Gangelt: Mitarbeiter der Prospex gGmbH verlassen das Infocenter

Prospex-Team sagt Adé : „Wir sind hier zu einer Familie zusammengewachsen“

Der Abschied fällt ihnen schwer. Die zehn Mitarbeiter der Prospex gGmbH und die zwei Gruppenleiter verlassen zum 1. Juli ihren Arbeitsplatz, das Infocenter Gangelt. Nun warten auf sie neue Herausforderungen in der „Profil“-Werkstatt der ViaNobis GmbH.

Am 1. Juli werden die Mitarbeiter der Prospex-Werkstatt, die im Infocenter Gangelt arbeiten, ihre Abschiedsfete feiern. Der stellvertretende Werkstattleiter der Prospex gGmbH, Werkstatt für psychisch behinderte Menschen, Markus Kremers, hatte schon eine super Idee, wie diese Fete ablaufen könnte: „Wir mieten ein Zwölfer-Wohnmobil und drehen ein paar Runden um den Kahnweiher.“ Die Idee ist sicherlich noch ausbaufähig.

Aber eins ist sicher, sang- und klanglos werden die zehn Prospex-Mitarbeiter und ihre beiden Gruppenleiter Vera Ritterbecks und Axel Breuer die Zelte nicht abbrechen. Marion ist eine der Zehn. Marc gehört zum Team und Markus. Carsten ist der Spaßvogel in der Runde. Er wird bei der Abschiedsfete sicherlich für gute Laune sorgen, auch wenn dem ein oder anderen im Team an diesem Tage ein Tränchen über die Wange kullern wird. Nach dem 30. Juni werden die Zehn zwar nicht arbeitslos werden, aber ihr Team, das für sie zur Familie geworden ist, wird sich auflösen. Die Zeit mit den Gästen des Infocenters wird ein Ende haben.

Zum 1. Juli wird, wie berichtet, die Gemeinde Gangelt den Betrieb des Infocenters übernehmen. Voraussichtlich zeitgleich werden die beiden Gesellschafter der 420-Mitarbeiter-starken Prospex gGmbH, die Lebenshilfe Heinsberg und die ViaNobis GmbH Gangelt, getrennte Wege gehen und eigene Werkstätten weiterführen. „Deinwerk“ wird die Werkstatt der Lebenshilfe heißen, „Profil“ die der ViaNobis. Die Gespräche zur Anerkennung durch die Bundesagentur für Arbeit und den Landschaftsverband Rheinland laufen derzeit.

Die komplette Werkstattleitung und der Soziale Dienst der Prospex würden, so Werkstattleiter Markus Kremers, zur „Profil“-Werkstatt der ViaNobis wechseln. Dort wird auch das Team des Gangelter Infocenters neue Arbeitsplätze finden.

Marion meint, sie sei politisch nicht so informiert und könne das alles nicht so ganz nachvollziehen. „Ich habe immer gedacht, ich werde hier alt.“ Und sie fügt hinzu: „Unsere Gäste haben uns wie ganz normale Menschen behandelt. Ich hatte hier das Gefühl, als würde ich auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten.“ Marion wechselt zum Bootshaus am Lago Laprello in Heinsberg, das zukünftig von der „Profil“-Werkstatt der ViaNobis betrieben werden wird. Sie will ihre Chance wahrnehmen und nach vorne blicken. Bevor sie Anfang 2018 in das Infocenter gekommen war, sei sie durch ihre Krankheit „voll in den Rückzug gegangen. Durch die Menschen hier habe ich gelernt, mich wieder im öffentlichen Leben zu bewegen.“ Zwei Monate habe es damals gedauert, bis sie sich im Team des Infocenters und mit den Gästen wohlgefühlt habe.

Markus überlegt noch, ob er auch ins Bootshaus, zukünftig der einzige gastronomische Betrieb der „Profil“-Werkstatt, wechseln wird. Markus war zunächst als gelernter Handwerker für die Grünanlagen am Infocenter und auf dem angrenzenden Wohnmobilstellplatz zuständig gewesen. Dann hatte er aber auch mal ausprobiert, wie es im Service klappt. Die Wertschätzung der Kundschaft habe der Entwicklung seiner Persönlichkeit gut getan. Er habe Ängste abbauen können. Markus: „Ich war ja nicht mein ganzes Leben lang krank, irgendwann möchte ich mein Leben wieder verantwortlich leben.“ Drei Jahre hatte er seinen Arbeitsplatz und seine „Familie“ am Infocenter Gangelt.

Carsten kam vor acht Jahren, also gleich als Prospex das Infocenter von der Gemeinde Gangelt übernommen hatte. Er sei das Maskottchen, sagen seine Kollegen. Das liegt zum einem an seiner coolen Frisur und zum anderen an seiner offenen Art, mit anderen Menschen umzugehen. Als Carsten den Wunsch geäußert hatte, im Service des Infocenters eingesetzt zu werden, hatte Werkstattleiter Markus Kremers zunächst gestutzt. Er kennt Carsten seit 20 Jahren. Damals war Carsten eher menschenscheu, als der Typ, der den Leuten die Tür öffnet und ihnen ganz locker einen Kaffee anbietet, so wie er es heute tut. Carsten möchte nicht bis zum letzten Tag im Infocenter bleiben. Er kommt aber bestimmt zur Abschiedsfete. Er wechselt auf den Klosterhof der ViaNobis in Gangelt und wird dort mit Tieren arbeiten. „Wir sind hier wirklich zusammengewachsen“, sagt Carsten.

Marc hält sich beim Gespräch eher im Hintergrund. Dann sagt er aber doch, was er zu sagen hat: „Ich war anfangs sehr ängstlich. Aber dann lernt der Kopf, dass einem nichts passiert. Das ist gut für das Wohlbefinden. Die Welt ist da draußen, damit musst Du klar kommen.“

Werkstattleiter Markus Kremers bedauert die Aufgabe des Infocenters. „Wir hätten hier den Betrieb gerne noch mal auf links gedreht.“ Gangelts Bürgermeister Bernhard Tholen hatte unter anderem die eingeschränkten Öffnungszeiten am Infocenter als Grund für das Ende der Zusammenarbeit angeführt. Markus Kremer ist offen für neue Ideen, auch auf dem schwierigen Feld der Gastronomie. „Wir können das“, sagt er selbstbewusst. Mitarbeiter Markus ist überzeugt: „Es würden bestimmt fast alle mitmachen, wenn es wieder einen Ort mit so vielfältigen Aufgaben wie hier am Infocenter geben würde.“

Marion sagt zum Abschied: „Es ist und bleibt schade, dass wir hier weggehen müssen. Aber wichtig ist ein Dankeschön an die Kundschaft.“

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