Ritterspiele : Gangelt wird zum großen Heerlager

Lob und Anerkennung und ein vielfaches „Danke“ erfuhren die Veranstalter beim Ritterfest in Gangelt. Es war die zehnte Ausgabe der Veranstaltung, die einst ganz klein auf einer Wiese begonnen hatte.

Die Vertreter von 123 Heerlagern – mehr wird es wohl auch zu Zeiten des Muhrepenn-Dramas rund um Gangelt nicht gegeben haben – betraten die Bühne und stellten sich vor. Viele lobten das Gesamtkonzept, die Gastfreundschaft und das herrliche Miteinander.

In Sackleinen gekleidet

Thorsten Zeise von den Schildwächtern kann die Zahl der Ritter nicht nennen, die da am Hastenrather Weg ihre ebenfalls ungezählten Zelte aufgeschlagen haben. „Viele“, sagt er, „sehr viele!“ Voll sei das Areal in Nachbarschaft zum aktuellen Gangelter Neubaugebiet. Schon an Dienstag waren die ersten Zelte aufgebaut, und in der örtlichen Geschäftswelt wundert sich niemand mehr, wenn eine Woche lang Leute in Sackleinen gekleidet und barfuß ihre Einkäufe erledigen.

Bei der Begrüßung freute sich Bürgermeister Bernhard Tholen, dass „aus einer kleinen Idee so etwas Wunderschönes geworden ist“.“ Dafür mitverantwortlich sind Stadtführerin Monika Tholen, Schildwächter-Ritter Thorsten Zeise, Helmut Görtz vom Ordnungsamt und Markus Bienwald vom Sponsor EWV. Sie wurden für ihr Engagement rund um das Fest geehrt.

Dafür kommen die Zuschauer nach Gangelt: Spannende Wettkämpfe auf der Turnierwiese. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Zum zehnjährigen Jubiläum hatte man einen Zuschuss aus dem Förderprogramm VITAL.NRW erhalten. 12.000 Euro von dort, 6000 Euro steuerte die Gemeinde bei. Davon wurde unter anderem eine kleine Tribüne angeschafft, die – in schwarzen-gelben Alemanniafarben – vor dem Turnierplatz aufgebaut worden war.

Fast eine Woche lang bot sich auf der Gangelter Wiese den Passanten und Zuschauern ein buntes Bild. 123 Heerlager waren aufgebaut. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Schausteller, Handwerker, Freizeitritter und jede Menge Angebote für Auge, Ohr und Gaumen wurden auch zum Jubiläumsfest miteinander kombiniert, und das ist – neben dem freien Eintritt zu allen Veranstaltungen – wohl eines der Erfolgsrezepte beim Historienspektakel. Julia Gabe, die unweit von Gangelt wohnt und den Schmuck, den sie anbietet, selber herstellt, bestätigt das aus Gesprächen mit ihren Kunden.

Ihre Preise beginnen bei einem Euro, „damit sich jeder von diesem Fest eine schöne Erinnerung mitnehmen kann“. Geschäftstüchtig fuhren schon am frühen Morgen zwei Mitarbeiter der ViaNobis mit dem Traktor durch die Zeltstadt und boten Brennholz, Obst und Gemüse an. Obst gab es für die, die auf der Streuobstwiese – auch die war in diesem Jahr bis auf den letzten Platz gefüllt – zelteten, gratis. Herrliche Äpfel und Birnen konnten direkt vom Baum gepflückt werden oder kullerten vom Zeltdach gebremst vor den Eingang.

Die Reiterspiele der edlen Ritter stehen in der Gangelter Publikumsgunst ganz oben. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Softeis und iPhone

Man glaubt gar nicht, mit welcher Akkuratesse die Rittersleut’ ihrem Hobby frönen. Das fängt bei der Kleidung an, geht über die Zelte und deren Ausstattung (interessant, welch’ mittelalterlicher Luxus in manchem Gemach herrschte) bis hin zu den Gegenständen des täglichen Bedarfs. Es gibt aber auch immer wieder die augenscheinlichen Ausrutscher. Softeis zu Zeiten der Ritter, Helme aus Plastik und Schwerter aus Holz, gesottenes Wildschwein auf Burgern – das ist nicht gerade authentisch. Und ob es das neuste iPhone X schon im Mittelalter gab, ist fraglich.

Ein gutes Frühstück ist die Grundlage, um bei den Keilereien erfolgreich zu sein. Foto: Karl-Heinz Hamacher

In Geschichte gegossen

Ein eigenes Kapitel könnte man der Sprache widmen. Der Begriff Handgeklapper fordert Beifall ein, begrüßt wird man mit „Gott zum Gruße, euer Hochwohlgeboren“; das übersetzt man heute mit „Hey Alter“; und ein übertrieben freundliches „Es ist mir eine Freude, Euch hier zu erblicken“ heißt wohl einfach nur „Du schon wieder!“

Die einen kommen wegen der Atmosphäre nach Gangelt, die meisten wegen der Veranstaltungen auf dem Turnierplatz. Dabei werden aber nicht nur einfach Wettkämpfe geboten. Alles wird immer in eine Geschichte gegossen. Häufig spielt die Liebe eine Rolle; so kitschig, dass Rosamunde Pilcher vor Neid erblassen würde. Die Kurzform: Tochter liebt Mann, der für Papa (mindestens ein Herzog, wenn nicht gar der König) gar nicht Frage kommt. Tochter schmollt, Papa wird weich – Keilerei ums Rechthaben. Wer gewinnt? Dieselben wie bei Frau Pilcher.

Zwei gegen einen – da standen die Sieger auch auf der Gangelter Wiese schnell fest. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Schon bevor es das erste Ritterfest in Gangelt gab, zog Monika Tholen als geschichtsverbundene Nachtwächterin durch Gangelt. Sie blieb diesmal auf der Festwiese, um die Gangelter Sagen zu erzählen. Dabei tauchten immer wieder verkleidete Figuren auf, die sich in den Weg stellten und damit den Anlass für die folgende Geschichte gaben.

Der Werwolf

„Der Werwolf im Kostüm war natürlich das Highlight, denn er heulte stets hinter uns her, bis er zupackte“, freute sich Monika Tholen über einen gelungenen Abend, der mit Möhrchen und Likörchen endete.