Übach-Palenberg: Gedenktafel statt Stolpersteine

Übach-Palenberg: Gedenktafel statt Stolpersteine

Eine Gedenktafel statt „Stolpersteine” für die Opfer aus der Zeit der Nationalsozialisten in Übach-Palenberg - so soll nach dem Vorschlag des Kulturausschusses in der Stadt verfahren verfahren.

Auch zukünftig soll es in der ehemaligen Bergbaugemeinde keinen dieser mahnenden „Stolpersteine” geben. Solche sind in anderen Kommunen, Beispiel Herzogenrath, schon längere Zeit im Ortsbild zu finden und erinnern an Plätze, an denen vor allem Menschen jüdischen Glaubens während der Nazi-Diktatur in Deutschland gelebt haben und umgebracht wurden.

Der Experte rät ab

In der Ratssitzung vom 2. Dezember vorigen Jahres wurde durch einen Bürger angeregt, eben jene „Stolpersteine” auch in Übach-Palenberg als Gedenken an die Opfer der NS-Zeit zu installieren. Damals erging der Prüfauftrag an die Verwaltung mit dem Ziel, historische Fakten zu diesem Thema zusammenzustellen. Jürgen Klosa, seines Zeichens Stadtschreiber und ein wahrer Quell an Ortshistorie, nahm sich des Themas an und präsentierte jetzt in der Sitzung des Ausschusses für Kultur und internationale Begegnungen seine Ergebnisse.

„Ich würde von Stolpersteinen abraten”, bilanzierte er. Schließlich könnte er nach eigenen Recherchen zumindest hinsichtlich der jüdischen Bevölkerung keine Personen ausmachen, die hier geboren wurden oder zumindest einen größeren Teil ihres Lebens verbrachten. „Den Übach-Palenberger Juden gibt es nicht”, hielt Jürgen Klosa bildlich fest.

Gleichzeitig stieß er bei seinen Untersuchungen aber auch auf das in der Stadt noch nie berücksichtigte Vorgehen in so genannten Euthanasie-Fällen. Dabei handelt es sich um Menschen, die wegen körperlicher oder geistiger Einschränkungen durch das NS-Regime getötet oder für „pseudowissenschaftliche Zwecke” misshandelt und missbraucht wurden.

Hierbei stieß Stadtschreiber Klosa jedoch auf interessante Fälle, zeigte allerdings auch auf, dass die Recherche anhand von Karteikarten aus dem Melderegister eine kleinteilige und zugleich langwierige Arbeit darstelle. Klar ist ihm jedoch geworden, dass der NS-Hetze sieben Personengruppen zum Opfer fielen: Euthanasieopfer, Juden, Geistliche, Ostarbeiter, Fremdarbeiter, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene.

Während Jürgen Klosa die Zahl von polnischen Kriegsgefangenen bei der damaligen Gewerkschaft Carolus Magnus für das Jahr 1940 mit rund 700 angab, konnte er keine verlässlichen Zahlen zu Todesfällen in diesen Personenkreisen nennen. „Diese Zahl kann nicht genau dokumentiert werden”, so der Geschichtsforscher, es gebe Unglücksfälle unter Tage, aber auch Erschießungen „auf der Flucht”.

Wahl aus zwei Plätzen

Nachdem die „Stolpersteine” nicht infrage kommen, folgten die Ausschussmitglieder dem Vorschlag von SPD-Vertreterin Norma Kuhlmey, die sich für die Einrichtung einer anonymen Gedenktafel für alle Opfer des „Dritten Reichs” aussprach. Nach Ansicht von Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch kommen dafür zwei Standorte in Frage. Zum einen könnte das Gedenken an einem dann erneuerten und veränderten Kriegerdenkmal auf dem Palenberger Friedhof stattfinden. Zum anderen wurde aber auch über die Stelenreihe an der Rimburger Brücke nachgedacht, die jedes Jahr Anziehungspunkt für das Gedenken an die Reichspogromnacht ist.

Eine Entscheidung darüber ist bislang noch nicht gefallen, ein überarbeiteter Entwurf soll den Ratsmitgliedern in Kürze vorgelegt werden.