Gangelt: Amselschule hält an Starttermin 2019 fest

Gesamtschule Gangelt : Amselschule hält an Starttermin 2019 fest

Ungeachtet der ernüchternden Sitzung des Schulausschusses läuft Gründungsprozess wie geplant weiter. Zahlen zu angeblicher Gefährdung der Gesamtschule sollen geprüft werden.

Die angehenden Gründer der Amselschule arbeiten nach wie vor darauf hin, ihre Schule kommendes Jahr in Betrieb nehmen zu können. Dies bestätigte Marlon Dahlmanns, Mitglied der Gründungsinitiative, unserer Zeitung diese Woche. „Wir machen ganz normal weiter. Nur das eigene Schulgebäude müssen wir erst einmal ausklammern“, so Dahlmanns. Daran hat also auch die Sitzung des Schulausschusses nichts geändert, die aus Sicht von Dahlmanns und seinen Mitstreitern wenig erfreulich verlaufen war. Dass der Amselschule angesichts der aktuellen Entwicklung die Eltern von Bord gehen, scheint bisher jedenfalls nicht zu drohen. „Was wir zu hören bekommen ist: Macht weiter!“, so Dahlmanns.

Die Gründungsinitiative hatte beantragt, auf einem zurzeit noch landwirtschaftlich genutzten Grundstück zwischen Gesamtschule Gangelt-Selfkant und Sportplatz bauen zu dürfen und einen architektonischen Entwurf präsentiert. Allerdings schürte ein durch die Gemeinde beauftragter Gutachter am Montag vergangener Woche im Schulausschuss deutliche Zweifel, dass die Amselschule der bestehenden Schullandschaft gut tun würde. Da die Amselschule auch eine Sekundarstufe bekommen soll, sobald der erste Jahrgang die Grundschulzeit durchlaufen hat, könne die Gesamtschule in Bedrängnis geraten, hieß es. Diese Möglichkeit war zumindest öffentlich bis dato nie artikuliert worden. Dennoch sollte der Gemeinderat schon am folgenden Tag seine Entscheidung treffen. Da zumindest deutlich zu bezweifeln war, dass die Entscheidung im Sinne der Amselschule ausfallen würde, zogen die Schulgründer selbst die Reißleine und nahmen ihren Antrag nur Stunden vor der Sitzung zurück.

Der Frust saß in den folgenden Tagen tief, änderte aber offenbar nichts an der Zielsetzung. Es werden weiter Vorstellungsgespräche mit möglichem Lehrpersonal geführt und vorangebracht, was bis zum offiziellen Antrag bei der Bezirksregierung an Bürokratie zu erledigen ist. Die Raumfrage könnte so gelöst werden, dass die Schule zunächst in ein Bestandsgebäude einzieht. Zwar wäre das nicht, was man sich eigentlich vorgestellt hat. Jedoch hätte diese Lösung den Charme, dass die örtliche Politik nicht gefragt werden müsste. Eigentlich wird dieser durch die Gesetzeslage ohnehin nicht die Möglichkeit eingeräumt, eine freie Grundschule zu verhindern. Allerdings kann sie auf Flächennutzungs- und Bebauungsplänen den Finger draufhalten.

Dass die Gründungsinitiative durchaus die Ansicht vertritt, dass es in der Macht der Gemeinde gelegen hätte, den Ablauf der vergangenen Woche ein wenig übersichtlicher zu gestalten, lässt man in einer Mitteilung durchblicken, die im Nachgang zu den Sitzungen auf der Homepage der Amselschule veröffentlicht wurde: Dass der Rat nur einen Tag, nachdem die Zahlen präsentiert wurden, „eine Entscheidung darüber hätten treffen sollen, ob die Amselschule die existierende Gesamtschule infrage stellen könnte, halten wir für schwierig“, wird der eigene Rückzieher erklärt. Ansonsten hält man sich mit Kritik zurück. Eine Fehde mit den Insitutionen wäre wohl nicht das, was man sich für seine Schule vorgestellt hat.

