Tom Springer hatte einen Gefangenen gespielt. Im Keller seiner Schule hatte er in einem langen, leeren Raum auf einem Stuhl Platz genommen, die Hände auf dem Rücken. Er stellte einen Menschen in seiner Isolation und im Bewusstsein des Ausgeliefertseins dar. „Das hat sich gar nicht gut angefühlt“, meinte er bei der Ausstellungseröffnung. Gepaart war dieses Foto mit einem zweiten, das einen vermummten Gewehrschützen zeigt, der, so die Idee des Kunstwerkes, hinter dem Gefangenen steht, und ihn jederzeit erschießen kann.

Thomas Giessing (3.v.l.), Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Heinsberg, hieß Schüler und Lehrer der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule in der Kreissparkasse in Geilenkirchen zur Eröffnung der Ausstellung willkommen. Foto: Dettmar Fischer

Die Schüler des 9. und 10. Jahrgangs, die unter anderem die Konzentrationslager Birkenau und Auschwitz besichtigt hatten, hatten Objekte im Kunstunterricht angefertigt, die nicht minder eindrücklich das Erfahrene in Kunst umsetzten. Mit Playmobilmännchen ist die Ankunft eines Zuges im Vernichtungslager dargestellt. Die Namen der Opfer sind auf kleinen Tafeln notiert, am Rande dieses Objektes aufgeschichtet.

 Kunst wage es das Hässliche, das Unmenschliche zu zeigen, sagte Kunstlehrerin Elzbetha Gehlken in ihrer Ansprache. Kunst solle interessieren und gleichzeitig provozieren. Gehlken: „Kunst ist dann gescheitert, wenn man einfach an ihr vorbeigeht.“

Vielfältige Aktionen

Ihre Erinnerung an das Konzentrationslager Birkenau haben Schüler des 9. Jahrgangs der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule in einem Kunstobjekt verarbeitet. Foto: Dettmar Fischer

Lehrerin Susanne Uryslof hatte gemeinsam mit ihrem Kollegen Hans Brucksen die organisatorische Leitung der Ausstellung übernommen. Die vier Schüler Simon Ubachs, Alexander Raben, Annika Gerullies und Sophie Tümmers hatten für die Vernissage einen Redebeitrag vorbereitet. In diesem schilderten sie den Zuhörern die vielfältigen Aktionen der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule und der Intiative Erinnern, die alle das eine Ziel haben, die Erinnerungskultur im Licht der aktuellen politischen Lage zu pflegen.

Die Schüler verwiesen auf die Stolpersteinaktion im Geilenkirchener Stadtgebiet, den Lichtergang zum 9. November, auf die Zeitzeugengespräche und die Diskussion zum Neutralitätsgebot in ihrer Schule. Thomas Giessing, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Heinsberg, betonte, wie wichtig es sei, dass die Gesamtschule die Erinnerung an den Holocaust wach halte; vor allem, wenn man sehe, wie sich der Antisemitismus in der politischen Landschaft und der Gesellschaft Raum verschaffe.

Die Erinnerung müsse wach gehalten werden, uns mahnen, ohne ein schlechtes Gewissen zu erzeugen, so Giessing. Hans Bruckschen, Sprecher der Initiative Erinnern Geilenkirchen, unterstrich ebenfalls, es gehe nicht darum, ein Schuldgefühl aufzubauen, aber man dürfe die gegenwärtigen politischen Gegebenheiten nicht hinnehmen.