Gangelt: Theatergruppe Kreuzratz spielt "Oh Gott, die Familie!"

Theatergruppe Kreuzrath : „Oh Gott, die Familie!“ statt trauter Zweisamkeit

Allerhand Verwicklungen gibt es in dem neuen Stück der Theatergruppe Kreuzrath „Oh Gott, die Familie!“. Ein junges Paar sucht vor der Hochzeit die Zweisamkeit, doch ihre Familien machen den Verlobten einen Strich durch die Rechnung.

„Der beste Schauspieler taugt nichts, wenn er nicht ins Team passt.“ Davon ist der Regisseur der Theatergruppe Kreuzrath, Hans-Josef Schmölders überzeugt. Und wer die Premiere des Schwanks „Oh Gott, die Familie!“ im Dorfzentrum Kreuzrath miterlebte, dem wurde schnell klar, dass der Teamgeist in der Truppe stimmt. Denn nur so kann sich die Spielfreude auf der Bühne ins Publikum übertragen.

Bernd Gombolds Schwank in drei Akten „Oh Gott, die Familie!“ bietet alle Komponenten, die ein ordentlicher Schwank benötigt, um den Zuschauern einen unbeschwerten Abend zu bereiten: von der „frisierten Ratte“ bis hin zu einigen Paraderollen, die es den Vollblutschauspielern der Theatergruppe erlaubten, alle Register ihres Könnens zu ziehen.

Es ergaben sich herrliche Szenen, in denen die Schauspieler richtig aufdrehen konnten und das Publikum mitgerissen Szenenapplaus spendete.

Der Titel des Schwanks „Oh Gott, die Familie!“ ließ schon erahnen, worum es gehen würde. Die liebe, oder genau genommen die gar nicht so liebe Familie rückt einem jungen Paar auf die Pelle, das eigentlich in seliger Zweisamkeit und vor allem ohne Anhang in einer abgelegenen Hütte am See heiraten will. Doch leider hatte sich das junge Paar verplaudert, und so trudelt nach und nach die Familiensippe ein.

Eine Paraderolle hatte Josef Aretz erwischt. Er spielte den Opa, dessen Interesse vor allem dem Essen und Trinken galt. Italienische Teigknödel waren gar nicht sein Ding. Da griff er schnell zu, als ein hübsch angerichteter Teller mit einem Fleischgericht unbeobachtet auf dem Tisch stand. Lecker, lecker, Rindfleisch schmeckte er heraus, Schweinefleisch und …? Ja, da war noch etwas, aber was? Die Zuschauer amüsierten sich köstlich, kannten sie doch die geheime Zutat: Daisys Mittagsmahl. Daisy war ein kleiner Yorkshire Terrier, den die Familie des Bräutigams, die aus dem Osten der Republik angereist war, mitgebracht hatte. „Frisierte Ratte“ hatte man das Hündchen kurz zuvor noch tituliert. Doch dass der Opa nun das der „frisierten Ratte“ zugedachte Hundefutter vertilgte, wurde ihm erst etwas später bewusst.

Daisy erlernte kurz darauf das Fliegen, allerdings unfreiwillig und zur großen Bestürzung der liebenden Hundeeltern.

Die resolute Hüttenwirtin Klara, hinreißend und mit viel Temperament gespielt von Rita Görgens, führte in ihrer Hütte ein strenges Regiment, duldete in ihrem Refugium auf keinen Fall einen „stinkenden Köter“ und schmiss diesen daher samt Hundekörbchen in hohem Bogen aus dem Fenster. Das war eine von vielen herrlichen Szenen, die die Theatergruppe Kreuzrath in dieser wunderbaren Inszenierung zum großen Vergnügen der Zuschauer temporeich darstellte.

Weitere Verwicklungen bahnten sich an, die dem jungen Brautpaar Ute (Monique Faßbender) und Mark (Hendrik Görgens) fast die Lust am Heiraten verdorben hätten. Sowohl die Eltern von Ute (Monique Apps und Martin Otto) als auch von Mark (Sarah Jarco und Stefan Schmölders) taten ihr Bestes, um ihren Kindern auf die Nerven zu gehen. Einen Lacher nach dem anderen bescherte Stefan Schmölders, der Brautvater, dem Publikum. Sein sächsischer Zungenschlag war ein Hochgenuss für hiesige Ohren.

Natürlich stand auch der Opa im Zentrum des sich anbahnenden Hochzeitsdesasters. Sein Besuch mit dem Brautvater im Nachtclub „La Bomba“ führte zu einer Entwicklung der Hochzeitsgeschichte, die die traute Zweisamkeit des Paares zunächst einmal unmöglich machte. Die Pfarrhaushälterin (Angelika Scheufens) brachte einen weiteren Stein der Verstrickungen ins Rollen, als sie Hochzeitstrachten vorbeibrachte, die die beiden Nachtclubsucher aber für ihre Anzüge hielten – der Alkohol machte es möglich.

Neu im Team der Theatergruppe Kreuz war im 26. Jahr des Bestehens Dominik Louis, der in der Rolle des Türstehers Pedro glänzte und sich hervorragend in die Theatergruppe einfügte. Geheiratet wurde am Ende natürlich doch – nur wie, das soll wegen der noch folgenden Aufführungen noch nicht verraten werden – nur so viel – der Theaterbesuch lohnt sich auf jeden Fall.

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