Ausstellung "Trauertattoos" im Bestattungshaus Otten in Gangelt

Trauertattoos : Die Seele eines Verstorbenen verewigt auf der eigenen Haut

„Trauertattoos – unsere Haut als Gefühlslandschaft“ heißt eine Ausstellung, die am Wochenende im Bestattungshaus Edwin Otten gezeigt wurde. Passend zum Thema wurden auch kleine Tattoos gestochen.

Die Frage, ob es Engel wirklich gibt, ist schwer zu beantworten. Die einen meinen, ja, es gibt sie, und sie können auch helfen, wenn die Not groß ist. Die anderen sind da eher skeptisch. Roswitha Ballin aus Übach gehört zu denen, die an die gute Kraft der Engel glauben und hat sich für den Fall der Fälle einen schlummerndes Engelchen auf den linken Oberarm tätowieren lassen.

Der Entschluss, die Tätowierung ausführen zu lassen, kam zwar spontan beim Besuch der Ausstellung „Trauertattoo“ im Bestattungshaus Edwin Otten in Gangelt, doch er war schon lange herangereift. Ralf Knoben, der in Kirchhoven das Tattoo-Studio „Hätzbloot“ betreibt, hat die Tätowierung im Rahmen der Ausstellung gestochen. Knoben weiß aus seiner Berufserfahrung heraus, dass die wenigsten Tattoos spontan gestochen werden. „Nur wer schon sehr viele Tattoos hat, der lässt sich vielleicht mal aus Spaß eines machen.“ In der Regel würden die Kunden sich vorher genau überlegen, welches Bild sie haben möchten. Dies trifft umso mehr auf die Trauertattoos zu, die in letzter Zeit vermehrt nachgefragt würden, so Ralf Knoben.

Im Rahmen der Ausstellung „Trauertattoos – unsere Haut als Gefühlslandschaft“ wurden einige Beispiele dieser Trauertattoos gezeigt, die die Fotografin Stefanie Oeft-Geffarth fotografiert hatte. Sie bilden eine Möglichkeit aufzeigen, wie man die Erinnerung an liebe Verstorbene wach halten kann.

Der Künstler Wolfgang Bien aus Übach-Palenberg zeigte eine Reihe seiner Portraits. Die Grafikdesignerin Anja Schreinemachers stellte ihre individuell gestalteten Trauerkarten vor. Die persönlichste Form der Trauerbewältigung ist aber sicherlich das Trauertattoo.

Ralf Knoben hat schon einige dieser Erinnerungstattoos gestochen und dabei viele Geschichten gehört. Einige hat er bis heute nicht vergessen. Eine 76-jährige Dame hatte sich von ihm einen Schmetterling auf den Rücken tätowieren lassen. Und da das Tätowieren dauert, blieb auch dieses Mal Zeit zum Erzählen. Und so hörte Ralf Knoben die Geschichte des Schmetterlings.

Der inzwischen verstorbene Ehemann der Dame habe seine letzten Stunden zu Hause auf der Couch verbracht. Da sei ein Schmetterling gegen die Terrassentür geflogen. Als ihre Schwester dann die Tür geöffnet habe, sei der Schmetterling ins Zimmer geflogen, berichtete die Kundin. Und nachdem er ein paar Mal über ihrem Mann gekreist sei, habe dieser seinen letzten Atemzug getan. Und bei der Beerdigung ihres Mannes, erzählte die Dame weiter, sei dann dieser Schmetterling wieder aufgetaucht, und die Dame habe in ihm die Seele ihres Mannes gesehen.

Auch den Ehemann, der gleich nach dem Tod seiner Frau zu ihm ins Studio kam, wird Ralf Knoben nicht vergessen. Noch vor der Beerdigung der Verstorbenen war er zum Tätowierer gegangen, um seine Erinnerung an die geliebte Frau in einem Lebensbaum zu verewigen. Auch der Sohn der beiden hatte sich ein ähnliches Motiv stechen lassen.

Dass ganze Familien, um ihre Verbundenheit zu dokumentieren, sich ähnliche Motive tätowieren lassen, komme häufiger vor, berichtet Ralf Knoben, während er an Roswitha Ballins schlummernden Engelchen weiter arbeitet. Auch wenn der Schutzengel schläft, sei er sicherlich in Rufbereitschaft meint Ralf Knoben. Auf dem linken Oberarm hat Roswitha Ballin bereits ein Engelchen eintätowiert bekommen. Und da war in Gangelt die Gelegenheit gegeben, sich auf den anderen Arm eine Unterstützung für Schutzengel 1 tätowieren zu lassen.