Und ohnehin könnte man über kurz oder lang wieder auf das Wohlwollen der Politik angewiesen sein. Doch bis man erneut an Rat und Ausschüsse herantritt, wollen die Schulgründer die durch den Gutachter in der Schulausschusssitzung präsentierten Zahlen, die ihnen mittlerweile vorliegen, prüfen beziehungsweise prüfen lassen.  Wie eindeutig belegen die Zahlen, dass die Gesamtschule gefährdet werden könnte? Geht es letztlich um eine Frage der Lesart? Und wurde berücksichtigt, dass Gangelt praktisch im Dutzend neue Baugebiete ausweist, also noch auf Jahre Zuwachs insbesondere durch junge Familien erwarten darf? Ziel der Schulgründer ist es, hierauf Antworten zu geben, die die Politik doch noch umstimmen.

Auch er will sein jüngstes Kind in die Amselschule schicken und mischt bei der Gründungsintitiative mit: Oliver Thelen, in Gangelt bekannt als Ratsherr der CDU und Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Kritik blieb aus

Dass dies gelingt, scheint durchaus im Bereich des Möglichen zu liegen. Denn so unbefriedigend die vergangene Woche aus Sicht der Schulgründer war, fiel in der Sitzung auf, dass Kritik an dem pädagogischen Konzept praktisch vollständig ausblieb, was in einem CDU-dominierten Gremium so sicher nicht zu erwarten war. Dabei weiß man spätestens seit den Diskussionen um die Einführung der Gesamtschulen in den 90er-Jahren, dass Schulpolitik und Didaktik durchaus das Potenzial bergen, zur Glaubensfrage verklärt zu werden. Dass die Kommunalpolitik sich bei der Amselschule hingegen „nur“ mit Sorgen um ihre Regelschulen zu tragen scheint, kann durch die Schulgründer also auch als im Grunde positive Erkenntnis aufgefasst werden. Andererseits wiegen diese Sorgen nunmehr umso schwerer. Ganz unabhängig von der Frage, wie wahrscheinlich ein Verlust der Gesamtschule wäre, geht es schließlich um ein Szenario, dass man, ohne zu übertreiben, als katastrophal einstufen muss.

Bei der anstehenden Überzeugungsarbeit könnte Oliver Thelen für die Schulgründer ein wichtiger Multiplikator werden. Thelen ist in der Gemeinde gut bekannt, zum Beispiel als Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr, Angestellter des Krankenhauses – und als Ratsherr der CDU. Im Rahmen der Schulausschusssitzung war öffentlich geworden, dass er Teil der Gründungsinitiative ist und sogar die Finanzplanung der Amselschule aufgestellt hat. Seine Parteifreunde in der CDU wussten das natürlich vorher schon. Dass sich in ihren Reihen noch weitere Befürworter der Amselschule finden, dürfte auch damit zu tun haben, dass einer der ihren in der Gründungsinitiative vorne dabei ist.

Zehn Abgänger pro Jahr

Thelen hat seine drei Kinder alle zum Gangelter Montessori-Kindergarten geschickt. Das jüngste besucht diesen noch immer – und es soll Amselschüler werden, sobald es das entsprechende Alter erreicht hat. Auch die Amselschule will sich ja stark an die Montessori-Pädagogik und den berühmten Leitsatz „Hilf mir, es selbst zu tun“ anlehnen.

„Aufgrund der vorgestellten Zahlen ist nun erstmal eine Unsicherheit da, und die gilt es zu klären“, sagt Thelen im Gespräch mit unserer Zeitung. Er selbst hat so seine Zweifel daran, dass die Unsicherheit gerechtfertigt ist. „Wir planen mit 80 Grundschulkindern, mehr würden die Räumlichkeiten gar nicht hergeben“, sagt er. „Wenn die Hälfte der Kinder aus Gangelt käme, würden pro Jahr nur zehn Gangelter Kinder die Grundschule verlassen. Die würden aber doch nicht alle in die Gesamtschule gehen, wenn es die Amselschule nicht gäbe.“