Klimaschutz, Freifunk und private Fragen: Jugend fragt Bürgermeister

Klimaschutz, Freifunk und private Fragen : Jugend fragt Bürgermeister

Große Resonanz auf Einladung der Jungen Union. Bernhard Tholen verspricht, sich für Freifunk im Jugendheim einzusetzen.

„Ich habe nach 22 Jahren in Gangelt vor keiner Frage mehr Angst“, ermunterte Gangelts Bürgermeister Bernhard Tholen die Jugendlichen im Breberner Jugendheim „Klinke“, ihn zu „löchern“. Der Abend endete mit dem Versprechen, sich für Freifunk für das Jugendheim einzusetzen, das gewünschte Sky-Abo wird es aber nicht geben.

Überraschend gut war der Besuch zu der von der Jungen Union veranstalteten Runde „JUgend fragt - Bürgermeister antwortet“. Über 30 Jugendliche, von denen die meisten nie einen andern Bürgermeister als Bernhard Tholen kennengelernt haben, waren gekommen, freuten sich aber auch auf das anschließende Grillen. Nur der CDU-Fraktionsvorsitzende Karl-Heinz Milthaler, Ortvorsteher Günter Dammers und der neue Führer der CDU-Kreistagsfraktion Erwin Dahlmanns machten den Altersschnitt ziemlich kaputt.

Vera Dammers als JU-Vorsitzende moderierte die Fragerunde mit Bürgermeister Bernhard Tholen. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Die JU-Vorsitzende Vera Dammers begrüßte die Gäste und ermunterte zu Fragen. „Hier können wir unsere Stimme erheben, die Interessen der Jüngeren vorbringen!“ Mirco Scheufen ging als Vorsitzender der „Klinke“ auf die Arbeit der Gruppe ein. Mit „Hier kann man mal Abstand zu Familie und Eltern finden“, hatte er die Lacher auf seiner Seite; dass er die „Klinke“ aber auch als einen Ort vorstellte, in dem „Jugendliche ihre Selbstständigkeiten entwickeln“, zeigte einen wichtigen andern Aspekt.

Als 16jähriger habe er, Tholen, in seiner Heimatstadt Meppen auch mal ein Jugendheim mit aufgebaut. Dann hat die Vakanzen-Zeitung in seinem bunten Berufsleben immer eine entscheidende Rolle gespielt. Die hat ihn dann 1997 nach Gangelt gebracht. Laura von der Loo eröffnete die Runde mit der Frage nach der Zukunft der Jugendarbeit in der Gemeinde.

Der Bürgermeister zeigte sich grundsätzlich äußerst informiert über den Stand der Dinge in den Jugendgruppen der Gemeinde. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es funktioniert, wenn die Jugendlichen sich selber organisieren“, setzte Tholen auf möglichst viel Eigenverantwortung. Allerdings könne man mit jedem Problem zu ihm kommen. Er bot an, Kontakt zu Jasmin Mittmann, die Jugendmitarbeiterin der evangelischen Kirchengemeinde, zu vermitteln. Eindringlich der Apell, als es um den Klimaschutz ging. „Ihr müsst euch engagieren – aus eigenem Interesse und im Interesse eurer Kinder!“

Wenn die Jugendlichen von heute ihrem Nachwuchs eine Zukunft versprechen wollen, dann müsse eine möglichst große Lobby aufgebaut werden. „Die JU ist dafür beispielsweise ein starkes Medium.“

Dann ging es in der Runde um das Klimaschutzprogramm der Gemeinde, die Digitalisierung der Jugendheime und um das Wohlbefinden in den einzelnen Orten mit insgesamt über 90 Vereinen. Dass die Baugrundstücke in der Gemeinde so teuer sind, hänge unter anderem mit den hohen Erschließungskosten zusammen. Mit der Ausweisung von Wohn- und Gewerbegebieten versuche die Gemeinde, Bau- und Ausbildungsmöglichkeiten zu schaffen, war einer der weiteren Aspekte.

Wie animiert man junge Leute, sich politisch zu engagieren? Ein Frage, die wahrlich nicht nur in Gangelt interessant ist. Wichtig sei es, die Jugend ernst zu nehmen. Hierbei würde Tholen es sehr begrüßen, dass die CDU beim Aufstellungsverfahren für die Kommunalwahl 2020 der Jungen Union den ersten Listenplatz einräumen will. „Da muss man ansetzen und weitermachen!“ Im Grunde wäre die Frage von Christian Conzen einfach und unverfänglich zu beantworten gewesen.

Was denn die schönsten Momente seiner Arbeit in den letzten 22 Jahren gewesen seien, wollte der Mann aus dem JU-Vorstand wissen. Hier ging Tholen nicht darauf ein, wie sehr er in den vergangenen zwei Dekaden seiner Regentschaft die Gemeinde an sich und den Zentralort im Besonderen nach vorne gebracht hat. Man muss wissen, dass zu diesem Zeitpunkt in Gangelt alles verschlafen worden war.

Als der letzte „Tante-Emma-Laden“ schloss, fuhren die Gangelter zum Einkaufen nach Birgden; dort hatte die Politik für eine hervorragende Infrastruktur gesorgt. Nein, Tholen erinnerte nach längerem Nachdenken an seine Wiederwahl 2004. Nach „Unstimmigkeiten“ hatte eine knappe Mehrheit der Gemeinde-CDU sich für Dr. Armin Leon als Bürgermeister-Kandidaten entschieden; Tholen fiel durch. „Da habe ich vorher wohl den ein oder anderen Fehler gemacht“, erinnerte sich Bernhard Tholen und kam auf einen „kribbeligen Wahlkampf“ zu sprechen.

„Hart gekämpft und gesiegt“, umschrieb er, der ohne Parteiunterstützung angetreten war, die krachende Niederlage die er der CDU in Gangelt bereitet hatte.

Mehr von Aachener Zeitung