Gangelt: Die Via Nobis ist ständig auf der Suche nach Fachkräften

2500 Mitarbeiter im Jahr 2024 : Die Via Nobis ist ständig auf der Suche nach Fachkräften

Dennis Kaiser liebt seinen Job. Der 25-jährige Kaufmann für Büromanagement arbeitet gerne an seinem Schreibtisch, aber er liebt auch den Kontakt zu den Menschen. Bei der Via Nobis GmbH hat er einen idealen Arbeitsplatz gefunden. Die Einrichtung kannte er schon als jugendlicher Nutzer des hauseigenen Schwimmbades.

Und als er das Abitur in der Tasche hatte, schickte er nach einer Zeitungsanzeige gleich seine Bewerbung um einen Ausbildungsplatz nach Gangelt. Diese Entscheidung hat er bisher keinen einzigen Tag bereut. Im Gegenteil: Schnell ist er in dem U nternehmen die ersten Sprossen der Karriereleiter empor geklettert und bereits Assistent der Wirtschaftsleitung. „Zwar sind wir als Verwaltungsmitarbeiter nicht in der Pflege eingebunden, aber wir helfen in Hintergrund. Wir schaffen die Strukturen“, sagt der junge Mann, der sich auch künftig in der Einrichtung beruflich weiterentwickeln will.

„Wir wollen unsere Mitarbeiter fördern“, sagt Personalleiter Stephan Schmidt, der dabei besonders  die jungen Leute im Blick hat. 120 Auszubildende sind derzeit bei Via Nobis beschäftigt, davon neun in der Verwaltung. Zwar ist die Via Nobis mit ihren über 1900 Mitarbeitern und rund 100 Einrichtungen in der ganzen Region von der Städteregion Aachen bis zum Niederrhein  vertreten, die zentralen Dienste mit der Verwaltung sind allerdings am Stammsitz Gangelt untergebracht, wo vor 150 Jahren drei Schwestern des Dernbacher Ordens den Grundstein für die Einrichtung legten. 85 Verwaltungsmitarbeiter sorgen hier hinter den Kulissen für den Betrieb und die Fortentwicklung des Unternehmens.

Mehr als 40 verschiedene Berufsgruppen arbeiten bei Via Nobis. „In allen Berufsgruppen suchen wir Mitarbeiter. Der Fachkräftemangel ist voll angekommen“, sagt Personalleiter Stephan Schmidt. Auf Fachmessen und in Schulen sind Schmidt und seine Mitarbeiter präsent, werben für ihr Unternehmen. Mit etlichen Schulen im Kreis Heinsberg ist die Gangelter Einrichtung eine Partnerschaft eingegangen und hofft, durch die Kontakte und die Bereitstellung von Praktikumsplätzen Nachwuchs rekrutieren zu können. „Pfleger ist ein schöner Beruf. Man arbeitet mit Menschen, hat über Jahre hinweg den Kontakt zu Klienten und Patienten und baut eine echte Beziehung auf.“ Schmidt kennt auch die andere Seite des Pflegeberufes. Zehn Jahre war er Prokurist in einem somatischen Krankenhaus in Dinslaken. „Da sind die Patienten oft nach fünf Tagen wieder raus. Zu ihnen baut man keine Beziehung auf.“

Fünf Jahre ist Stephan Schmidt bei Via Nobis beschäftigt. Als er seine Stelle angetreten hat, lag die Anzahl der Beschäftigten bei 1500, heute sind es knapp 2000. „In fünf Jahren knacken wir locker die 2500-Marke, Tendenz steigend“, blickt der Personalleiter optimistisch in die Zukunft.

Dennis Kaiser, Stephan Schmidt (vorne), Tom Houben und Angelina Behnke (von links) freuen sich über die Entwicklung des Unternehmens und suchen ständig Fachkräfte. Foto: ZVA/Udo Stüßer

„Die Ansprüche und Anforderungen an uns werden steigen, im Gesundheitswesen herrscht eine unglaubliche Dynamik, das macht Spaß und ist spannend. Von den Strukturen her sind wir auf die Entwicklung vorbereitet. Wir könnten noch viel mehr leisten, wenn wir das Personal hätten“, fügt er hinzu. 60 Auszubildende hat die Via Nobis in der Pflege. „Doch das reicht nicht aus“, weiß auch Tom Houben, Leiter der Personalverwaltung, und verweist auf einen über 50-jährigen Mitarbeiter, der in Gangelt noch eine Ausbildung zum Altenpfleger begonnen hat. „Wir suchen ständig examinierte Pflegefachkräfte und bringen auch ältere Menschen in Ausbildung“, sagt Houben. Doch nicht nur in der Pflege ist Via Nobis auf der Suche nach Fachkräften: „Das gilt auch für Handwerker“, so der Personalverwaltungsleiter.

Sicherlich ist die Arbeit mit körperlich, geistig oder psychisch behinderten Menschen kein einfacher Job. „Wir können nicht einfach falten, lochen abheften. Wir müssen uns um unsere Mitarbeiter kümmern, damit sie selbst nicht traumatisiert werden und untergehen“, sagt Schmidt.

„Besonders im Betreuten Wohnen stößt man hinter verschlossenen Türen auf alles Mögliche, da gibt es keine Grenzen. Doch unsere Mitarbeiter werden durch die Teamleitung auf diese Dinge vorbereitet“, sagt Schmidt, und Tom Houben ergänzt: „Und trotzdem ist die Krankenquote unserer Mitarbeiter unterdurchschnittlich, weil es sich um eine sinnstiftende Arbeit handelt. Hier bleibt kein Mitarbeiter mit Husten zu Hause, hier will keiner sein Team im Stich lassen.“ Supervisionen, Teamtage, Deeskalationstraining, Fallbesprechungen und Mitarbeiterbesprechungen sind oft hilfreich. „Manche Mitarbeiter suchen bei Problemen auch das Gespräch mit Diakon Thomas Hoff, dem Vertreter des Ordens“, erläutert Schmidt.

Auch wenn die Einrichtung in ihrer 150-jährigen Tradition eng mit den Werten und der christlichen Haltung der Dernbacher Schwestern verbunden ist, auch wenn Via Nobis unter dem Logo des Barmherzigen Samariters arbeitet, handelt es sich um einen Wirtschaftsbetrieb, der von einem klaren Management gesteuert wird und finanziell erfolgreich arbeiten muss. „Unsere Mitarbeiter sind unsere Markenbotschafter“, sagt Schmidt und verweist auf 80 Millionen Euro, die jährlich für Gehälter und Personalgewinnung gezahlt werden. „80 Prozent unserer Kosten sind Personalkosten, in somatischen Krankenhäusern liegen die Kosten durchschnittlich bei rund 70 Prozent des Budgets“, sagt Angelina Behnke aus der Finanzbuchhaltung.

Auf der Suche nach potenziellen Mitarbeitern lässt sich Personalleiter Stephan Schmidt immer wieder etwas Neues einfallen. Derzeit restauriert er einen alten VW T3 Bulli. Mit ihm will er „unterwegs sein, in der Region präsent sein, Flagge zeigen und auf die Via Nobis aufmerksam machen.“

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