Geilenkirchen: Handwerker erneut wegen Cannabisplantage verurteilt

Schöffengericht : Handwerker zum zweiten Mal wegen Cannabisplantage verurteilt

„Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand“, lautet ein altes Sprichwort. Es beschreibt die Unwägbarkeit bestimmter Lebensetappen. Führen Mast- und Schotbruch zum Untergang oder hat man Glück und das Urteil des Schöffengerichts Geilenkirchen fällt milder aus als beim letzten Richterspruch?

Der Angeklagte, ein 56 Jahre alter gelernter Maler und Lackierer, hatte Glück. Bei der zweiten Verhandlung seiner Missetaten vor dem Schöffengericht Geilenkirchen, die nach Anfechtung des ersten Urteils nötig geworden war, kam das Gericht nun zu einer anderen rechtlichen Würdigung und zu einem milderen Urteil.

Klar war auch aufgrund des Geständnisses des Angeklagten der Tathergang, den das Schöffengericht, dieses Mal unter dem Vorsitz von Richter Thomas Schönig, zu beurteilen hatte.

Der Angeklagte hatte im Zeitraum 2015 bis 2016 in seiner Wassenberger Wohnung eine Cannabisplantage betrieben. Bei der ersten Ernte hatten circa 20 Pflanzen über 100 Gramm Cannabis erbracht. Im Februar 2016 hatte eine polizeiliche Hausdurchsuchung beim Angeklagten der Plantage ein Ende bereitet – allerdings nur vorübergehend.

Da die Gerätschaften, die zum Betrieb der Plantage nötig waren, beispielsweise zwei Wärmedampflampen, in der Wohnung desAngeklagten geblieben waren, hatte dieser bald eine neue Zucht aufbauen können. Allerdings zog der Pflanzenduft trotz Entlüftungsanlage durchs Mietshaus, und der Mehltau breitete sich aus. So verlor der Angeklagte recht schnell die Freude an seiner Gärtnerei.

Das Gericht konnte beim zweiten Zuchtversuch nur von einer erzeugten Menge von 1,6 Gramm THC ausgehen. Der Angeklagte verwies darauf, dass er das Rauschgift nur deshalb hergestellt habe, um mit dem Wirkstoff seine Schmerzen zu bekämpfen. Seit einer Gehirnoperation leide er an starken Schmerzen im Bein. Da sei wohl ein Nerv beschädigt worden. Schmerzmittel würden nicht helfen. Um eine legale Cannabistherapie zu erhalten, würde er ein Gutachten bezahlen müssen, dafür fehle ihm aber das Geld.

Richter Schönig kämpfte sich durch die medizinischen Gutachten, konnte aber keine Hinweise auf die vom Angeklagten angeführten starken Schmerzen im Bein finden. Ziemlich kompliziert wurde die rechtliche Würdigung der beiden Taten. Das Schöffengericht Geilenkirchen hatte den Angeklagten bei der ersten Verhandlung wegen des zweimaligen Anbaus von Betäubungsmitteln zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Zu einer etwas anderen rechtlichen Würdigung kam das Schöffengericht nun im zweiten Anlauf. Diesmal wurde der Angeklagte einmal wegen des Herstellens und einmal wegen des Anbaus von Betäubungsmitteln verurteilt, und zwar zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten, ein paar Monate weniger als beim ersten Mal.

Etwas günstiger kam der Angeklagte dieses Mal deshalb davon, weil der Gesetzgeber beim Anbau im Gegensatz zum Herstellen keine „geringe Menge“ vorsieht. Und da das Gericht nun von der Herstellung einer solchen „geringen Menge“ in Übereinstimmung mit der Staatsanwaltschaft ausging, konnte das Strafmaß auch geringer ausfallen. Das klingt nicht nur kompliziert, das ist es wohl auch, wenn selbst Schöffengerichte da Probleme kriegen.

Richter Thomas Schönig gab dem Angeklagten aber einen einfachen, beruhigenden Ratschlag für die dreijährige Bewährungszeit mit auf den Weg: „So weit ich nicht erfahre, dass sie eine neue Plantage aufgemacht haben, passiert da nichts.“ (defi)