Tag des offenen Denkmals: Windmühle in Breberen öffnet ihre Türen

Tag des offenen Denkmals : Wahrzeichen von Breberen öffnet Türen

„Wenn der Wind denn weht …“, dann verspricht Karl-Heinz Tholen, Vorsitzender des Mühlenvereins Selfkant, den Gästen am Sonntag, 8. September, von 10 bis 17 Uhr einen tollen Tag. Die Deutsche Stiftung Denkmalsschutz lädt dann wieder zum Tag des offenen Denkmals ein.

Rund 8000 historische Baudenkmale, Parks und archäologische Stätten sind Teil von Deutschlands größter Kulturveranstaltung – davon allein rund 1200 in Nordrhein-Westfalen.

Der 100-jährige Bauhaus-Geburtstag steht Pate für das Motto: „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“. Dass im Gangelter Ortsteil Breberen die historische Windmühle unmittelbar neben hochmodernen Windrädern stehen, ist wohl eine passende Mischung.

Moderne trifft auf Geschichte

Und doch können die Windräder, was die Bauform, die Ästhetik und vor allem die Geräusche angeht, mit der 177 Jahre alten Mühle nicht mithalten.

Bei der Energieeffizienz sieht es natürlich anders aus. Gebaut wurde das weithin sichtbare Wahrzeichen Breberens 1842 vom damaligen Müller Ohlenforst. Nach Instandsetzungsarbeiten übernahm 1937 die Familie Schmitz die Mühle und betrieb sie bis 1961 als Kornwindmühle. Während des 2. Weltkrieges wurde sie schwer beschädigt.

Karl-Heinz Tholen zeigt schon einmal, was am Tag des Denkmals geboten werde könnte – wenn denn der Wind weht. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Die Windmühle bei Breberen gehört zum Typ der Turmwindmühlen. Bei diesem Mühlentyp sind Turmhaube und Flügelkreuz drehbar gelagert, um die Flügel richtig zum Wind stellen zu können. Das Mühlengebäude selbst ist ein massiver Backsteinbau.

Im Rahmen einer Restaurierung im Jahre 1950 wurde das jetzige Flügelkreuz mit den sogenannten „Bilau-Flügeln“ installiert. Sie stammen ursprünglich aus der Hermanns-Mühle in Kevelaer. Eine weitere Verbesserung war der Einbau eines Fliehkraftreglers, der bewirkt, dass sich die beiden Flügelteile bei zunehmendem Wind automatisch öffnen und dadurch die Umdrehungszahl auf das gewünschte Maß vermindert wird.

Das Mühlengebäude einschließlich der Turmhaube hat eine Höhe von 17 Metern. Das heutige Flügelkreuz ist mit einem Durchmesser von 21 Metern um drei Meter kürzer als die ursprünglich mit Segeltuch bespannten Flügel.

Bis zu 16 Umdrehungen pro Minute

Das Flügelkreuz kann je nach Windstärke bis zu 16 Umdrehungen pro Minute erreichen. Höhere Drehzahlen sind gefährlich und können durch Reibhitze zu Bränden führen.

Das Gewicht von Flügel und Antriebswelle beträgt rund vier Tonnen. Bei günstigen Windverhältnissen konnten so etwa acht bis zehn Sack mit je 100 Kilogramm in der Stunde gemahlen werden. Die Antriebstechnik der Breberner Mühle ist selten geworden. Es gibt wohl noch fünf davon, zwei sind aber nur in Betrieb. Das weiß Karl-Heinz Tholen, dessen Patenonkel Josef Schmitz aus Broichhoven der letzte Müller war, der schließlich die Mühle an den Kreis Heinsberg verkaufte, der sie 2009 für einen Euro an die Gemeinde Gangelt veräußerte.

Für die 17 Aktiven im Verein mit 170 Mitgliedern steht rund um die Mühle immer Arbeit an. Dann müssen die Böden erneuert werden, ein Balken ist morsch und wird ersetzt,  und die Technik an den Flügeln braucht mehr Wartung, als ein Außenstehender glaubt. Für solche Alltagsarbeiten hat der Verein einen Etat; sind die Kosten höher, versucht man, über Fördermittel zu finanzieren. Bewohner hat das historische Gemäuer auch, brütende Falken nahe der Spitze und natürlich Mäuse. Wegen den possierlichen Nagern findet man kein Getreide mehr in Leinensäcken – alles wird gut verschlossen.

Und Spinnen gibt es scheinbar reichlich. Durch die Spinnweben und den Staub am Fenster kann man das Tageslicht nur noch schimmern sehen. „Doch, die sind schon mal geputzt worden“, ist sich Karl-Heinz Tholen sicher. „Nur wann das war, da kann sich bei uns keiner dran erinnern!“