1. Lokales
  2. Geilenkirchen

Geilenkirchen: Fahrradtourismus und Live-Comedy

Neue Karte für Geilenkirchen : Fahrradtourismus und Live-Comedy

Bürgermeister Georg Schmitz stellt neue Fahrradkarte für Geilenkirchen und Umgebung im Rahmen eines sonderbaren Pressegesprächs vor. Erarbeitet wurde sie von Touristikunternehmer Paul Schauff und Fotograf Walter Scheufen.

Es gibt leichtere Dinge, als sich jenseits der 60 beruflich noch einmal komplett neu zu erfinden. Georg Schmitz hat das 2015 gewagt, er ist seit mittlerweile drei Jahren als Bürgermeister im Amt. Eine Sache, die ihm in seinem neuen Job nach wie vor nicht gelingt, ist das Organisieren eines gescheiten Pressegesprächs, was schon mit Blick darauf, dass Schmitz selbst über Jahrzehnte als Journalist gearbeitet hat, an dieser Stelle einfach mal erwähnt werden muss.

Diese Woche fand wieder ein solches Gespräch im Rathaus statt, in dem Besprechungsraum schräg gegenüber von seinem Büro. Der Zweck solcher Pressegespräche besteht aus Sicht des Gastgebers darin, ein bestimmtes Thema in der Presse zu lancieren, wozu man der Presse eigentlich nur drei, vier sachkundige Gesprächspartner präsentieren und vielleicht ein paar Basisinformationen in einer Pressemappe zusammenstellen muss.

Die PR-Strategie von Schmitz hingegen sieht vor, zu den Pressegesprächen, zu denen er selbst einlädt, vollkommen unvorbereitet zu erscheinen, und erwartungsgemäß wurde auch diese Woche keine Ausnahme gemacht. Bisher noch nicht vorgekommen ist, dass Schmitz auch noch anfing, sich mit einem der von ihm geladenen sachkundigen Gesprächspartner zu zanken, weil er nicht damit einverstanden war, was dieser der Presse so erzählte.

Das Thema des Gesprächs war durchaus selbstbewusst formuliert worden. Um eine „Tourismus-Offensive“ sollte es gehen und „ein Bericht über die Aktivitäten der Stadt“ zum Thema. Der Bericht ging dann irgendwie unter, aber immerhin wurde eine neue Wander- und Fahrradkarte für Geilenkirchen und die nähere Umgebung vorgestellt. Sie ist in einer Auflage von 10.000 Exemplaren erschienen, liegt ab sofort an Orten wie beispielsweise dem Rathaus, dem Gangelter Infocenter oder Hotels aus, und bevor nun ein falscher Eindruck entsteht: Sie ist gut gemacht. Abgedeckt werden Randerath im Norden, Beeck im Osten, Übach-Palenberg im Süden und Brunssum im Westen. In der Mitte liegt natürlich Geilenkirchen. Neben Strecken und Knotenpunkten zeigt die Karte dem Betrachter auch Sehenswürdigkeiten, Möglichkeiten zum Einkehren, touristische Angebote und Ladestationen für E-Bikes auf.

Erstellt wurde die Karte von Paul Schauff und Walter Scheufen. Scheufen ist Fotograf und war dementsprechend zuständig für die Bebilderung. Schauff ist Werbefachmann und Inhaber von „Erlebnisradtour“, ein lokales Unternehmens für Radtouristik, also sorgte er für den Inhalt der Karte. Schauff sieht im Fahrradtourismus großes Potenzial für Geilenkirchen und dem Kreis Heinsberg, und die Fahrradkarte soll dazu beitragen, diesen zu fördern. „Wer einmal so eine Radreise gemacht hat, der kommt da schwer wieder von runter, das ist wie ein Virus“, sagt Schauff.

Nicht zufrieden ist Schauff damit, wie Geilenkirchen sich selbst präsentiert. Das Stadtmarketing sei ein „Stiefkind“ der Stadt, klagt er im Rahmen des Pressegesprächs, andere Kommunen im Kreisgebiet seien da „viel weiter“ und „viel professioneller“. Der Slogan „Unsere Stadt“, der an Geilenkirchens Ortseingängen zu sehen ist, sei „werbepsychologisch eine Katastrophe“, denn er signalisiere Besuchern ja, dass sie nicht dazu gehören. Immerhin habe sich in den vergangenen Jahren schon ein bisschen was getan, als er 2006 mit seiner Lebensgefährtin nach Geilenkirchen zog und das Stadtmarketing zur Kenntnis nahm, „da ist mir erstmal schlecht geworden“, erinnert sich Schauff. Es ist der Moment des Pressegesprächs, in dem Bürgermeister Schmitz versucht, Schauff zum Einhalten zu bewegen. „Dafür habe ich Dich nicht eingeladen“, knurrt er.

Auch wenn es bei der Kommunikation etwas hakt, liegt die Stadt mit ihrer „Tourismus-Offensive“ durchaus auf einer Linie mit dem, was man auch auf höherer Ebene betreibt: bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg. Sie ist verantwortlich für die Marke „Heinsberger Land“ als Nachfolgerin des abgewickelten Heinsberg Tourist Service. Und die Potenziale und Problemfelder wiederum decken sich zumindest zum Teil mit den Einschätzungen von Touristik-Unternehmer Schauff, auch wenn man die Probleme etwas weniger dramatisch benennt. Als Stärken des Kreises Heinsberg werden dort der Fahrradtourismus und das Naturerlebnisangebot gehandelt, verbesserungswürdig seien die „kleinteiligen Strukturen“, die „teils schwachen Marktauftritte“, „erhebliche Kommunikationsdefizite“ und ein „schwaches Tourismusbewusstsein“.

Millionen von Tagesbesuchen

Laut Zahlen, die die Landesstatistikstelle IT.NRW sowie das Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut für  Fremdenverkehr zusammengestellt haben, soll die Zahl der Übernachtungen im Kreisgebiet zwischen 2005 und 2015 von 164.000 auf 249.000 gestiegen sein (eingerechnet wurden nur Betriebe mit mindestens zehn Betten). Sogar weit im Millionenbereich soll die Zahl der Tagestouristen liegen. Die Frage ist, wer davon profitiert, und auch darauf haben die Statistiker eine Antwort: Neben dem Gastgewerbe, bei dem 41 Prozent der generierten Einnahmen bleiben, entfallen zwölf Prozent auf den Dienstleistungssektor und 47 Prozent auf den Einzelhandel. Diese Daten sollten eigentlich dazu beitragen können, das „schwache Tourismusbewusstsein“ ein wenig zu beflügeln.