Geilenkirchen: Saniert Zentec Automotive sich aus eigener Kraft?

Insolvenzverfahren : Saniert Zentec Automotive sich aus eigener Kraft?

Zehn Monate nach Einleitung des Insolvenzverfahrens gibt es noch keinen Käufer für den Automobilzulieferer Zentec aus Geilenkirchen. Der Insolvenzverwalter geht davon aus, es auch aus eigener Kraft schaffen zu können.

Für den Geilenkirchener Automobilzulieferer Zentec Automotive gibt es zehn Monate nach Einleitung des Insolvenzverfahrens keinen neuen Besitzer. Dementsprechend scheint sich dort mittlerweile der Fokus zu verschieben. Insolvenzverwalter Dr. Mark Boddenberg hält es aktuell „vielleicht für die sinnvollste Lösung“, dass das Unternehmen sich im Alleingang saniert. „Die Stimmung ist gut, die Auftragsbücher sind voll, die Kunden bleiben uns treu. Warum soll das nicht funktionieren?“, sagt Boddenberg auf Nachfrage unserer Zeitung.

Das Unternehmen war im März 2018 mit einigem Getöse in Insolvenz gegangen. Bevor das Aachener Amtsgericht das Insolvenzverfahren eröffnete, hatte es Monate lang Negativschlagzeilen wegen nicht gezahlter Löhne und anderer offener Verbindlichkeiten gegeben.

Inder springen ab

Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens kam für viele Mitarbeiter einer Erlösung gleich. Viel spricht dafür, dass unternehmerisches Unvermögen ursächlich für die Schieflage war, in die Zentec geraten war, nicht etwa ausbleibende Nachfrage am Markt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach wie vor wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung. Insolvenzverwalter Boddenberg kündigte damals an, Zentec bis zum Spätsommer in einen verkaufsfähigen Zustand bringen zu wollen. Tatsächlich meldeten mehrere mögliche Investoren ihr Interesse an, zwischenzeitlich lagen sogar unterschriftsreife Verträge bereit: Ein großer indischer Konzern wollte Zentec übernehmen und kündigte hohe Investitionen an. Im letzten Moment sprang der Investor aber doch noch ab. „So richtig haben wir das auch nicht verstanden“, räumt Boddenberg ein.

15 zentrale Kunden

Mittlerweile geht man in Niederheid also davon aus, die Gläubiger aus eigenen Kräften zufriedenstellen und die Sanierung abschließen zu können. Unter diesen Vorzeichen wird auch ein Gespräch mit rund 15 zentralen Kunden stehen, dass diese Woche stattfindet.

Ganz ausgeschlossen ist ein zeitnaher Verkauf aber dennoch nicht, denn das Bieterverfahren läuft weiter. Aktuell gibt es laut Boddenberg sechs Interessenten. Dass das nichts bedeuten muss, hat die Erfahrung mit dem indischen Investor gezeigt.

(jpm)
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