Gangelt: Ausstellung zeigt Werke von Kurt Preuss

Kurt Preuss : Das Leiden der Menschen zeichnet die Gesichter seiner Kunstwerke

Der „Freundeskreis Gerards Mie“ zeigt eine Ausstellung mit Werken vom Bildhauer Kurt Preuss. Die Arbeiten sind geprägt von der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Kurt Preuss war ein Bildhauer, der sein Innerstes in die von ihm geschaffenen Skulpturen und Bilder hat fließen lassen. Er, Jahrgang 1925, war wie viele andere Künstler seiner Generation zutiefst geprägt von den Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg. Jetzt wird ihm an seinem letzten Wohnort in Stahe eine Ausstellung gewidmet.

Der „Freundeskreis Gerards Mie“ ist deswegen schon dabei, die alte Gaststätte nahe der Pfarrkirche für den 3. Oktober herzurichten. Dann wird die Ausstellung mit einer Einführung des evangelischen Pfarrers Mathias Schoenen eröffnet. Kurt Preuss (1925-2005) war Gemeindemitglied, und so lernte Pfarrer Schoenen den eher introvertierten und zurückgezogen lebenden Bildhauer Stück für Stück näher kennen. Beeindruckt von seiner Kunst, wurde in der evangelischen Friedenskirche 2008 eine Ausstellung mit Preuss´ Werken zusammengetragen – die Resonanz war groß.

Pfarrer Schoenen begann, die ihm zur Verfügung stehenden und bekannten Werke zu katalogisieren. „Das ist aber kein Werkverzeichnis“, erklärt er und weiß, dass Kurt Preuss auf ein großes Oeuvre zurückblicken konnte. Trotzdem waren diese Aufzeichnungen hilfreich, die Oktober-Ausstellung zusammenzutragen.

Das Taufbecken in der evangelischen Kirche wurde von Kurt Preuss gestaltet. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Die Gaststätte „Gerards Mie“ war eine von den alten Kneipen, in denen Ortsgeschichte geschrieben wurde, um die herrliche Legenden ranken und in denen sich – heute kaum noch vorstellbar – das gesellige Leben im Ort abspielte. Dass sie in ihrer nahezu ursprünglichen Form erhalten wurde und nun dem Verein zur Verfügung steht, ist Anita und Dieter Mingers, den Erben, zu verdanken.

Nachdem 2017 Jörg Gaab seine Acrylbilder dort gezeigt hat, sind es nun die Arbeiten von Kurt Preuss, die noch einmal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Preuss hat mit seiner Frau Anna neben der Gaststätte gewohnt und hatte auch dort sein Atelier.

Die Öffentlichkeit war nie die Bühne des Kurt Preuss; offensives Verkaufen nicht seine Art. Viele Jahre lang fand man seine Arbeiten nur im privaten Kreis. Wenn er verkaufte, dann manchmal sehr preiswert; oft verschenkte er seine Arbeiten. Dann kamen Denkmäler wie das Mercator-Relief am alten Gangelter Rathaus, die Weltkugel am geografischen Punkt, die Kritzraedt-Figur im Heinsberger Tor, der Nikolaus vor der katholischen Pfarrkirche oder die lebensgroßen Holzfiguren „Drickes und Anton“ im Rathaus. In einigen Pfarrkirchen der Gemeinden Gangelt und Selfkant findet man ebenfalls Arbeiten von ihm.

Der Kreuzweg in der Dreifaltigkeitskirche in Stahe gehört auch dazu. Hier war es die 13. Station, die der Auferstehung, die Kurt Preuss besonders am Herzen lag. Denn eine „Auferstehung“ hatte auch er erlebt. In die Mühlen des Nazi-Terrors geraten, wurde er zum Tode verurteilt und erlebte das Grauen als einer der „Moorsoldaten“ im KZ Aschenberger Moor. Das hat ihn lebenslang gezeichnet und geprägt. Denn das Leiden der Menschen, das Leiden Christi, wusste er eindrucksvoll in die Gesichter seiner Kunstwerke zu zeichnen.

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