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Kunstausstellung in Geilenkirchen: Formen, die sich im Nichts auflösen

Kunstausstellung in Geilenkirchen : Formen, die sich im Nichts auflösen

„Musik und Bilder“ von Karin Thiel und Harald Peltzer heißt es bis zum 19. November in der GK-Kunst-Galerie. Zur Eröffnung der spannenden Ausstellung sprach auch Professor Dieter Crumbiegel.

Eilig wurden Einkaufswagen durchs Gelo-Carré geschoben, Kinder spielten in der Passage, Jugendliche nutzten es als Rennstrecke mit den Fahrrädern – Alltag halt. Der Kontrast fand in einem kleinen Ladenlokal inmitten der Carré-Geschäfte statt. In der GK-Kunst-Galerie wurde die Ausstellung „Musik und Bilder“ von Karin Thiel und Harald Peltzer eröffnet.

Die Bilder der beiden haben Gemeinsamkeiten: Abstrakt gemalt führen sie den Betrachter in eine Tiefe, die ein zweidimensionales Bild eigentlich gar nicht bieten kann. Sind es bei Karin Thiel rechteckige Formen, die sich wiederholen, überlagern oder sich im heller werdenden Nichts auflösen, so findet der Betrachtende bei Harald Peltzer in Malerei verewigte Musiktitel. Beispielhaft zu sehen bei „Licht am Ende des Tunnels“ aus Starlight-Express. Das – wie alle anderen auch – in Spachteltechnik ausgeführte Bild trägt das Publikum unweigerlich in die Mitte, dahin, wo das Licht im Zentrum des Bildes sich bündelt.

Unkonventionell wie sein Auftreten war auch der Weg des studierten Musikers zur Malerei. „Ich wollte eigentlich nur günstig an Bilder für mein Haus kommen“, umreißt er die Anfänge mit Leinwand und Farbe. Daraus wurde dann neben seiner Leidenschaft für Musik eine zweite Profession. Ob „Tänzerin im Sturm“, „Colors“ oder andere Musikstücke: „Es ist immer zuerst der Titel da; daraus entsteht dann das Bild!“ Selbst Ludwig van Beethovens zehnte Symphonie, „Die Unvollendete“, findet sich in seinem Bilderreigen – natürlich nicht ganz fertig.

„Wir arbeiten beide mit dem Zufall“, umschreibt das Duo Thiel/Peltzer die Herangehensweise an die Leinwand. „Es ist schwierig für mich, abzusehen, wann ein Bild fertig ist“, erzählt Karin Thiel. „Abends meint man, es ist fertig, und am nächsten Tag geht es dann doch noch weiter.“ Ist die Balance zwischen Kontrapunkt und Störfeld, zwischen Farbwahl, Maltechnik und Bildsprache gefunden, hat sie ihre eigene Formel, das fertige (?) Bild zu bewerten. „Eiderdaus, das ist gut“, bedeutet dann in Schulnoten gesprochen eine Eins.

Warum im Ausstellungstitel neben den Bildern auch noch die Musik auftaucht, beantwortete Harald Peltzer an der Gitarre zusammen mit Arno Schmitz am Klavier. Es gab Stücke aus dem weißen Album der Beatles (1968 erschienen) und viele Hits aus der Zeit danach zu hören. Natürlich gehört zu so einem Abend auch eine Einführungsrede. Begrüßt hatte namens GK-Kultur-gut! der Vorsitzende Willi Arlt – und dann an Professor Dieter Crumbiegel übergeben. Der ging allerdings nicht auf die einzelnen Bilder ein, sondern setzte sich mit dem Ausstellungstitel auseinander. Was haben Musik und Bilder gemeinsam, was trennt sie? Während Musik nur dann existiert, wenn sie gespielt wird, braucht das Bild dafür immer einen Betrachter. „Musik und Malerei sind zwei völlig gleichwertige, gleichberechtigte Formen künstlerischen Gestaltens, die aber völlig unabhängig voneinander sind“, so der Kunsttheoretiker. Weiter: „Sie haben nichts gemeinsam; jede funktioniert nach völlig anderen Wahrnehmungsstrategien, sie arbeiten mit anderen künstlerischen Mitteln und zeigen völlig andere Informationen auf völlig anderen Wegen!“ Wenn jemand anderer Meinung sei, solle er doch die crumbiegel´schen Gedanken noch einmal überprüfen: „Das genau ist meine Absicht!“

Wenn da noch jemand mitmachen will: Die Ausstellung dauert noch bis zum 19. November. Infos unter: www.gk-kulturgut.de.