Gangelt: Ralf Winkelmann bei Die Höhle der Löwen mit Camping Butler

Ein Butler für die Campingtoilette : Gangelter Gründer stellt sich den Löwen

Ralf Winkelmann aus Gangelt ist leidenschaftlicher Camper, aber das Reinigen der Campingtoilette findet er nicht mehr zeitgemäß. Seine Lösung für das Problem stellt er nun bei der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ vor.

Seit seiner Kindheit ist Ralf Winkelmann leidenschaftlicher Camper. Als er dann aber vor einigen Jahren das erste Mal ohne seine Eltern auf Tour ging, musste er auch das Reinigen der Campingtoilette übernehmen. Schnell hatte er die Nase voll von dem Gestank der Entsorgungsstationen.

„Keiner kommt gerne mit seinen eigenen Fäkalien oder denen von anderen in Berührung“, sagt der Gangelter. „Das ist eine sehr starke Geruchsbelästigung und einfach nicht mehr zeitgemäß.“ In dem erfahrenen Maschinenbauer keimte eine Idee auf: „Das muss auch anders gehen – vollautomatisch.“ Und so fing der 36-Jährige im Jahr 2015 in seiner Garage an zu tüfteln, um einen Apparat zu entwickeln, der Campern diese unangenehme Aufgabe abnimmt.

„Schnell wurde aus dieser Idee ein ambitioniertes Hobby, dem ich viel Freizeit und Zeit mit meiner Frau und meinen zwei Kindern opferte“, erzählt der gebürtige Geilenkirchener. Nach unzähligen Stunden war er endlich fertig: der erste Prototyp des „Camping Butlers“. Das Gerät erinnert optisch an einen Leergutautomaten und reinigt Kassetten mobiler Toiletten vollautomatisch und kontaktfrei von innen und außen.

Das Entleeren und Säubern der Campingtoilette stank Ralf Winkelmann aus Gangelt  so sehr, dass er einen Automaten dafür entwickelte. Foto: ZVA/Michèle-Cathrin Zeidler

Mit dieser Geschäftsidee ist Ralf Winkelmann zusammen mit seinem Partner Dr. Simon Freutel Dienstagabend in der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ zu Gast.

„Ich habe den Prototypen dann erst einmal auf einer Campinganlage in Füssen getestet“, erzählt Ralf Winkelmann vom weiteren Ablauf. Die Anlage sei als Vorreiter bekannt, und die Besitzer waren von der Idee begeistert: „Es lief zunächst aber recht holprig.“ Etwa ein Jahr lang habe er noch an der Mechanik und der Software gefeilt. Heute erkennt der „Camping Butler“ sämtliche Kassettentypen aller Hersteller: „Das gilt auch für zukünftige Kassettentypen. Wir haben einen Roboter in der Kiste, und neue Modelle werden per Update aufgespielt.“

Prozess über Touch-Display starten

Die Kassette wird einfach aus dem Camper entnommen, in den „Camping Butler“ gestellt und der Reinigungsprozess über das Touch-Display gestartet. „Wir bieten drei Optionen“, erklärt der Gründer. Die Kassette kann nur gereinigt werden oder noch mit einem Sanitärzusatz gefüllt werden: Per Knopfdruck kann zwischen konventionellen, chemischen Zusätzen oder einem umweltfreundlichen, mikrobiologischen Sanitärzusatz gewählt werden. Nach wenigen Minuten ist die Reinigung abgeschlossen: „Die Kosten belaufen sich je nach gewählter Option auf ein bis zwei Euro.“

Bevor Ralf Winkelmann den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, holte er sich noch einen Partner mit ins Boot. Den Physiker Dr. Simon Freutel lernte er durch die Arbeit kennen. „Er war Leiter der Softwareentwicklung, ich Leiter im Maschinenbau, und wir wurden auch privat Freunde“, erzählt er. Freutel war von der Idee überzeugt, und so folgte Ende 2018 die Gründung einer eigenen Firma: „Seit März arbeiten wir beide Vollzeit am ‚Camping Butler’.“

Investoren für seine Idee hat Ralf Winkelmann schon gefunden, er hatte andere Gründe für die Anmeldung in der „Höhle der Löwen“. „Uns geht es vor allem darum, unser Produkt bekannter zu machen. Die Sendung hat eine große Reichweite“, weiß Winkelmann. Allerdings wären auch die Kontakte der Löwen eine Bereicherung: „Wir haben beide Ahnung von Technik, aber beim Vertrieb fehlt uns das nötige Know-How.“

Auf ihre Präsentation in der Sendung haben sich die zwei Gründer gut vorbereitet. „Ich habe vorher noch nie vor der Kamera gestanden. Wir waren beide ziemlich aufgeregt. Das war sehr spannend.“ Ob der „Camping Butler“ einen der Löwen überzeugen konnte, darf Winkelmann leider nicht verraten.

Positiver Blick in die Zukunft

In jedem Fall schaut der Unternehmer positiv in die Zukunft. „Das Feedback ist sehr gut. Die Camper sind begeistert“, berichtet Winkelmann. Die Campingplätze können sich beim Unternehmen um einen „Camping Butler“ bewerben. „Sie zahlen eine Aufstellungsgebühr, bekommen aber die Einnahmen aus dem Gerät, bis diese Kosten beglichen sind“, erklärt der Gangelter das System. Anschließend gehen die Einnahmen an das Unternehmen mit Sitz in Mönchengladbach: „Dafür übernehmen wir Reparatur und Wartung.“

Aktuell sind vier „Camping Butler“ bereits im Einsatz: „In diesem Jahr sollen 20 bis 50 weitere Geräten folgen.“ Ziel ist es, die Campingplätze in Deutschland flächendeckend mit dem „Camping Butler“ auszustatten: „In fünf Jahren wollen wir zwischen 3000 und 5000 Geräte im Einsatz haben.“ Danach soll aber noch nicht Schluss sein. „Wir starten in Deutschland. Danach werden wir in die Nachbarländer exportieren“, so Winkelmann. „Wir fahren unsere Produktion gerade langsam hoch.“

Auch zukünftig sollen die Geräte aber in Deutschland hergestellt werden. Noch muss sich Ralf Winkelmann auf seinen Touren mit dem Campingmobil mit seiner Kassette meist zur Entsorgungsstation begeben: „Aber ich arbeite hart daran, dass das irgendwann nicht mehr nötig ist.“