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Gangelt: Galerie Vorbach schließt: Kulturelle Ära geht zu Ende

Gangelt : Galerie Vorbach schließt: Kulturelle Ära geht zu Ende

„Wie oft haben meine Frau und ich nach schönen Ausstellungseröffnungen geschniegelt und gebügelt auf Besucher gewartet, und keiner kam.“ Lutz Vorbach erinnerte vor einer größeren Gruppe Gangelter Ratsvertreter, wie er und seine Gattin Verena vor ziemlich genau 17 Jahren in der renovierten Villa die Galerie Vorbach eröffneten, die sich nun zum Jahresende endgültig aus der Kulturszene verabschiedet.

„Wir machten Angebote, die das ganze Spektrum der Kultur abdeckten. Das reichte von Dichterlesungen über Musikabende, Gesang, literarische Vorträge, Lyrikabende, Improvisationstheater, Ausstellungen bis zu Malerei und antiken Uhren!“ Getragen hat sich der Betrieb nicht.

Begeisterung für die Geschichte der Gemeinde Gangelt: 2005 hat Lutz Vorbach einen Kirchenführer für die Pfarrkirche St. Nikolaus in Gangelt herausgegeben. Auf dem Foto ist eine dieser Führungen zu sehen.

Lutz Vorbach nutzte aber die Gelegenheit, Bürgermeister Bernhard Tholen, der die geladene Gruppe anführte, zu danken. Ihm, Tholen, habe die Galerie Vorbach am Herzen gelegen und er habe sie im Rahmen seiner Möglichkeiten immer unterstützt. Im Grunde hatten die Vorbachs schon vor Monaten die Galerie geschlossen. Dann aber traf Galerist Vorbach im Münchner Lenbachhaus zufällig auf Günter Grass.

Lobende Worte: Bürgermeister Bernhard Tholen (r.) dankte den Eheleuten Vorbach für das umfangreiche kulturelle Angebot, das die beiden nach Gangelt gebracht haben.

Als Literaten kennt den Nobelpreisträger Günter Grass jeder; seine Arbeit mit Pinsel und Feder und seine Skulpturen wurden schon zweimal in Gangelt gezeigt. Und geprägt von diesem Treffen und dem Ableben des Günter Grass, entschlossen die beiden sich, dem großen Deutschen eine letzte Ausstellung zu widmen. Die Bilder und Skulpturen sind bis zum 20. Dezember an den Wochenenden von 15 bis 18 Uhr zu sehen. Jeweils um halb vier gibt es ein Angebot, dass zu einem Markenzeichen des Lutz Vorbach geworden ist.

Vorbach hat sich intensiv in das Leben und Werk des Günter Grass eingearbeitet und aus seinen Erkenntnissen einen Vortrag erarbeitet. Viel gelobt von den bisherigen Besuchern, gibt es mehr oder weniger bekannte Fakten zur Person Grass und vor allem zu seiner Motivation. „Wer den Vortrag über Günter Grass nicht gehört hat, weiß nicht, was er versäumte“, fasste der Bürgermeister wohl auch die Gedanken der ihm folgenden Ratsvertreter zusammen. „Zum Jahresende beendet Ihr einen fast 20-jährigen Traum“, blickte Tholen auf die Anfänge der Galerie, die mit der Renovierung der vernachlässigten Villa begannen, zurück.

Der ersten Ausstellung 1998 folgten viele weitere Kulturangebote. „Ein Höhepunkt, an das ich mich noch gerne erinnere, war das zehnjährige Bestehen der Galerie, für das Du die Ausstellung zu Heinrich Maria Davringhausen organisiertest und im Rathaus das Jubiläum gefeiert hast.“ Tholen lobte Vorbachs umfangreiches Engagement im Ort selbst, aber auch über Gangelt hinaus. Beispielsweise trägt die Region „Der Selfkant“ auch seine Handschrift. „Eine besondere Stärke war Deine Begeisterung für die Geschichte Gangelts. 2005 hast Du einen Kirchenführer für die Pfarrkirche St. Nikolaus herausgegeben, der jetzt, nach zehn Jahren, immer noch gefragt ist.“

Im Mercatorjahr 2012 zum 500. Geburtstag von Gerhard Mercator hat Lutz Vorbach den wohl nach außen hin wertvollsten Beitrag zur Gangelter Geschichtsschreibung geliefert. Aus einem Meer von Mythen, Fabeln und schwammigen Überlieferungen hat er nicht nur in einer vierteiligen Vortragsreihe die belastbaren Fakten herausgefiltert. Vorbach hat in kurzer Form eine lebendige Geschichte des Ortes geschaffen. Viele an der Historie Interessierte haben damals mit Bedauern zur Kenntnis genommen, dass sich keine Mehrheit fand, die umfangreichere Fassung der Recherchen in Buchform zu präsentieren.

„Es war schön mit euch“, hatte Bürgermeister Bernhard Tholen seine Ansprache begonnen. „Ihr hinterlasst eine große Lücke“, sprach er wohl denen aus dem Herzen, die stets mit Freude den Einladungen der Vorbachs gefolgt waren. Wo hat man in dieser Region sonst Werke von Braque und Chagall gesehen? Und es war das beschauliche Gangelt, wo Heinrich Maria Davringhausen (1894 in Aachen geboren) eine einmalige und umfangreiche Werkschau gewidmet wurde. „Für mich und meine Frau war das eine herausragende Ausstellung — finanziell war sie ein Flop!“

Diese Vorbach-Aussage fasst zusammen, warum der Kreis Heinsberg alsbald um ein wertvolles kulturelles Angebot ärmer ist.