Milde Strafe für einen Beinahe-Mord in Gangelt

Tod der Ex-Freundin geplant : Milde Strafe für einen Beinahe-Mord

Weil er seine Freundin ermorden wollte, ist ein 22-jähriger Mann aus Gangelt vom Aachener Schwurgericht zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Der Richter machte den Fall zur „Chefsache“ – und verhängte außergewöhnlich scharfe Auflagen.

Der Angeklagte habe zweifellos einen  Mord an seiner Exfreundin geplant und ihn auch vollenden wollen. „Heimtückisch und hinterhältig“, so nannte es der Vorsitzende Richter der Aachener Schwurgerichtskammer Roland Klösgen in der Urteilsverkündung, habe Ingo S. (22) sich am Abend des Rosenmontag zum Haus von Nadine T. (26)  fahren lassen, um sie mit einem Kampfmesser zu töten.

Doch als S. gegen 18.30 Uhr am Haus seines Opfers angekommen war, wurde sein Tatplan durchkreuzt. S. habe geplant, an der Tür zu klingeln, worauf seine Exfreundin ihm öffnen werde. Dann wollte er sie angreifen, das Messer hielt er dafür versteckt in der Jacke bereit.

Allerdings war die seit Monaten von S. immer wieder gestalkte junge Mutter – sie hat einen heute fünf Jahre alten Sohn – nach massiven Drohungen durch ihren Expartner über WhatsApp am vorausgegangenen Karnevalswochenende so in Angst versetzt worden, dass sie nicht alleine im Haus war. Ihr neuer Freund war bei ihr.

Am Karnevalswochenende hatte S. seine Exfreundin auf unflätige und massiv bedrohliche Art und Weise derart massiv beschimpft, dass sie zur Polizei gegangen war und ihn anzeigt hatte. Trotzdem schlug S. in angetrunkenem Zustand bereits am Abend des Rosenmontag zu. Alles nur, weil er auf der Facebook-Profilseite seiner Exfreundin gesehen hatte, dass sie in einer neuen Beziehung war.

Dass ihr neuer Partner im haus war, entpuppte sich als Glücksfall. Denn der Mann konnte verhindern, dass Ingo S. ungehindert ins Haus kam. Der Freund wurde selber dabei durch Messerstiche verletzt. Man habe juristisch nicht nachweisen können, so der Richter beinahe bedauernd, dass die Stiche gezielt waren und damit ein versuchter Totschlag anzunehmen wäre. „Das war ein ganz schmaler Grat“, begründete der Vorsitzende das dadurch eher milde ausgefallene Urteil. Ein schmaler Grat auch für Nadine S., dass sie noch am Leben sei.

Ingo S. wurde wegen Bedrohung und gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von nur zwei Jahren verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Bewährungszeit habe die Kammer auf vier Jahre festgesetzt, erklärte der Vorsitzende Richter Klösgen und nahm sich in außergewöhnlich hartem Ton den Verurteilten noch einmal vor: „Ich werde mir diesen Fall immer wieder persönlich vorlegen lassen. Und glauben Sie mir, wenn mir auch nur andeutungsweise zu Ohren kommt, dass sie sich Frau S. noch einmal nähern sollten, dann fahren sie umgehend in die Haft ein“, drohte der Richter.

Ingo S. hat sich zudem unmittelbar einer psychotherapeutischen Behandlung zu stellen, um sein Gewaltpotenzial und den nicht bewältigten Konflikt mit der Exfreundin zu behandeln. Jede Abweichung vom Bewährungsplan werde gemeldet und habe direkte Konsequenzen.

Man merkte dem erfahrenen Vorsitzenden der Strafkammer, die regelmäßig Gewaltdelikte verhandelt, deutlich an, wie ernst ihm die Sache war. Er habe bislang noch keine Zeugin in seinem Gerichtssaal gehabt, sagte Klösgen, die nach einem solchen Übergriff so erkennbar mitgenommen war und unter Angst litt. Auch ihr Sohn leide noch heute unter den Geschehnissen. Und der Freund der Angegriffenen habe letztlich durch die Verletzung an der Hand seine Arbeitsstelle verloren.

Er werde Nadine S. über den Inhalt des Bewährungsschlusses in Kenntnis setzen, kündigte der Richter am Ende an. Ingo S. nickte ergeben dazu.

Doch das Urteil des Richters war nicht einseitig. Der junge Täter habe sich bislang nichts zu Schulden kommen lassen, führte Klösgen aus. Sein Chef habe ihn sehr gelobt und gesagt, „er ist ein guter Junge“. Doch der „gute Junge“ habe leider auch eine „sehr dunkle Seite“, die ihn zu dieser Tat geführt habe. Dies müsse er umgehend ändern.

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