Freibäder in Gangelt und Übach-Palenberg: Probleme mit Randalen?

Nach Tumulten in Bädern : Viel Ruhe im Freibad Gangelt, weniger Ruhe in Übach-Palenberg

Beide Kommunen, Gangelt und Übach-Palenberg, haben ein Freibad, das in diesem Jahr bereits oft und gern genutzt worden ist. An dieser Stelle hören die Gemeinsamkeiten der Gemeinden aber auch schon auf, zumindest, was die Freibäder angeht.

Gangelts Bademeister Ger Demandt nämlich erfreut sich einer ruhigen Badesaison mit vielen Familien und Frühschwimmern, denen er um 6 Uhr morgens das Tor aufschließt. Jugendliche, denen er „ab und an mal Bescheid sagen muss“, die habe jedes Freibad, auch das in Gangelt, sagt er. „Das legt sich dann aber wieder schnell.“ Oft gehe es dabei um Kleinigkeiten, wie verbotenerweise vom Beckenrand zu springen. Das alles passiere in diesem Jahr aber nicht häufiger als in den vergangenen Jahren.

Ger Demandt macht seinen Job seit 26 Jahren. Das, was in dieser Freibadsaison in verschiedenen Städten, unter anderem in Düsseldorf, passiert ist, habe er so noch nie gehört. Er nennt es „Wahnsinn“. Nach wiederholten Tumulten, Ausschreitungen und Polizeieinsätzen greift die Stadt Düsseldorf nun mit Ausweispflicht und Videoüberwachung durch.

Demandt hält die Maßnahmen für sinnvoll. „Man muss etwas tun, um die Kontrolle zu behalten“, sagt er. „Sonst wird es im Zweifel ja immer schlimmer.“ In Düsseldorf waren es vor allem Jugendliche, die auffällig geworden waren. In Gangelt kommen inzwischen generell weniger Jugendliche, seit vier, fünf Jahren seien es vor allem Familien, die im Freibad baden wollen, sagt Demandt. „Es gibt Tage, da haben wir gut 150 Kinder und Babys in der Anlage.“ Und Familien und Kinder sind es eher nicht, die in den Freibädern zuletzt auffällig geworden sind.

Aber auch nicht nur Jugendliche. Zumindest in Übach-Palenberg. Dort, das sagt Peter Steingass ganz deutlich, gebe es seit dieser Freibadsaison mehr Verstöße gegen die Badeverordnung, mehr schlechtes Benehmen und mehr Aggression. Er ist als Fachbereichsleiter des städtischen Hoch- und Tiefbaus für das Ü-Bad verantwortlich. Diese Vorfälle gingen aber mitnichten nur auf die Kappe von Jugendlichen. Beleidigungen und Aggressivität gebe es bis 40 aufwärts unter den Badegästen.

Hängt prominent vor dem Eingang: Die Badeordnung des Ü-Bads. Seit dieser Freibadsaison komme es öfter vor, dass dagegen verstoßen werde, sagt Peter Steingass von der Stadt. Foto: Marie Eckert

Steingass hat eine ganze Liste mit dem, was in dieser Saison schon alles passiert ist. Ein beliebtes Ziel für schlechtes Benehmen: die Rutsche. „Ich kann verstehen, dass es Spaß macht, mit fünf, sechs Leuten hintereinander zu rutschen“, sagt Steingass. Sicher ist das aber nicht. Und das Badpersonal ist nun mal für die Sicherheit verantwortlich. Oft seien die Badegäste, vom Personal auf das Fehlverhalten angesprochen, wenig einsichtig. Steingass spricht von „ellenlangen Diskussionen“ und „verletzende Respektlosigkeiten gegenüber dem Badpersonal“. Insbesondere gegenüber den weiblichen Mitarbeitern. „Die Beleidigungen und Respektlosigkeiten kommen auch von Mitte 30-Jährigen“, sagt Steingass. „Und keineswegs nur von Menschen mit Migrationshintergrund, das geht durch alle Schichten.“

Auf Steingass’ Liste stehen auch generell provokantes Verhalten, offenes Feuer auf der Liegewiese, nächtliche Einbrüche mit Verwüstung des Schwimmbades und Shisha-Rauchen auf dem Freibadgelände. Und ebenfalls beleidigende Diskussionen, nachdem ein Gast ermahnt wurde, vorm Baden duschen zu gehen. „Es gibt in Deutschland eine zunehmende Respektlosigkeit gegenüber den Ordnungshütern, die wir uns nicht erklären können“, sagt Steingass. Im Fall des mahnenden Badpersonals hat Steingass eine Vermutung: „Womöglich werten die Leute das als Spaßverderben, wenn sich die Bademeister einmischen.“ Nach dem Motto: In meiner Freizeit soll mir keiner vorschreiben, wie ich zu rutschen habe. Dass es im Freibad nun mal Regeln gibt, mit denen man sich einverstanden erklärt, sobald man das Gelände betritt, scheint in diesem Moment nicht präsent zu sein.

Eine größere Ausschreitung wie in Düsseldorf habe es in Übach-Palenberg bislang noch nicht gegeben. „Zum Glück“, sagt Steingass. Aber man stelle eben Veränderungen fest. Er sagt aber auch: „Die Sicherheit im Freibad ist nicht gefährdet.“ Dennoch könnte man darüber nachdenken, eine externe Ordnungskraft im Freibad abzustellen. Konkret ins Auge gefasst habe man fürs Ü-Bad aber noch nichts. „Dafür sind die Vorfälle derzeit noch zu klein.“

Im Laufe des Gesprächs kommt Steingass auch auf die Badehosen-Regelung, die zu dieser Freibadsaison gelockert worden ist. Die lockeren, längeren Badeshorts für Männer ist seit dieser Saison erstmals wieder erlaubt. „Einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen und der Badeordnung herzustellen, wäre nicht seriös“, sagt er. Es gebe keine messbaren Parameter.

Und dennoch kommt der Chef des Freibads eben darauf zu sprechen. Denn sicher sei, sagt er, dass durch die Tatsache, dass man die weiten Badehosen in Übach-Palenberg zulässt, „andere Leute“ kämen. Auch die seien altersmäßig bis in die 40er aufgestellt. Und: Die Lockerung durch die Badeordnung habe keine starken Zuläufe bei den Besucherzahlen ergeben. „Es sind eben andere Leute im Bad, womöglich mehr Jugendliche, aber dafür müssen dann andere weggeblieben sein“, sagt Steingass. Generell seien die Gäste im Ü-Bad durchmischt, ebenso die, die von ihrem Verhalten her auffällig werden, sagt Steingass.

Ger Demandt, der Bademeister von Gangelt, hofft derweil, dass es in seinem Freibad so ruhig bleibt wie gewohnt. Er versorgt Menschen, die zu lange in der Sonne waren und vielleicht sogar einen Hitzschlag haben, und er ermahnt freche Jugendliche. Aber zu den Ausschreitungen in Düsseldorf sagt er: „Man kann ja nie wissen, aber hoffentlich nicht in Gangelt.“

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