Saisonende im Freibad Gangelt: Die Saison endet, die Arbeit geht weiter

Saisonende im Freibad Gangelt : Die Saison endet, die Arbeit geht weiter

Die Besucherzahlen im Gangelter Freibad sind in dieser Saison eher Mittelmaß. Rund 57.000 Gäste suchten eine Abkühlung.

Auch alte Hasen erleben immer wieder Neues. „So hatte ich das auch noch nicht gesehen“, berichtet Christoph Heinrichs, einer der zwei Gangelter Schwimmmeister. „Plötzlich war im oberen Bereich des Nichtschwimmerbeckens jede Menge Schaum im Wasser.“ Eine schnelle Kontrolle förderte zutage, dass eine Gruppe junger Burschen die bisherige Bestzeit für die schnellste Runde auf der 80-Meter-Rutsch pulverisieren wollte, „und das mittels Spülmittel“, schüttelt Christoph Heinrichs heute noch den Kopf über so viel Kreativität. Es blieb bei einer höflichen Ermahnung und stillem Respekt vor dem Einfallsreichtum der Profi-Rutscher.

Ansonsten, da sind sich Christoph Heinrichs und Kollege Ger Demandt einig, war es wieder eine ruhige und grundsätzlich friedliche Saison; von dem Chaos, das aus anderen Freibädern der Republik berichtet wurde, weit entfernt. „In den letzten Jahren ist es bei uns viel ruhiger geworden“, so Ger Demandt, der nur von Kleinigkeiten wusste, die er und die Mitarbeiter ahnden mussten. „Alles nix besonders!“

Mal ein Streit um den besten Liegeplatz auf der großen Wiese oder rund um die Becken, eine Kabbelei unter Jugendlichen oder – dass allerdings immer wieder – seltsame Methoden, die Rutsche stehend, mit gestautem Wasser oder in großen Gruppen kurz hintereinander zu bewältigen.

Christoph Heinrichs (rechts) und Ger Demandt tauschen Trillerpfeife und Shorts jetzt geben den Schrubber. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Der langsam zu Ende gehende Sommer 2019 wird als der viertwärmste protokolliert. Die Besucherzahlen der Saison 2019 sind aber eher Mittelmaß. „Rund 57.000 Gäste haben wir gezählt“, so Ger Demandt. 2018, ein Top-Sommer, brachte 81.000 Badefreunde. Diese Zahlen kommen aber an den Konkurrenzsommer 2003 nicht heran. Damals waren es über 100000 Besucher, die das malerisch gelegene Bad zwischen Kahnweiher, Infocenter und Rodebachtal besucht hatten.

Der Stöpsel wird im Gangelter Freibad jetzt nicht gezogen. Das Wasser bleibt den ganzen Winter über im Becken. Eisbruchpolster werden an den Rändern befestigt und das war es dann erst einmal. Erst wenige Wochen vor Saisonstart wird das Wasser, dessen Farbe dann von einem aktuell noch herrlichen Blau in Richtung Grün gewechselt hat, abgelassen, das Becken aufwändig gereinigt und neu befüllt.

Am ersten Tag nach der Schließung widmen sich Christoph Heinrichs und Ger Demandt der Technik. Das komplette System rund um die Wasseraufbereitung wird heruntergefahren, die Filteranlage gereinigt, die Chlorgasanlage penibel gesäubert. Die ein oder andere Pumpe wird aus Frostschutzgründen ausgebaut, die Solaranlage, das Herzstück der Warmwasserversorgung, ausgeblasen.

„Dann kommen die ganzen Kleinigkeiten“, so die beiden Schwimmmeister, die ja heute eigentlich Fachangestellte für Bäderbetriebe heißen. Die Liegen und Sonnenschirme rund um das Becken müssen weg, die Sprungbretter werden schneesicher aufgebockt und an der Liegewiese verschwinden die Papierkörbe ebenso im Depot, wie Spiel- und Sportgeräte.

In dem Beruf der beiden gibt es quasi eine Jobgarantie. Fachangestellte für Bäderbetriebe sind gesuchte Leute. So hat sich auch Darleen Paulus aus Geilenkirchen dazu entschlossen, ihr Hobby Schwimmen zum Beruf zu machen. Die 22-jährige ist im zweiten Lehrjahr und fühlt sich in Gangelt wohl. Den Winter verbringen die gebräunten Herren dann in der Karibik an einem Palmenstrand mit einem Cocktail in der Hand – soweit ein viel gepflegtes Vorurteil. Die Arbeit am Gangelter Freibad ist – wie oben beschrieben – noch lange nicht abgeschlossen und dann gibt es ja auch noch die Kooperation mit Haaren.

Das Hallenbad dort hatte den Sommer über geschlossen; zwei Mitarbeiter haben jeweils rund drei Arbeitswochen in Gangelt ausgeholfen und so nicht nur zur Sicherheit an besucherstarken Tagen beigetragen, sondern auch dafür gesorgt, dass sich die Überstunden der Gangelter Mitarbeiter im Rahmen hielten. Christoph Heinrichs und Ger Demandt sind jetzt auch jeweils drei Wochen in Haaren eingeplant. Das Bad kennen beide gut.

„Ich habe da neun Jahre gearbeitet“, so Christoph Heinrichs. „Und ich habe da ausgeholfen, wenn Christoph Urlaub hatte“, lacht Ger Demandt. Vor dem Saisonstart 2020 wird es einige Renovierungsarbeiten aber keine großen Investitionen in Gangelt geben. Im Umkleidebereich wird renoviert und Deckenstrahlheizkörper angebracht. Der Kanal vom Planschbecken zum Hauptsammler wird erneuert; das beleibte Planschbecken erfährt eine Überarbeitung. Trotzdem werden die beiden Herren sich von einer arbeitsreichen Saison erholen. Christoph Heinrichs beim Klettern, Ger Demandt beim Tauchen.

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