Geilenkirchen: Franziskusheim: Neue Heimat für den Schlesier Alois Malyska

Geilenkirchen: Franziskusheim: Neue Heimat für den Schlesier Alois Malyska

„Es ist nicht so einfach, seine Heimat zu verlassen. Aber hier lockte die Freiheit. Und Freiheit ist wichtiger als die Heimat.” Für den gebürtigen Schlesier Alois Malyska ist Freiheit eines der höchsten Güter.

Als Binnenschiffer waren die Oder, die Elbe und der Rhein sein Zuhause. Aber nach dem Krieg als Deutscher in Polen zu leben, war nicht einfach. „Es war immer eine Abneigung zu spüren. Man musste vorsichtig sein und den Mund halten.

Im Hintergrund war immer die Angst. Das bedrückte. Man versuchte, in den Westen zu kommen”, blickt der heute 91-Jährige zurück. Auch wenn eine Ausreise in den Westen eine Fahrt ins Unbekannte war, war man sich sicher: „Alles konnte nur noch besser sein.”

Gerne erinnert sich der im Franziskusheim Geilenkirchen lebende Senior an seine Kindheit. In dem 100-Seelen-Ort Wenignossen in Niederschlesien wuchs er auf. Das Dorf hatte einen eigenen Bürgermeister und eine eigene Schule. „Obwohl es nur eine einzige Klasse für alle 20 Schüler und nur einen Lehrer gab, waren wir die beste Schule im ganzen Kreis”, blickt er heute zurück.

Er erinnert sich an einen Unterschied zu anderen Schulen: „Im Musikunterricht konnten die anderen dreistimmig singen, während wir nur einstimmig gesungen haben”, sagt er und lacht. Was er in den sieben Volksschuljahren gelernt hat, bezeichnet er heute als ausreichende Grundlage für ein Leben.

„Wir haben Grammatik gelernt und Erdkundeunterricht gehabt. Wir kannten alle Ländergrenzen, die Flüsse und die Berge. Wir waren auf den Feldern, beim Müller und wussten, wie Brot gebacken wird. Das fehlt den Kindern heute.”

Nach der Schule erlernte er mit 15 Jahren den Beruf eines Binnenschiffers. Als Bootsmann fuhr er mit einem Kollegen und dem Schiffseigner auf Elbe, Rhein und Oder, transportierte mit dem Kahn Kohle und Getreide, Zucker und Öl. 1942 wurde er als Soldat eingezogen, in Russland wurde er dreimal verwundet. Nach dem Kriegsende hätte er in Bayern bleiben können.

„Doch meine Eltern lebten ja noch in Schlesien, die wollte ich nicht im Stich lassen”, blickt er zurück. Er ging zurück in seine Heimat, heiratete 1948 seine Frau Hildegard. Nach dem Tod seiner Eltern und nach der Hochzeit beantragte er die Ausreise, die zehn Jahre später genehmigt wurde. 1958 startete er mit Ehefrau Hildegard und vier Kindern eine Fahrt ins Ungewisse nach Frelenberg, wo seine Schwester Constantine Franke lebte. Drei Jahre schipperte er noch über die Flüsse, bevor er einen Job im Wachdienst der Selfkant-Kaserne übernahm. Dass er Polen verlassen hat, hat er nie bereut.

„Ich habe mich hier nie als Fremdling gefühlt. In Übach-Palenberg bin ich auf viele Heimatvertriebene gestoßen, habe aber auch gleich guten Kontakt zu den Einheimischen gehabt.” Es sind nicht nur seine Kinder, die Alois Malyska im Franziskusheim besuchen. Auch seine Freunde finden den Weg oftmals hierher.

Seit dem Tod seiner Frau vor neun Jahren hat er im Franziskusheim ein neues Zuhause gefunden. Der 91-Jährige sorgt hier oft mit seiner Mundharmonika für Unterhaltung, vertritt die Interessen der Bewohner im Heimbeirat, bastelt und bemalt wunderschöne Glückwunschkarten. Und natürlich findet man den Mann, der das Wasser so liebt, fast täglich im Wurmauenpark beim Entenfüttern.

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