Geilenkirchen: Flüchtlingshilfe soll kanalisiert und gebündelt werden

Geilenkirchen: Flüchtlingshilfe soll kanalisiert und gebündelt werden

„Überall in Europa setzt man sich zusammen, um etwas für die Flüchtlinge zu tun“, sagte Bürgermeister Thomas Fiedler noch vor der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung zur Flüchtlingsarbeit in der Stadt. Das Zusammensetzen ist das eine, die viele Arbeit, die vor und nach dem Trocknen der Tinte unter der fünfseitigen Vereinbarung ansteht, das andere.

So weiß Nicole Abels-Schell, die für die Gemeindesozialarbeit des Caritasverbandes für die Region Heinsberg zuständig ist, genau, wie sich Flüchtlingsarbeit in den letzten 20 Jahren in Geilenkirchen entwickelt hat. So lange ist nämlich schon der Runde Tisch zu diesem arbeitsintensiven Feld der Sozialpolitik tätig.

„Bislang war das immer eine relativ kleine Gruppe von sechs bis acht Menschen“, so Abels-Schell. Und bis vor gut zwei Jahren waren mit im Schnitt 50 Flüchtlingen auch noch weniger als ein Drittel der aktuell 180 Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind, eine relativ überschaubare Zahl an Asylbewerbern zu betreuen.

„Die Bürger fühlen sich bewegt von den Schicksalen, die zur Flucht geführt haben, die aber auch auf der Flucht aufgetreten sind“, so die Caritas-Vertreterin weiter. Natürlich freut sie sich sehr darüber, dass es im Moment mehr als 30 Engagierte in Geilenkirchen sind, die etwas für die Flüchtlinge tun. „Und es kommen viele Bürger dazu, die etwas tun wollen“, umschreibt Abels-Schell die Lage. Zeit genug also, die große Zahl der Hilfsbereiten mit den Nöten und Sorgen der Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten, zu koordinieren.

Zwei Helfer sind Resi Hensen und Lars Speuser, die Ortsvorsteher von Grotenrath beziehungsweise Süggerath. Beide kennen die Anliegen der Flüchtlinge ganz genau, aus der täglichen, persönlichen, aber auch der koordinierenden Arbeit. „Teilhaben am Leben in der Gemeinschaft ist das Wichtigste für die Flüchtlinge“, weiß Resi Hensen, und auch Lars Speuser freut sich, wenn die Menschen in Süggerath bei ihren Dorfveranstaltungen die Flüchtlinge begrüßen können.

Genau an diesen Schnittstellen setzt nun die Kooperationsvereinbarung an. Sie regelt zwischen der Stadt Geilenkirchen, dem Fachdienst Gemeindesozialarbeit des Caritasverbandes Heinsberg, der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) St. Bonifatius Geilenkirchen und der evangelischen Kirchengemeinde Geilenkirchen, wo welche Aufgaben am besten aufgehoben sind. „Ziel ist es, sich gemeinschaftlich der in Geilenkirchen lebenden Flüchtlinge anzunehmen“, so der Bürgermeister.

Ein zentrales Thema der Kooperation soll die Willkommenskultur sein. „Flüchtlinge willkommen zu heißen, ist für uns etwas ganz Zentrales“, so die evangelische Pfarrerin Tanja Bodewig, die damit dem katholischen Pfarrer Peter Frisch aus der Seele sprach. Die Hilfsbereitschaft sei da, auch die Notwendigkeit, die Hilfe zu kanalisieren und an zentralen sozialen Stellen zu bündeln, wird gesehen.

Aber letztlich bleibt Flüchtlingsarbeit auch eine Sache von Personen und Finanzen. „Das muss ein guter Mix sein“, bestätigt Gottfried Küppers, Geschäftsführer des Caritasverbandes, „man kann überhaupt nicht aufs Ehrenamt verzichten, aber auch nicht auf professionelle Unterstützung.“ So müsse der Status der Flüchtlinge geklärt sein, danach sei die Gesellschaft gefragt, um mitzutun und sich zu engagieren. Dabei müsse aber hinter den Kulissen des bürgerschaftlichen Engagements alles sachlich, fachlich und auch juristisch geklärt sein. „Denn alles, was gut gemeint ist, ist nicht immer auch gut gemacht“, schließt Küppers.

Die Vereinbarung, die von Vertretern der vier Einrichtungen unterzeichnet wurde, soll daher nicht nur kurzfristig dazu beitragen, dass Menschen auf der Flucht sich in Geilenkirchen wohlfühlen und zurecht finden. Als Kuppel über allem soll langfristig ein funktionierendes Netzwerk aller Akteure bestehen, in dem reger Informationsaustausch herrscht.

„Interkulturelle Akzeptanz“

15 Ehrenamtler sollen es mindestens sein, und Flüchtlinge, die länger in Geilenkirchen leben, sollen Neuankömmlingen bei ihren ersten Schritten helfen. „Ganz wichtig ist dabei interkulturelle Akzeptanz“, sagt Nicole Abels-Schell. Unsicherheiten, Ängste und Vorurteile sollen abgebaut werden. „Und die Flüchtlingspaten sollen und können die professionellen Fachkräfte der Integrationsarbeit nicht ersetzen“, betonte Bürgermeister Fiedler. Vielmehr soll das Ehrenamt als wichtiges zusätzliches Instrument der kommunalen Integrationsarbeit verstanden werden, damit aus dem Zusammensetzen eine echte Zusammenarbeit aller Beteiligten wird.

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