Investition in Zukunft: Gangelt entwickelt den Ortskern weiter

Investition in Zukunft : Gangelt entwickelt den Ortskern weiter

Die Zukunft Gangelts naht in großen Schritten. Bereits zum dritten Mal gab es nun Fördergeld. Dieses Mal sollen 1,8 Millionen Euro in das Haus der Jugendlichen einfließen. Bürger entscheiden über die Veränderung mit.

„Wunderbar“, antwortet Gangelts Bürgermeister Bernhard Tholen auf die Frage, wie er sich seinen Ort in vier bis fünf Jahren vorstellt. Dann wird Bernhard Tholen zwar nicht mehr Bürgermeister der Gemeinde sein, aber umso mehr Zeit haben, in einem der schönen Straßencafés an der heute noch vielbefahrenen Sittarder Straße zu sitzen und ganz entspannt einen Cappuccino zu trinken.

Gangelt wird dann ein Ort sein, wo es sich lohnt hinzufahren, wo man gerne verweilt und in den man nur hineinfährt, wenn man dort auch hinwill. Es braucht eigentlich gar nicht so viel Fantasie, um sich den Gangelter Ortskern, in dem die spätmittelalterliche, befestigte Kleinstadt noch gegenwärtig ist, als einen Ort der Erholung vorzustellen. Auch die Denkmalpflege hat das  Potential erkannt und würde wohl den inneren Bereich unter  Denkmalschutz stellen.

Die Zukunft Gangelts naht gerade in großen Schritten. Das notwendige Kapital kommt zu 60 Prozent aus der Städtebauförderung von Bund und Land. Gangelt kann aus dem Topf „für kleinere Städte und Gemeinde“ schöpfen. Gerade war Bürgermeister Tholen in Köln, um bei der Bezirksregierung den Zuwendungsbescheid über 1,8 Millionen Euro für das Haus der Jugendlichen im Sanierungsgebiet Ortslage Gangelt abzuholen.

Bürgermeister Bernhard Tholen (r.) und Willibert Mevißen (l.), Fachbereichsleiter Städtebauförderung, freuen sich über einen erneuten Zuwendungsbescheid der Bezirksregierung Köln. Foto: Dettmar Fischer

Dritter positiver Bescheid

Es ist bereits der dritte  Förderbetrag, der in die Sanierung der Gesamtschule fließt. Nachdem 2017 zunächst der Anbau eines Fahrstuhls an der Gesamtschule Gangelt-Selfkant mitfinanziert worden war, folgte 2018 eine Förderung über 1,9 Millionen Euro und nun der dritte Betrag über 1,8 Millionen. Den Zuwendungsantrag hatte die Gemeinde gestellt für die Kultur- und Begegnungsstätte „Haus der Jugendlichen“ am interkommunalen Standort Gangelt. Da der Ort Gangelt über keine Begegnungsstätte verfügt, sollen zukünftig wieder mehr kulturelle Veranstaltungen in der Aula der Gesamtschule stattfinden. Die energetische Sanierung des Südtraktes wird derzeit mit den 2018 erteilten Fördergeldern vollzogen. Außen- und Innenbereich der Gesamtschule werden zukunftsfähig gemacht, Dach und Fenster zeitgemäß saniert und die Außenhülle gedämmt. Unter anderem wird eine Lüftungsanlage eingebaut, und auf das Dach kommt eine Photovoltaik-Anlage.

Die gerade bewilligten 1,8 Millionen Euro fließen ab Anfang 2020 in die energetische Sanierung des West-, Nord- und Ostflügel. Ende 2020 soll dann ein weiterer Antrag auf Städtebauförderung  gestellt werden. Dann geht es um die Ortskernentwicklung. Bis dahin wird auch die zweite Hälfte der Umgehungsstraße fertiggestellt sein und die L 47 (Sittarder Straße), die Gangelt durchschneidet, zur Gemeindestraße herabgestuft sein. Bürgermeister Bernhard Tholen schätzt die zu beantragende Fördersumme für die Ortskernentwicklung grob auf 5 bis 10 Millionen Euro. Die Ortskernentwicklung wird Gangelt verändern. Wie diese Veränderung aussehen wird, das wird auch von den Bürgern abhängen.

Für die energetische Sanierung der Gesamtschule hat die  Gemeinde Gangelt gerade weitere Fördermittel in Höhe von 1,8 Millionen Euro erhalten. Foto: Dettmar Fischer

Bereits am Dienstag, 26. November, ab 18 Uhr findet zum Thema Ortskernentwicklung im Rathaus eine offene Bürgerversammlung statt. Moderieren wird den Abend Bernd Niedermeier von der Planungsgruppe MWM aus Aachen. Als Diskussionsgrundlage wird ein Verkehrsgutachten der Ingenieurgruppe IVV Aachen dienen, das bereits eine Verkehrszählung durchgeführt hat. „Ich glaube, man kann den Ortskern erheblich aufwerten“, sagt Bürgermeister Tholen. Sinnvoll wäre eine Verkehrsberuhigung irgendwo zwischen 30 km/h und Schrittgeschwindigkeit. Einbahnstraßen wären möglich.

Cafés und Geschäfte ansiedeln

Doch Lkw sollten zur Versorgung weiter in den Ort fahren können und am besten auch wieder hinauskommen, scherzt Tholen. Irgendwann könnten sich dann neben den Cafés auch kleine Geschäfte ansiedeln. Wenn es sich als sinnvoll erweisen sollte, den ganzen Ortskern unter Denkmalschutz zu stellen, würde dies sicherlich weitere Fördermittel und fachliche Unterstützung mit sich bringen.

Bis man auf einem der schönen Gangelter Plätze nach einem ruhigen Bummel durch die historischen Gassen den Löffel im Cappuccino-Schaum versenken kann, wird es sicherlich noch viele Diskussionen zu Parkplätzen und Wegeführungen geben. Die Ideen aus den Bürgerversammlungen müssen von der Planungsgruppe bearbeitet werden und über die Verwaltung in den Bauausschuss fließen. Die Fraktionen werden sich ihre Meinung bilden. Dann wird ein Förderantrag Ende 2020 an die Bezirksregierung formuliert und abgeschickt werden - vielleicht die letzte Amtshandlung von Bürgermeister Bernhard Tholen.

Mehr von Aachener Zeitung