Geilenkirchen: Aljoša Jurinic spiel Beethoven beim Klaviersommer

Klaviersommer : Außergewöhnliche Schönheit, beschrieben in der Musik

„Musikalische Klangbilder“ eines Preisträgers des international renommierten Brüsseler Königin-Elisabeth-Wettbewerbs erlebten die Konzertbesucher im Rahmen des 8. Klaviersommers Geilenkirchen.

Aljoša Jurinic ist ein kroatischer Pianist, der zur jüngeren Generation von Klaviervirtuosen zählt, die sich gerade aufmachen, die großen Bühnen der Welt zu erobern. Vielleicht war es ja eine der letzten Gelegenheiten, ein solches Talent noch einmal für den Geilenkirchener Klaviersommer gewinnen zu können. Denn schon jetzt steht die Bühne in der Aula der Städtischen Realschule Geilenkirchen im Terminkalender des Aljoša Jurinic zusammen mit der Carnegie Hall New York und der Tokio Opera City Concert Hall. Weitere große Konzertsäle werden folgen, wenn der junge Meisterpianist seine Karriere fortsetzt, wie er es bei seinem Konzert im Rahmen des Klaviersommers erahnen ließ.

Der Konzertveranstalter Florian Koltun präsentierte dem Geilenkirchener Publikum nicht ohne Stolz den 1989 in Zagreb geborenen Aljoša Jurinic. Jurinic war 2012 Sieger beim Robert-Schumann-Wettbewerb in Zwickau, aber auch der erste aus Kroatien und dem umliegenden Ausland stammende Pianist, dem es gelungen ist, beim bedeutendsten Pianistenwettbewerb, dem Chopin-Wettbewerb in Warschau (2015), zu den Finalisten beziehungsweise zu den zehn Besten der Welt gezählt zu werden. Neben seiner Konzerttätigkeit in Paris, New York, München oder Mailand gibt Aljoša Jurinic auch Gastspiele mit vielen angesehenen Orchestern wie dem Berlin Radio Sinfonieorchester, dem National Orchestra of Belgium oder der Philharmonie Plauen-Zwickau. Aljoša Jurinić studiert zurzeit bei Professor Grigory Gruzman an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar.

Pianist und Kulturmanager Florian Koltun gelang es, dank ausgezeichneter Kenntnisse so durch das Programm zu führen, dass die Vorfreude auf die Musik geweckt wurde und der Konzertbesucher mit einigem Hintergrundwissen an den Musikgenuss heran gehen konnte. Mit Ludwig van Beethovens Sonate Opus 27, Nr. 1, „Sonata quasi una fantasia“, eröffnete Aljoša Jurinic sein Konzert.

Beethoven klagte in dieser Zeit bereits über eine zunehmende Ertaubung, soll aber bei Entsehung dieses Werkes, Frühjahr bis Herbst 1801, dennoch einige seelige Augenblicke genossen haben dank eines lieben zauberischen Mädchens, wie es seine Briefe verraten. Nach dieser schönen Fantasie spielte Aljoša Jurinic drei wunderbare Klavierstücke von Franz Schubert, Sonate in A-Dur. Gegen Ende seines kurzen aber erfüllten Lebens hatte Franz Schubert, der im November 1828 in Wien starb, diese Jahrhundert überdauernde Musik geschrieben. Schubert drang mit dieser Komposition, die als sein Vermächtnis gilt, in Regionen vor, „wo die Phantasie durch das traurige Allerletzte nun einmal vom Gedanken des nahen Scheidens erfüllt ist", wie er es selber beschrieb.

Aljoša Jurinic gelang es, neben der Beherrschung der Tasten, dank seines einfühlsamen Spiels in diese so weit vom alltäglichen entfernten Regionen vorzustoßen und die Gedankenwelt eines Franz Schubert an das Publikum weiterzugeben in der außergewöhnlichen Schönheit, die Schubert trotz oder gerade aufgrund seines nahen Endes in Töne fasste.

Mit drei Romanzen, Opus 21, von Robert Schumann und Friedrich Chopins Nocturne, Opus 9, und Polonaise, Opus 53, bot der Pianist Aljoša Jurinic seinem Publikum weitere „Musikalische Klangbilder“, die die Zuhörer mit begeistertem Applaus zu würdigen wussten.

Noch bis Sonntag, 28. Juli, gibt es die Möglichkeit, Klaviermusik auf höchstem Niveau kostenlos in Geilenkirchen zu genießen. Informationen unter www.geilenkirchen.de.

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