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Freiwillige Feuerwehr und THW dürfen wieder üben: Training muss sein – trotz Corona

Freiwillige Feuerwehr und THW dürfen wieder üben : Training muss sein – trotz Corona

Damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt, darf bei den Freiwilligen Feuerwehren im Kreis Heinsberg wieder geübt werden. Doch die Retter müssen dabei strenge Auflagen einhalten. Der Feuerwehrnachwuchs muss sich noch gedulden, hier ruht der Betrieb. Anders beim THW: Hier darf auch die Jugend schon wieder üben.

Einmal in der Woche ist Feuerwehrtraining. Diese Tatsache galt bis Ende Februar für Feuerwehrsprecher Oliver Thelen und viele andere aktive Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in Gangelt ganz selbstverständlich. Dann kam Corona, und auch für die Brandschützer war nichts mehr wie zuvor. „Mit dem ersten bestätigten Covid-19-Fall aus der Gemeinde Gangelt hat sich der Alltag der Feuerwehr Gangelt stark verändert“, sagt Thelen. Gleich zu Beginn der Corona-Krise mussten alle Wehren in Deutschland den Übungsbetrieb sowie alle organisatorischen Dienste einstellen. „Lediglich Einsatzdienste und zwingend notwendige Wartungsarbeiten waren noch zulässig“, erzählt Thelen. „Schließlich würde ein Ausfall der Feuerwehr dazu führen, dass Schutzziele nicht mehr eingehalten werden können und Menschen in Notlagen nicht mehr rechtzeitig geholfen werden kann.“

Und diese Befürchtung sollte nicht aus der Luft gegriffen sein: „Bereits am ersten Tag der Corona-Krise mussten rund 30 Kameraden aus Gangelt in häusliche Quarantäne.“ Insgesamt zählt die Freiwillige Feuerwehr in der Gemeinde rund 300 aktive Mitglieder. „Da die Menschen vermehrt ins Homeoffice geschickt wurden, konnten wir den Ausfall glücklicherweise kompensieren“, so der Feuersprecher. Die Wehr war zu jedem Zeitpunkt einsatzfähig. „Dennoch war Vorsicht geboten und weitere Infektionsfälle mussten verhindert werden.“

Gleichzeitig mussten sich die Kameraden weiter für den Ernstfall fit halten. Daher wurde privat trainiert. „Wir sind viel Fahrrad gefahren, laufen gegangen oder auch Treppensteigen“, erzählt Thelen. „Allerdings alles nur in Zweiergruppen und in Freizeitkleidung.“ Für den theoretischen Teil habe es Webinare gegeben. „Das ist auch in Nicht-Corona-Zeiten eine tolle Sache. Grundlagen lassen sich so gut vermitteln, und man muss dafür nicht zusammen in einem Raum sitzen“, sagt der leidenschaftliche Feuerwehrmann. Gleichzeitig gehe dadurch natürlich ein Stück weit die Geselligkeit verloren – für viele Kameraden ein wichtiger Teil der ehrenamtlichen Arbeit als Feuerwehrmann.

Während Übungs- und Einsatzfahrten müssen die Kameraden der Feuerwehr einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Damit dieser nicht vergessen wird, hängt in er in Gangelt in Sichthöhe im Spind.
Während Übungs- und Einsatzfahrten müssen die Kameraden der Feuerwehr einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Damit dieser nicht vergessen wird, hängt in er in Gangelt in Sichthöhe im Spind. Foto: Feuerwehr Gangelt/Oliver Thelen

Seit Anfang Juni sind Übungsdienste und Dienstbesprechungen wieder zugelassen, wenn auch unter Auflagen. „Ebenso wie bei Einsatzfahrten muss bei Übungsfahrten ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden“, erklärt Thelen. Damit die Maske nicht vergessen wird, hängt sie extra in Sichthöhe neben der Einsatzjacke im Schrank: „Alle großen Übungen haben wir weiterhin abgesagt. Wir treffen uns maximal in Gruppen bis zu neun Leuten.“ Die Abstandpflicht sei auch bei den Dienstveranstaltungen einzuhalten: „Wir trainieren meist im Freien, da ist das etwas einfacher.“ Viel vergessen hätten die Kameraden allerdings nicht. „Die Pause macht sich nicht bemerkbar. Nach vier Monaten sitzen die Handgriffe noch immer alle“, verrät Thelen nicht ohne Stolz.

Feste und Kameradschaftsabende finden weiterhin nicht statt. „Dennoch freuen sich die Einsatzkräfte, ihre Kameraden wiederzusehen und sich endlich wieder zum Wohle der Bevölkerung weiterzubilden. Denn schließlich lernen wir für Ihr Leben gerne“, betont Thelen.

Der Feuerwehrnachwuchs muss sich bis zum ersten Wiedersehen noch etwas gedulden, der Übungsdienst der Jugendfeuerwehr ist derzeit noch ruhend. „Hier arbeiten wir gerade gemeinsam mit dem Verband der Feuerwehren NRW an einer Handlungsempfehlung für die Rückkehr der Jugendfeuerwehr in den Dienstalltag“, sagt Thelen. Kleinere Gruppen und Mundschutz seien auch hierbei denkbare Wege. „Allerdings sehe ich hier ein Problem bei der Akzeptanz der Masken. Kinder muss man daran häufig erinnern“, weiß der Familienvater. Gleichzeitig würde ihn sei Sohn täglich fragen, wann er wieder zum Feuerwehrtraining darf: „Die Kinder brennen dafür.“ Es gebe innerhalb der Feuerwehr allerdings auch die Sorge, dass der Nachwuchs abspringt. „Andere Vereine können schon wieder trainieren. Dadurch könnte das Interesse an der Feuerwehr verloren gehen“, fürchtet Thelen. Während der Sommerferien sei aber sowieso immer Pause beim Nachwuchs, und für die Zeit danach werde man hoffentlich eine Lösung gefunden haben.

Auch beim THW Übach-Palenberg führte die Coronavirus-Pandemie zu Einschränkungen des Dienstbetriebes auf das Notwendigste. Seit Mitte Juni finden allerdings wieder regelmäßige Dienste statt – auch bei der Jugend. „Es freut uns sehr, dass der Jugend-Dienst mittlerweile wieder möglich ist“, sagt Ortsjugendbeauftragter Thorsten Ueberdick. Allerdings würden besondere Auflagen gelten: So ist beispielsweise das Tragen von Mund-Nase-Masken obligatorisch, und die Gruppenstärke ist auf zwölf Teilnehmer begrenzt.

Bei den ersten Diensten wurden zunächst wieder alle Basics aufgefrischt. „Das beliebte Thema Stiche und Bunde sorgte hier und da für kurze Pausen“, erinnert sich der stellvertretende Ortsbeauftragte Stephan Frambach. „Die Jungs und Mädels haben am Ende aber alle Konstruktionen mit Bravour hinbekommen.“