Bauausschuss in Gangelt : Lärm, Staub und ein nicht gehaltenes Versprechen

Das erhöhte Verkehrsaufkommen auf dem Wirtschaftsweg hinter der Lindenstraße in Gangelt war Thema im Gangelter Bau- und Umweltausschuss. Anwohner der Lindenstraße hatten sich beschwert. Nun soll ein Runder Tisch zur Lösung des Problems eingerichtet werden.

Wer von Gangelt nach Schümm will, der verlässt Gangelt über die Hanxler Straße und fährt über Vinteln. Oder er biegt am Pennymarkt ab auf die Lindenstraße, nutzt den anschließenden Wirtschaftsweg, hüpft über die neue Brücke der B56n und landet an der Biogasanlage am Ortsrand von Schümm. Letztere Möglichkeit wählen wohl so viele Verkehrsteilnehmer, dass sich die indirekten Anwohner der Lindenstraße im neuen Wohngebiet Gangelt Nord IV entlang der Hermann-Josef-Claeßen-Straße dermaßen belästigt fühlen, dass sie sich an den Rat der Gemeinde Gangelt gewandt haben. Der Bauausschuss der Gemeinde nahm sich nun des Themas an, allerdings nur ganz kurz, mehr Aufmerksamkeit soll folgen, wenn das Straßenverkehrsamt des Kreises Heinsberg eine Stellungnahme abgegeben hat.

14 Einträge weist die Unterschriftenliste auf, die die Anwohner ihrem Antrag beigefügt haben. Sie verweisen auf ein erhöhtes Verkehrsaufkommen im Bereich der angrenzenden Grundstücke rückwärts zum Wirtschaftsweg Lindenstraße. Der Verkehr habe drastisch zugenommen. „Wurde uns beim Ankauf der Grundstücke noch durch die EGG der Gemeinde Gangelt zugesichert, dass hier kaum Verkehrsaufkommen herrscht, so ist dies mittlerweile ins Gegenteil umgeschlagen“, heißt es im Schreiben an den Gemeinderat.

„Ständiger Betrieb und Verkehr von Fahrzeugen jeglicher Art, Nutzung der Straße als überwiegende Verbindung zu den Ortschaften Schümm und Breberen, überhöhte Geschwindigkeiten im Bereich der anliegenden Grundstücke/Anwohner, extremer landwirtschaftlicher Verkehr mit Traktoren, Saatmaschinen und Mähdreschern, Lkw-Betrieb (...), volle Nutzung der Geschwindigkeit durch Fahrer der Landmaschinen etc., keine Rücksicht auf Anwohner“, beklagen die Antragsteller. Auch die Gefahr für Passanten und eine mangelnde Ausleuchtung der Einmündung eines Weges aus dem Wohngebiet auf die Lindenstraße auf Höhe des Mercatorpunktes werden angeführt.

Minderung der Lebensqualität

Die unterzeichnenden Anwohner beklagen zudem eine Minderung der Lebensqualität im Bereich der Gärten durch extreme Staub- und Lärmbelästigung aufgrund der viel zu schnell fahrenden Kraftfahrzeuge jeglicher Art. Die Antragsteller möchten in Zusammenarbeit mit der Gemeinde nach einer adäquaten Lösung suchen, um einerseits die Belästigung der Anwohner auf ein erträgliches Maß zurückzuführen und „andererseits die Nutzung der Straße für die anliegenden Landwirte nicht gänzlich unmöglich erscheinen zu lassen“.

Die Anwohner machen Verbesserungsvorschläge: Reduzierung der Geschwindigkeit auf zehn Stundenkilometer, Ausleuchtung des Einmündungsbereiches am Mercatorpunkt, Einbau einer Schwelle, Umleitung der hauptwirtschaftlichen Zuwegung über die Hanxler Straße und ein Runder Tisch mit ortsansässigen Landwirten zur gemeinsamen Lösungsfindung.

Den Runden Tisch griff Günther Dammers, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU, auf. Er stellte den Antrag, einen solchen Runden Tisch unter Vorsitz des Gangelter Ortsvorstehers einzurichten, wenn die Stellungnahme des Straßenverkehrsamtes des Kreises Heinsberg vorliege. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen.

Einen interessanten Aspekt der rasanten Ansiedlungen rund um den Gangelter Ortskern wirft zitierter Passus im Antrag der Anwohner auf: „Wurde uns beim Ankauf der Grundstücke noch durch die EGG der Gemeinde Gangelt zugesichert, dass hier kaum Verkehrsaufkommen herrscht, so ist mittlerweile dies ins Gegenteil umgeschlagen.“ Offensichtlich prallen gerade Interessen der Alt- und Neugangelter ziemlich heftig aufeinander. Die alteingesessenen Landwirte wollen ihrem Broterwerb nachgehen, wie sie es bisher taten. Die Neu-Gangelter wollen ihre Ruhe, nicht aber den Lärm der immer größer werdenden Landmaschinen und deren Staub als Panade auf den Grillkoteletts.

Bleibt abzuwarten, ob die Gemeinde Gangelt eine Vermittlerrolle annimmt, oder ob Gangelts Ortsvorsteher Gerd Schütz auf den Spuren Salomons wandelnd den Interessen der Alt- und denen der Neubürger gerecht wird.

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