Geilenkirchen: Geilenkirchen ist offiziell Fairtrade-Town

Geilenkirchen : Geilenkirchen ist offiziell Fairtrade-Town

London, Rom, San Francisco und nun auch Geilenkirchen: alle diese Städte dürfen sich offiziell Fairtrade-Towns nennen. Bereits im März 2017 fiel im Rathaus der Stadt der Startschuss für die Steuerungsgruppe, die sich aus Mitgliedern der politischen Fraktionen und Vertretern aus Verwaltung, Wirtschaft, Kirche und Zivilgesellschaft zusammengesetzt hatte.

Ein gutes Jahr später halten die Verantwortlichen eine offizielle Bestätigung des Vereins Transfair in den Händen, die zeigt: Geilenkirchen hat alle nötigen Kriterien erfüllt, um sich als erste Stadt im Kreis Heinsberg mit dem Siegel Fairtrade Town schmücken zu dürfen. „Mit der Auszeichnung kann sich die Stadt gut präsentieren“, lobt Bürgermeister Georg Schmitz.

Auch der Geschäftsführer des Aktionskreises Geilenkirchen und Mitglied der Steuerungsgruppe, Heiner Coenen, sieht die Möglichkeit, lokal auf globale Probleme zu reagieren. „Wir können damit nicht die Welt retten, aber wir können zumindest anfangen“, sagt Coenen. „Geilenkirchen hat ein Imageproblem und wir können damit zeigen: Wir sind nicht verschnarcht.“

Die Steuerungsgruppe hatte nach der Initiative der Grünen die Aufgabe, die vorgegebene Kriterien zu erfüllen. Eine besondere Herausforderung sei es gewesen, mindestens sechs Geschäfte und drei Gastronomiebetriebe zu finden, die eine bestimme Anzahl von Fairtrade-Produkten anbieten. Zwar hätten große Discounter einen Vertrag mit Anbietern von Fairtrade-Produkten. Schwierig sei es aber bei den Gastronomen gewesen, sagt Jürgen Benden, Vorsitzender der Grünen im Stadtrat und ebenfalls Mitglied der Steuerungsgruppe. „Die haben meist feste Zulieferer und sind weniger flexibel.“

Die Stadt musste sich verpflichten, öffentlichen Sitzungen und Terminen des Bürgermeisters im Rathaus Fairtrade-Produkte anzubieten. Dafür wurden fair gehandelter Orangensaft, Zucker, Plätzen und Kaffee bestellt.

Jürgen Benden ist als Initiator von dem Projekt überzeugt. „Es ist ein großes Zeichen, denn wir zeigen, dass wir Verantwortung übernehmen wollen“, sagt er. Wichtig, die Bürger über das Label Fairtrade aufzuklären und ihnen zu erklären, warum es so wichtig ist, auf faire Arbeits- und Produktionsbedingungen zu achten. „Es reicht nicht, mit dem Stoffbeutel einkaufen zu gehen, man muss auch darauf achten, was im Einkaufskorb landet“, sagt Benden.

Die Arbeit fängt erst an

Mit der erfolgreichen Zertifizierung fange die Arbeit aber gerade erst an. „Jetzt gilt es, das Thema mit Leben und Aktionen zu füllen, getreu dem Motto ‚global denken, lokal handeln‘“, sagt Susanne Köppl, Referentin für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing bei der Stadt und ebenfalls Mitglied in der Steuerungsgruppe. Zukünftig sollen auch die Schulen einbezogen werden und das Thema seinen Weg in die Lehrpläne finden. „Unser Ziel ist es, dass schon Kinder beim einkaufen auf das Fairtrade-Logo achten“, sagt Benden.

Stadt und Steuerungsgruppe wollen die Auszeichnung am Donnerstag, 27. September, gemeinsam mit den Bürgern in der Galerie K feiern. Alle Gastronomen und Einzelhändler, die sich an dem Projekt beteiligen, haben die Möglichkeit, mit einem Stand auf ihre Fairtrade-Produkte aufmerksam zu machen.

Lars Speuser, stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender und Mitglied der Steuerungsgruppe hatte eine besondere Idee: In einem Ladenlokal wird für eine Woche ein globaler Supermarkt eingerichtet. Hier können Kinder und Erwachsene Produkte in ihren Einkaufswagen legen und an der Kasse anstelle des Kaufpreises erfahren, welchen ökologischen Fußabdruck dieser Einkauf hinterlassen würde. „Sie lernen so etwas über die Folgen ihres Konsums, über die benötigen Rohstoffe, die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung der Produkte und auch die Klimaschäden“, sagt Speuser.

Die Auszeichnung ist zwei Jahre lang gültig, danach wollen die Verantwortlichen sich um die Rezertifizierung bemühen. „Vielleicht können wir sogar noch andere Einzelhändler und Gastronomen mit ins Boot holen können“, sagt Benden.

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