Gangelter Stolpersteine und weitere Projekte

Erinnerung an das Schicksal jüdischer Mitbürger : Gangelter Initiativkreis verlegt nicht nur Stolpersteine

Der Initiativkreis „Stolpersteine helfen…auch in Gangelt“ hatte in den Jahren 2016, 2017 und 2018 insgesamt 42 sogenannte Stolpersteine zur Erinnerung an das Schicksal jüdischer Mitbürger während der Naziherrschafft verlegt.

Der Initiativkreis hatte sich mit diesen jeweils im Februar des Jahres durchgeführten Aktionen an dem europaweit vorgenommenen Kunstprojekt von Gunter Demnig beteiligt. Zuletzt waren im Februar 2018 unter anderem vor dem Heinsberger Tor in Gangelt 13 Stolpersteine in die Gehwege eingelassen worden und zwar vor den Häusern, in denen die jüdischen Mitbürger zwischen 1933 und 1945 zuletzt gelebt hatten.

Die Arbeit des Initiativkreises in Bezug auf die Stolpersteinverlegung ist nun abgeschlossen. Die Spenden, die aus der Bevölkerung zur Finanzierung des Projektes eingegangen sind, sind aber noch nicht aufgebraucht. Ein nicht ganz vierstelliger Betrag steht noch zur Verfügung und soll im Sinne des Projektes verwandt werden.

Mehrere Ideen wurden im Rahmen einer Sitzung des Initiativkreises bei Josef Backhaus in Hastenrath besprochen. Über das eigentliche Kunstprojekt hinaus hatten sich die Mitglieder des Initiativkreises schon dafür eingesetzt, dass die Erinnerung an jüdisches Leben in Gangelt nicht verloren geht. Sie hatten über den Gemeinderat angeregt, eine mittelalterliche Gasse mit dem Namen Synagogengasse zu versehen. Diese Gasse verbindet etwa in Höhe der Kreissparkasse die Sittarder Straße mit der Wallstraße und wird rechts und links von Backsteinmauern begrenzt.

Unter einer Laterne in dieser Gasse wurde das Schild Synagogengasse bereits angebracht. An dieser Stelle gibt es auch ein kleines Tor mit einer zerbrochenen Glasscheibe. Wer durch das Loch in der Scheibe hindurchschaut, sieht auf eine offene Hoffläche und entdeckt, wenn er denn einen ortskundigen Führer wie Josef Backhaus zur Seite hat, im hinteren Bereich dieses als Parkfläche genutzten Platzes ein Backsteingebäude. Dies sei die alte Synagoge, erklärt Backhaus.

In der Synagogengasse soll die Hinweistafel zur Gwsnleter Synagoge installiert werden. Der Initiativkreis zur Stolpersteinverlegung setzt sich dafür ein. Foto: Dettmar Fischer

Damit auch Spaziergänger, die ohne Führer unterwegs sind, einen Blick in die Geschichte des Ortes werfen können, der übrigens einzigartig im Kreis Heinsberg ist, möchte der Initiativkreis in der Synagogengasse eine Hinweistafel aufstellen. Auf dieser Tafel würden dann folgende Informationen kund getan: „Die Synagoge in der Heinsberger Straße in Gangelt ist die einzig erhaltene im Kreis Heinsberg.

Das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtete Gebäude wurde wegen seiner unmittelbaren Nähe zur umgebenden Bebauung in der Pogrommacht des 9. November 1938 nicht angezündet. Das ehemalige jüdische Gotteshaus wurde in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg als Wirtschaftsgebäude genutzt und befindet sich in Privatbesitz.“ So oder so ähnlich könnte der Text lauten.

Bei der prägnanten Aussage „einzig erhaltene Synagoge im Kreis Heinsberg“ bezieht sich Josef Backhaus auf eine heimatkundliche Arbeit von Dr. Horst Seferens aus Höngen, der den ehemaligen Leiter des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege, Dr. Lutz-Henning Meyer, zitiert, der wiederum von der Gangelter Synagoge „Als einzige erhaltene Synagoge im Kreis Heinsberg ..." sprach.

Neben einer Tafel in der Synagogengasse, die auf diese kreisheinsberger Einmaligkeit gebührend hinweist, hat der Initiativkreis noch weitere Ideen angedacht. Eine Bank für den jüdischen Friedhof anzuschaffen und ein Hinweisschild, das auf diesen zwischen Gangelt und Stahe an der B 56 im Wald versteckt gelegenen Ort des Gedenkens hinweist, sind sicherlich realisierbar.

Viel Arbeit steht denjenigen Mitgliedern des Initiativkreises um Oliver Thissen bevor, die sich mit den 42 Biografien der ehemaligen jüdischen Gangelter Bürger befassen wollen, für die Stolpersteine installiert wurden. Biografisches Material ist vorhanden, aber die Auswertung und Veröffentlichung, in welcher Form auch immer, wird sicherlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Die noch vorhandenen finanziellen Mittel des Initiativkreises „Stolpersteine helfen… auch in Gangelt“ sollen aber eine Ausschwitz-Fahrt unterstützen, die Diakon Stephan Lütgemeier, der dem Initiativkreis angehört, mit Schülern der Gangelter Gesamtschule im Jahr 2020 unternehmen wird.

Ob es dem Initiativkreis gelingen wird, die „einzige erhaltene Synagoge im Kreis Heinsberg“ stärker im Ortsbild zu verankern und die Erinnerung an jüdisches Leben in Gangelt an einem einzigartigen Beispiel erlebbar zu machen, wird sich zeigen. Die bevorstehende städtebauliche Entwicklung des Gangelter Ortskerns dürfte zumindest gute Chancen bieten.

Mehr von Aachener Zeitung