Gangelt: Arbeitswoche bei der Selfkantbahn

Arbeitswoche bei der Selfkantbahn : Alte Schätzchen machen ordentlich Arbeit

Die Lok 5 „Regenwalde“ tat ihren Dienst bereits von 1984 bis 2008 auf den Gleisen der Selfkantbahn zwischen den Bahnhöfen Schierwaldenrath und Gillrath. Aber dann war der Kessel der Dampflok so weit in Anspruch genommen, dass eine intensive Restaurierung in einer der Werkhallen am Bahnhof Schierwaldenrath anstand.

Und wie das so ist mit alten Schätzchen, fängt man erst einmal damit an, nach dem Rechten zu sehen, findet man schnell Stellen, die auch nicht mehr so ganz top sind. Nach und nach wurde das Fahrwerk in alle Einzelteile zerlegt.

Inzwischen ist Niklas Hoffmann aber wieder ganz optimistisch gestimmt, dass es ihm und seinen Mitstreitern vom Verein Kleinbahnmuseum Selfkantbahn gelingen wird, alle Teile wieder so zusammenzufügen, dass die „Regenwalde“ so aussieht und fährt wie bei ihrer Indienststellung 1930 bei der pommerschen Regenwalder Kleinbahn.

Niklas Hoffmann ist angehender Berufsfeuerwehrmann in Ratingen, hat aber glücklicherweise Schlosser gelernt. So ist er bestens geschult für die Ausübung seines Hobbys, dem Schrauben an alten Dampflokomotiven. Und da die wenigsten Hobbyeisenbahner nun mal eine echte Dampflok im Garten stehen haben, gehört er seit 2011 zum harten Kern der Selfkantbahn. „Die Lok 5 ist sein Baby“, sagt Maike Würdig, zweite Vorsitzende der Kleinbahner. Niklas Hoffmann lacht zwar bei dem Vergleich, doch irgendwie passt der ganz gut.

Uwe Röhle hat das Ziel, den Kessel der Lok 20 bis zum Ende des Jahres wieder unter Dampf zu setzen. Foto: Dettmar Fischer

Wann das Baby mal wieder dampfend über die Schienen rollen wird, da wagt Niklas Hoffmann keine Prognose. Er ist froh, dass schon alles wieder komplett vernietet werden konnte. Zwar würde man heute solche Verbindungen eher schweißen, sagt er, doch Nieten seien historisch exakter.

Derzeit läuft noch bis kommenden Sonntag die „Arbeitswoche“ der Selfkantbahn. Nicht, dass übers Jahr am Bahnhof Schierwaldenrath nicht auch gearbeitet würde, um zumindest zwei Dampfloks, Waggons und das Schienennetz ständig betriebsbereit zu halten, doch die „Arbeitswoche“ bietet in den Ferien die Möglichkeit, einmal intensiv mit 20 bis 30 Mitstreitern die anstehenden Aufgaben zu bewältigen. Auch Nichtmitglieder sind herzlich zur „Arbeitswoche“ willkommen und werden entsprechend ihrer Fähigkeiten eingesetzt. Kurzentschlossene melden sich einfach unter 02454/6699 am Bahnhof Schierwaldenrath an.

Anwärter auf den „Ehrenlokführer“ besuchten am Wochenende ein dreitägiges Seminar der Selfkantbahn. Foto: Dettmar Fischer

In der großen Fahrzeughalle sind derweil zwei Ehrenamtlerinnen damit beschäftigt, den Mittagstisch zu richten. Gemeinsam wird die Mannschaft sich stärken, um dann bis zum Kaffeetrinken weiterzuarbeiten. An diesem Wochenende sind auch sechs Anwärter auf den Posten des Ehrenlokführers vor Ort und lassen sich von den Fachkräften den Betrieb erklären. Die Ehrenlokführerkappe dürfen sie schon tragen, das Ehrenlokführerdiplom bekommen sie aber erst zum Abschluss des dreitägigen Seminars. Die Anwärter reisen aus ganz Deutschland an. In vielen Fällen sind es Eisenbahnbegeisterte, die von ihren Freunden zum Geburtstag mit der Teilnahme am Ehrenlokführerkurs beschenkt wurden. Die Eisenbahnerfamilie eint die Freude an den alten Dampfrössern.

Und diese Freude scheint sich auch zu vererben. Christiane Kassay ist die einzige weibliche Dampflokführerin der Selfkantbahn, macht aber gerade eine kleine Babypause. Ihr Mann Tobias ist Heizer. Töchterchen Leonie hat schon ihre eigene Dampflok. Die ist „noch“ aus Plastik. Leonie ist eines der jüngsten Mitglieder der Selfkantbahn. 550 gibt es im Alter von drei Monaten bis 80 Jahren. Wie Leonie war auch Christiane Kassay schon von ihren Eltern als Baby im Verein angemeldet worden. Mit sechs Jahren hatte sie im Buffetwagen angefangen und war schließlich auf dem Führerstand einer Dampflok gelandet.

Christiane Kassay ist derzeit die einzige Dampflokführerin bei der Selfkantbahn. Foto: Dettmar Fischer

Da Dampf das A und O einer Dampflok ist, gibt sich Uwe Röhle aus Wuppertal bei der „Arbeitswoche“ alle Mühe, ein ehrgeiziges Ziel zu erreichen. Bis zum Jahresende soll die Lok 20 einen neuen Dampfkessel bekommen. Der Kessel liegt zwischen Feuerbüchse und Rauchkammer der Dampflok. Durch den Kessel führen Rohre. Durch diese wird der heiße Dampf geleitet. Dieser bringt das Wasser, das die Rohre umschließt, zum Kochen. Der heiße Dampf verleiht der Lok ihren Antriebsdruck.

Uwe Röhle macht beruflich genau das Gegenteil, er ist Kälteanlagentechniker. „Als Baujahr ´68 habe ich noch Dampfloks kennen gelernt“, sagt er. „Es ist doch schön, wenn auch die Kinder hier sehen können, wie das früher war.“

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