Geilenkirchen: Ausstellung eröffnet: "November: Farben und Formen"

„November: Farbe und Formen“ : Neue Ausstellung im Haus Basten eröffnet

„Sein Bedarf an Besteck ist immens“, betonte der Aachener Kunsthistoriker Josef Gülpers in seiner Rede zur Vernissage der aktuellen Kunstausstellung im Haus Basten in Geilenkirchen.

Er bezog sich mit dieser Aussage auf das Werk des Bildhauers Alexander Göttmann, der zusammen mit dem Maler Andrey Noda die letzte Ausstellung bestreitet, die der Verein „GK KULTURgut!“ in Zusammenarbeit mit der Stadt Geilenkirchen in diesem Jahr ausrichtet.

Der Vereinsvorsitzende Willi Arlt begrüßte die Gäste am Sonntagmorgen zur Vernissage. Arlt kündigte an, das dem Verein „GK KULTURgut!“ zukünftig in einem leer stehenden Geschäftslokal im Gelo Carré Räume zur Verfügung stehen würden, in denen der Verein die Kunst seiner Mitglieder präsentieren werde.

Auf den Ausstellungstitel „November: Farbe und Formen“ bezog sich Bürgermeister Georg Schmitz in seinem Redebeitrag. Schmitz: „Wenn ich in diesen Tagen durch Geilenkirchen spaziere, zum Beispiel an der Wurm entlang, dann wiegen sich die letzten Blüten des Jahres sanft im Wind, noch feucht vom Morgentau. Die bunten Blätter fallen von den Bäumen, säumen windverweht den Weg und weisen mir unbestimmt die Richtung.“ Diese poetische Betrachtung der Jahreszeit leitete schön über zur fachkundigen Rede des Kunsthistorikers Josef Gülpers; schließlich nimmt auch die Kunst den Betrachter manchmal mit auf einen Weg in eine unbestimmte Richtung.

Der Künstler Alexander Göttmann stellt gerne Tänzerinnen in seinen Werken dar. Andrey Nodas Bilder sind farbig, ohne nur fröhlich zu sein. Foto: Dettmar Fischer

Ruhe in einer schnelllebigen Zeit

Der Maler Andrey Noda, so Gülpers, verfüge über „eine außerordentliche künstlerische Sensibilität, die feinen Nuancen seiner eigenen, inneren Zustände ins Bild zu setzen. Seine Bilder strahlen Ruhe aus.“ Dies sei angenehm in unserer schnelllebigen und hektischen Zeit. Gülpers: „Er weiß, dass die Suche nach dem Selbst Zeit benötigt.“

Die Werke Nodas seien von zwei Eigenschaften bestimmt. Eine Seite sei farbig, hell, dynamisch, dekorativ, sonnig und heiter; die andere düster und schattenhaft.

Der Künstler selbst bezeichne seine Bilder als „Reise ins Ego-Zentrum“. Er beschreibe die Gesichter und Gestalten in seinen Bildern als seine individuelle Erfahrung mit Engeln und Dämonen seiner Seele. Es sei kein Zufall, dass diese Bilder typische Merkmale von Masken und rituellen Körperbemalungen sogenannter „primitiver“ Völker aufweise.

Die Künstler Andrey Noda (l.) und Alexander Göttmann (r.) zeigen im Haus Basten unter dem Titel „November: Farbe und Form“ ihre Werke. Eingeladen hatte der Verein GK KULTURgut! mit seinem Vorsitzenden Will Arlt (M.). Foto: Dettmar Fischer

Josef Gülpers: „Der existentielle Zustand ist das grundlegende Thema von Andrey Noda.“ In ihrer grundsätzlichen Einsamkeit ähnelten Nodas Figuren denen Giacomettis. Gülpers: „Wie Giacometti verfolgt er die Schaffung eines Grundbildes, eines elementaren Ausdrucks des Daseins.“

Andrey Noda sei 1962 in Alma-Ata, dem heutige Almaty in Kasachstan geboren worden. Alexander Göttmann habe zusammen mit Noda in Kasachstan Bildhauerei, Malerei und Design studiert. Neben verschiedenen Bestecken, Messern und Löffeln, verwendet Göttmann Draht in seinen Skulpturen. Eher zufällig, so Gülpers, sei Göttmann darauf gestoßen, dass ein Drahtgerüst, das er für eine Tonskulptur angefertigt habe, eine derart starke Ausdruckskraft aufgewiesen habe, dass der Ton nicht mehr nötig gewesen sei.

Draht und Blech

Göttmann liebe es, mit verschiedenen Drahtsorten, denen eine unterschiedliche Aussagekraft aufgrund ihrer unterschiedlichen Farbe zugrunde liege, seine Skulpturen aufzubauen. Gülpers: „Alexander Göttmann möchte in seinen Bildern und Skulpturen Stimmungen und seelische Impressionen wiedergeben, er möchte die Fantasie des Betrachters anregen.“

Zum Draht sei das Blech hinzugekommen. Gülpers: „Inspiriert von den geschwungenen Formen des Guggenheim Museums in Bilbao gestaltet er mit genieteten Blechen seine Figuren.“ Die Figuren zeigen Menschenvögel, mythologische Wesen und Tänzerinnen. „Die meisten seiner Wesen verfügen über Flügel“, erläuterte Josef Gülpers. Er fügte hinzu: „Es ist nicht einfach zu unterscheiden, ob es Engel, Götter, Mischwesen sind, oder ob es sich um geflügelte, sinnliche Menschen handelt.“

Der Künstler beschreibe sie als geflügelte Wesen mit weiblichen Zügen, die er als Engel der Liebe bezeichnen würde. „Ich male nicht, was ich sehe, sondern, was ich fühle“, zitierte Josef Gülpers den Bildhauer Alexander Göttmann.

Die Ausstellung im Haus Basten am Friedlandplatz in Geilenkirchen ist bis zum 9. Dezember sonntags von 14 bis 18 Uhr sowie donnerstags von 16 bis 19 Uhr kostenlos zu besichtigen.

(defi)
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