Geilenkirchen: Projekt SmiLe zur Sprachförderung wird ausgeweitet

Sprachpatenprojekt „SmiLe“ : „Wenn wir über Fußball reden, vergeht die Zeit wie im Flug“

Das Sprachpatenprojekt „SmiLe“ ist in seiner Pilotphase an der GGS und der KGS Geilenkirchen sehr erfolgreich gestartet. 14 neu zugezogene Grundschüler werden hier von Ehrenamtlern beim Lernen der Deutschen Sprache unterstützt. Nun soll das Projekt ausgeweitet werden: Auf den Selfkant, Gangelt, Waldfeucht und Heinsberg.

Aziz ist zwölf Jahre alt, spielt leidenschaftlich gerne Fußball und möchte später Polizist werden. Er besucht die Gemeinschaftsgrundschule Geilenkirchen und geht dort in die dritte Klasse. Aziz ist erst vor zwei Jahren mit seiner Mutter, seinem jüngeren Bruder und seiner Tante aus Afghanistan nach Deutschland gekommen. Er sprach kein Wort Deutsch, aber schon heute macht es viel Spaß, sich mit ihm zu unterhalten und zu diskutieren. Dies ist ein Verdienst der guten Integration, der schulischen Betreuung und auch des Sprachpatenprojektes SmiLe im Kreis Heinsberg.

SmiLe steht für „Sprachbildung mit individuellem Lernerfolg“. Siegfried Seide aus Geilenkirchen engagiert sich ehrenamtlich in diesem Projekt. Ende des vergangenen Jahres hat sich der Rentner auf einen Aufruf hin gemeldet und trifft sich seitdem jeden Montag in der sechsten Stunde mit Aziz. „Wir lesen gemeinsam kleine Texte und lösen Bilderrätsel. Darüber unterhalten wir uns dann und erklären uns gegenseitig die Wörter“, sagt Siegfried Seide. „Wenn wir dann noch über Fußball sprechen, vergeht die Zeit wie im Flug.“

„Jede Stunde, die Kinder Deutsch sprechen, ist eine Stunde auf der Haben-Seite“, sagt auch die Schulleiterin der GGS Geilenkirchen, Annette Maxheim. „Dabei geht es nicht um Grammatik und Formeln, sondern um die Kommunikation an sich. Eine solche 1:1-Situation wie bei SmiLe können wir als Schule sonst gar nicht leisten. Aber zu Sprechen und bei Fehlern korrigiert zu werden ist ungemein hilfreich beim Erlernen einer Sprache.“

Im Moment befindet sich das SmiLE-Projekt noch in einer Pilotphase an der GGS und an der KGS in Geilenkirchen. An beiden Schulen werden sieben Kinder von insgesamt 14 ehrenamtlichen Sprachpaten unterstützt. „Mit unseren Erfahrungen sind wir dabei sehr zufrieden“, sagt Daniel Bani-Shoraka, Lehrer der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule und Mitglied des Kommunalen Integrationszentrums Kreis Heinsberg. Gemeinsam mit Pia Kaiser vom Kreis Heinsberg hat er das Projekt im vergangenen Jahr konzipiert und gestartet. „Wir kümmern uns um die Gespräche mit Schulen, Trägern, Eltern und Ehrenamtlern. Wir schulen die Sprachpaten und sind natürlich auch im Verlauf des Projektes Ansprechpartner für die Beteiligten.“ Der Start von SmiLe war so erfolgreich, dass das Projekt nun auf weitere Städte im Kreis Heinsberg ausgeweitet werden soll.

„In den Gemeinden Selfkant, Gangelt, Waldfreucht und Heinsberg haben wir bereits Anfragen aus Schulen mit Kindern, die einen Sprachförderbedarf haben“, erklärt Pia Kaiser, Mitorganisatorin vom Kreis Heinsberg. „Darum suchen wir nun auch an diesen Standorten nach neuen, ehrenamtlichen Sprachpaten.“ Im Laufe der kommenden zwei Jahre soll SmiLe im ganzen Kreis Heinsberg angeboten werden, „aber Schritt für Schritt“, so Daniel Bani-Shoraka. „Alles auf einmal können wir schon alleine von den Schulungen her nicht leisten.“

Das erste von vier Workshop-Modulen für interessierte Ehrenamtler startet am Donnerstag, 27. Juni, in der Aula das Bildungshauses Heinsberg. Es geht um die Rahmenbedingungen von SmiLe, um Ausgangsvoraussetzungen und erste Hinweise für die Praxis. In drei weiteren Modulen werden unter anderem die Sprachentwicklungen des Kindes, Stolpersteine der deutschen Sprache, Vorurteilsbewusstsein und Mehrsprachigkeit sowie die Beziehungsarbeit und rechtliche wie formale Rahmenbedingungen thematisiert. Pia Kaiser: „Jeder, der Zeit und Lust hat, ehrenamtlich mit Kindern zu arbeiten, ist herzlich willkommen, mitzumachen. Ehrenamtler müssen nur gut Deutsch sprechen können, ansonsten sind keine Vor-Erfahrungen nötig.“

Aziz hat sich in der Zeit, die er schon mit seinem Paten Siegfried Seide verbracht hat, gut weiterentwickelt. „Die Motivation ist auch tatsächlich sehr groß“, weiß Schulleiterin Annette Maxheim. „Die Schüler fühlen sich sehr wertgeschätzt, wenn ein Pate extra nur für sie in die Schule kommt, um Zeit mit ihnen zu verbringen. Vielleicht entwickelt sich ja sogar eine Freundschaft über das Projekt hinaus.“

Was Aziz aus dem SmiLe-Projekt mitnimmt, kommt auch seiner Familie zu Hause zu Gute. „Mit meinem Bruder spreche ich meistens Deutsch, und meiner Mutter gebe ich auch schon manchmal Nachhilfe“, freut sich Aziz, der somit selbst zu einer Art SmiLe-Paten geworden ist.

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