Geilenkirchen: Fred Solenski schmeißt den Liberalen die Brocken hin

Geilenkirchen: Fred Solenski schmeißt den Liberalen die Brocken hin

Ein Urgestein der Geilenkirchener FDP wirft die Brocken hin: Fred Solenski, am heutigen Samstag exakt 29 Jahre im Ortsverband der Liberalen aktiv, hat nach dem Wahlparteitag der Liberalen die Nase gestrichen voll und steht für eine weitere Mitarbeit nicht mehr zur Verfügung. 18 Jahre saß er für die Liberalen im Stadtrat, davon 15 Jahre als Fraktionschef.

Seit zehn Jahren ist er Süggerather Ortsvorsteher und holt bei den Kommunalwahlen stets 200 bis 250 Stimmen, so viele, wie für ein Ratsmandat der FDP erforderlich ist. Vor den Kommunalwahlen am 25. Mai sagte Solenski klipp und klar: „Die FDP wird ohne mich kämpfen müssen.“ Grund dafür sei, dass sich Vorstandsmitglieder nicht an Absprachen gehalten haben.

Wie berichtet, hat es schon vor der Versammlung am Donnerstagabend mächtig Knatsch hinter den Kulissen gegeben. Ursache war die Erstellung der Liste der Wahlkandidaten für die Kommunalwahl am 25. Mai während einer Vorstandssitzung. Da schon hat es mächtige Diskussionen gegeben. Nach dem Willen von Solenski hätten in der Reihenfolge Nils Kasper, Fraktionschefin Toska Frohn, Stefan Kassel, Björn Speuser, Ortsvereinsvorsitzender Markus Melchers und Florentine Steffens die Liste angeführt. Solenski hatte diese Reihenfolge nach den fünf Kriterien Leistungsprinzip in der Legislaturperiode, Homogenität der künftigen Fraktion, Altersschichtung, eine Frau auf den ersten drei Plätzen sowie Toleranz des Einzelnen und Verständnis gewählt.

Doch schon in besagter Vorstandssitzung war es zu Diskussionen gekommen. In den vergangenen zehn Jahren waren die Liberalen stets mit vier Mandaten im Geilenkirchener Stadtrat vertreten. Manche befürchten jetzt allerdings, dass am 25. Mai — falls der Bundestrend so anhält und auch auf Geilenkirchen zutrifft — nur zwei, höchstens drei Kandidaten den Einzug in den Stadtrat schaffen. Melchers würde in dem Fall nicht zum Zuge gekommen.

Nach der Sitzung verlautete, Melchers habe sich mit dem vierten Platz nicht zufrieden gegeben, er wolle partout einen der vorderen Plätze. Dies habe ihm aber der Vorstand nicht gewährt: Nach langer Diskussion hatte sich der Vorstand auf die Reihenfolge Kasper, Kassel, Frohn, Melchers, Speuser, Steffens geeinigt. Groß war die Verwunderung dann allerdings, als Melchers mit zehn Neuaufnahmen aufgetrumpft hat. Insider vermuteten, dass Melchers, unterstützt von den neuen Mitgliedern, auf den vorderen Listenplätzen angreifen wolle. „Wir hatten uns im Vorstand aber verpflichtet, dass keiner den anderen auf einem vorderen Listenplatz angreift. Ich selbst habe angekündigt: Wenn einer für einen anderen Listenplatz kandidiert, als vom Vorstand vorgeschlagen, stehe ich nicht mehr zur Verfügung“, erklärt Solenski.

Dazu ist es dann in der Versammlung am Donnerstagabend gekommen. Allerdings hat nicht Melchers angegriffen, sondern ganz überraschend Florentine Steffens. Die Versammlung wählte zunächst Nils Kasper einstimmig auf Listenplatz 1. Der in Geilenkirchen aufgewachsene und beheimatete Steuerberater bedankte sich für das ihm entgegengebrachte Vertrauen.

Die Liberalen wählten dann Stefan Kassel auf Listenplatz 2. „Ich würde mich freuen, wenn ich meine Arbeit im Rat fortsetzen kann“, warb dann absprachegemäß Toska Frohn um Stimmen. Aus der Versammlung wurde dann unvermutet Florentine Steffens vorgeschlagen, die sich kurz vorstellte. „Politik ist nicht nur mein Hobby, ich möchte das auch beruflich machen“, ließ sie die Versammlung wissen. Derzeit mache sie den Master in politischer Wissenschaft.

Dann kam die Überraschung: Florentine Steffens wurde mit 14 von 26 Stimmen auf Listenplatz 3 gewählt. Fred Solenski schimpfte, dass man sich nicht an den Vorstandsbeschluss und somit an die einstimmige Absprache gehalten habe. „Für mich ist das ein Vertrauensbruch, ich stehe nicht mehr für eine weitere Mitarbeit im Ortsverband zur Verfügung“, so Solenski. „Das ist für mich jetzt durch“, meldete sich dann auch Toska Frohn zu Wort und kandidierte nicht mehr für einen der folgenden Listenplätze.

Markus Melchers wurde auf Platz 4 und Björn Speuser auf Position 5 gewählt. Holger Koch rückte von Platz 7 auf Platz 6 nach. Hier war eigentlich Florentine Steffens in der Vorschlagsliste aufgeführt. Fred Solenski überlegt derzeit, ob er in Süggerath als Einzelbewerber antreten will. Denn: „Ich bin mit Herzblut Ortsvorsteher.“

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