Drei Tage ohne Hilfe nach Sturz auf den Küchenboden

Gerettet : Ein zweites Leben dank des netten Nachbarn

Drei Tage lag Jacobus Krops nach einem Sturz auf dem Küchenboden bevor er gefunden wurde. Paul Freches hat die Geschichte seiner Rettung nun zu Papier gebracht.

Ein zweites Leben zu haben, das wäre doch mal einen Gedanken wert. Aber es gibt mehr Menschen, als man denkt, die nach einem Herzinfarkt, nach einem Schlaganfall oder sonstigen lebensbedrohlichen Krankheiten wider aller Erwartungen genesen sind; dann sehen sie manchmal sich, ihre Umwelt, Freunde und Familie anders. Es ist dann immer noch das gleiche Leben, aber einige bringen es in neue Bahnen, nehmen es anders wahr und lassen die vergangene Zeit einfach hinter sich. Im Grunde ein intime Erfahrung, die üblicherweise nicht an die große Glocke gehängt wird.

So ist es Jacobus (Koos) Krops vor geraumer Zeit ergangen. Der heute 76-jährige Niederländer kaufte sich vor Jahren mit seiner Frau Beate in Stahe ein Haus, auf das sie stolz waren; dem Garten hinterm Haus widmeten sie viel Zeit, Liebe und Fürsorge. „Dort schaue ich jetzt alleine nach dem Rechten“, erzählt er konsterniert. Seine Frau starb 2015 völlig unerwartet, wurde, wie es so schön heißt, mitten aus dem Leben gerissen. „Das Leben kann ganz schön langweilig werden“, umschreibt Koos die Zeit danach.

Er hatte aber mit Käthe und Paul Freches liebe Nachbarn und neue Freunde gefunden. Man verbrachte immer wieder Zeit miteinander. Dann kam der Tag, als der Blitz in sein Leben einschlug. Drei Tage lang hatte Paul Freches nichts von Koos gehört. Er ging nicht ans Telefon, auf Klingen an der Haustüre gab es keine Reaktion. Dann ging Paul Freches ums Haus herum und sah Koos auf dem Küchenboden liegen. Ein Fall, wie er immer wieder bei alleine lebenden Menschen passiert, ein Fall, der zu oft tragisch endet. Koos wurde aber gerettet.

Paul Freches hat das alles und die folgende Geschichte zu Papier gebracht. Nicht einfach eine Niederschrift, sondern einen Dialog erstellt, in dem er seine Sicht der Dinge, die objektiven Geschehnisse, vermischt mit Gedanken und philosophischen Betrachtungen, aufgeschrieben hat. Immer wieder kommt aber auch Koos zu Wort; dann, wenn er von der Zeit mit Beate, von der schweren Zeit ohne sie erzählt. Die Zeit vor seinem Zusammenbruch kommt vor; dann steigt er erst später wieder ein, denn er kann sich weder an das Liegen in der Küche erinnern noch an die Zeit im Krankenhaus. Gekonnt hat Paul Freches die Stränge, die Wahrnehmungen und die Sichtweisen miteinander verwoben. Er geht davon aus, dass Koos die drei Tage dort gelegen hat. „Hättest du nur wenige Stunde länger dort gelegen, so die Aussage des Arztes, könnten wir nicht über dein zweites Leben reden“, schreibt er nieder. Großen Respekt zollt Freches der Staher Feuerwehr, dem Notarzt und der Polizei, die in einem perfekten Zusammenspiel blitzschnell handelten. „Ich glaube, mit meinem Blick durch das Küchenfenster begann für Koos das zweite Leben!“

Vom Krankenhaus Geilenkirchen nach Erkelenz. „Käthe und ich waren so oft beim ihm, er hat uns aber nicht wahrgenommen“, erinnert Paul Freches an eine lange Zeit der Bewusstlosigkeit und Ungewissheit. „Das war für uns beide sehr belastend!“ Es stellte sich heraus, dass ein Schlaganfall der Auslöser der Probleme war; eine Nierenvergiftung kam hinzu. Das Bewusstsein kam wieder, die Sprache erst einmal nicht. Während Koos langsam seine Lebensgeister wiederfand, versuchten die Freches die Verwandten zu informieren. Aber Koos hatte nie über Verwandte gesprochen. Ein Adressbuch wurde nicht gefunden, nur ein Zettel auf dem stand „Käse mitbringen“ lag da mit einer Kölner Telefonnummer darauf. Die gehörte Beates Schwester und darüber konnte die Brücke zur Familie Krops geschlagen werden.

Beeindruckend und eindringlich beschreibt Paul Freches den Weg durch die Pflegestationen, die langsame Genesung und die Wiederkehr der Lebensgeister. Die Bande zwischen Koos, Käthe und Paul sind natürlich noch enger geworden; Koos lebt sein Leben bewusster und freut sich über jeden neuen Tag und Paul Freches freut sich, dass die Gesundheit des Freundes wieder hergestellt ist. „Wir können zusammen über Vergangenes erzählen, sprechen und lachen. Manchmal hat man eben das Glück und bekommt ein zweites Leben geschenkt, sei es durch rechtzeitige ärztliche Hilfe oder durch die Aufmerksamkeit eines Freundes, der nur mal nach dem Rechten sehen will.“

Wer an dem Text „Mein zweites Leben“ Interesse hat, kann sich bei Paul Freches 02454/2376 melden.

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