Freshman Institute Geilenkirchen: Neue Studenten begrüßt

Kein Heimweg, aber große Träume : Über 300 neue Studenten am Freshman Institute begrüßt

Über 300 neue Studenten aus aller Welt sind jetzt am Freshman-Institute der FH Aachen in Geilenkirchen begrüßt worden. Was sind ihre Hoffnungen und Träume?

Sie kommen aus aller Herren Länder, aus Asien, Afrika und aus Südamerika, nach Geilenkirchen, um hier auf ein Studium in Deutschland vorbereitet zu werden. Es sind die Besten der Besten, die Medizin, Maschinenbau, Wirtschaft, Informatik und Ingenieurwesen studieren wollen, in Deutsch oder in Englisch. Rund 2500 Aufnahmetests werden Jahr für Jahr weltweit von Mitarbeitern des Freshman Institutes vorgenommen, 300 Bewerber werden schließlich auserwählt.

Im Freshman Institute der FH Aachen auf dem Gelände des Loherhofes in Geilenkirchen erhalten seit dem Jahr 2010 die Studenten ein Jahr lang Unterricht, der sie auf ihr Studium vorbereiten soll. Sie bekommen einen Einblick in die deutsche Kultur und Lebensweise, lernen Land und Leute kennen. Auf dem Campus Loherhof sind sie untergebracht, hier wird ihnen neben dem Unterricht ein umfangreiches Sport- und Freizeitangebot geboten. Kunst-, Tanz- und Musik-Workshops werden rege genutzt, Austauschmaßnahmen mit Schulen sind vorgesehen, und interessierte Geilenkirchener Bürger können im Rahmen eines Patenprogramms ein wenig Freizeit mit den Studenten verbringen.

„Die Studenten werden sich zunächst kennenlernen, Verständnis füreinander entwickeln, anderes Essen, andere Denk- und Verhaltensweisen kennenlernen“, sagt Jairo Monclair, der für das Patenprogramm des Freshman Institute zuständig ist. Seit Bestehen des Freshman Institute gibt es ein Patenprogramm, an dem jeder an einer anderen Kultur interessierte Bürger teilnehmen kann. Die Paten sollen mit den Studenten aus China, Indien, Indonesien, Iran oder Vietnam gemeinsame Zeit verbringen, Karten spielen, Kuchen backen, Nachhilfe geben oder Ausflüge gestalten und ihnen den Start in Deutschland durch neue Freundschaften erleichtern.

Kürzlich wurde wieder ein Lehrgang verabschiedet, über 300 neue Studenten aus 30 Nationen haben hier für ein Jahr eine neue Heimat gefunden. Bei einer Stadtrallye lernten sie Geilenkirchen kennen, besuchten die wichtigsten Institutionen und sagten auch Bürgermeister Georg Schmitz im Rathaus „Hallo“, der sie in Geilenkirchen herzlich willkommen hieß.

Heimweh kennen nur die wenigsten jungen Leute, die auf dem Campus untergebracht sind. Ganz im Gegenteil: Sie haben ihr Land und ihre Familien mit klaren Vorstellungen verlassen, sind neugierig auf alles Neue und auf das, was auf sie zukommt. Die 19-jährige Aqilah Isham stammt aus Selangor, einem Bundesstaat in Malaysia. „Ich möchte in Aachen Maschinenbau studieren. In Deutschland habe ich eine Chance. Ich habe auch schon viel über Aachen gelesen“, sagt die junge Frau. In ihrer Jugendzeit hat sie mit ihren Eltern zeitweise in den Niederlanden und Katar gelebt, wo ihr Vater als Manager gearbeitet hat. In ihrer Heimat hat sie eine eigene Wohnung bewohnt, weil ihre Eltern beruflich in einer anderen Stadt beschäftigt waren. Ein selbstständiges Leben ohne Familie ist ihr also nicht fremd. Bevor sie nach Geilenkirchen kam, hat sie sieben Monate eine Sprachschule in Koblenz besucht. Große Teile ihres Lebens bestanden bisher nur aus Lernen: „Bis 14 Uhr gingen wir in die Schule, von 16 bis 20 Uhr erhielten wir Nachhilfe.“

Die 17-jährige Ron Zan aus der Neun-Millionen-Stadt Hang Zhou in der Nähe von Shanghai hat sechs Jahre lang in China eine Fremdsprachenschule besucht. Dort hat sie Deutsch und Englisch gelernt. „Heimweh habe ich nicht, eher Fernweh. Ich bin abenteuerlustig“, sagt sie, die beim Freshman Institute eine größere Chance für eine bessere Ausbildung sieht. Sie gesteht, „gerne etwas Lustiges“ zu machen. Aber sie ist es ebenso wie ihre 300 Kommilitonen gewohnt, hart zu arbeiten. Schließlich möchte sie in Deutschland Pharmazie oder Biochemie studieren. Das Schulleben in China, so berichtet sie, sei hart: „Wenn Schüler in China Abitur machen möchten, gehen sie bis zum Nachmittag zur Schule und lernen anschließend bis etwa 21.30 Uhr.“

Auch der 20-jährige Meng-Guan Chua aus dem malaysischen Johor ist mit klaren Vorstellungen nach Deutschland gekommen: Er möchte an der FH Aachen Maschinenbau studieren. Bevor er nach Deutschland kam, hat er nach der Schulausbildung ein Jahr lang in seiner Heimat in einer Maschinenfabrik gearbeitet. Das Geld hat er für die Ausbildung im Freshman Institute gespart. Vor dem Freshman-Jahr hat er sieben Monate lang eine Sprachenschule in Kassel besucht. „Geilenkirchen ist sehr angenehm. Hier ist es sehr ruhig. Die Luft ist besser als in Kassel und noch besser als zu Hause“, lobt er.

Kabir Mahesh Wari kommt aus dem indischen Pune. Zwölf Millionen Einwohner zählt die für indische Verhältnisse kleine Stadt. Er ist nach Deutschland gekommen, um Maschinenbau oder Luft- und Raumfahrttechnik an der FH Aachen zu studieren. Auch hat er bereits Vorstellungen davon, wer anschließend sein Arbeitgeber sein könnte. „Ich möchte gerne bei Boeing oder Airbus arbeiten. Deutschland bietet eine gute Basis und viele Möglichkeiten“, weiß er. Und er sieht auch private Chancen. „Ich liebe Fußball und bin Bayern-Fan. In Indien hat man kaum Möglichkeiten, Fußball zu spielen. Nur einer von einer Million Menschen kann in Indien Fußball als Beruf haben“, sagt der junge Mann, der sich gleich beim SV Süggerath-Tripsrath angemeldet hat.

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