Übach-Palenberg: Flüchtlingshilfe: Ehrenamtler wünschen sich mehr Wertschätzung

Übach-Palenberg: Flüchtlingshilfe: Ehrenamtler wünschen sich mehr Wertschätzung

Es ist nicht so, dass der rege Betrieb im Spendenlager und der Ausgabestelle für Flüchtlinge im Zentrum von Palenberg etwas Neues wäre. „Wir haben hier seit der ersten Öffnung richtig guten Zuspruch“, sagt Angelika Int-Veen, die gemeinsam mit vielen Mitstreitern unter dem Namen „Übach-Palenberg Hand in Hand“ für die Hilfe für Menschen steht, die zu uns geflüchtet sind.

„Wir haben natürlich schon vorher Spenden gesammelt“, erinnert sich die ebenfalls engagierte Nadine Henry, die im Spendenlager und ehemaligen Aldi-Markt in Palenberg die Hilfe koordiniert. Vorher waren das eher private Lager, doch irgendwann war der Platz einmal voll, und es musste Abhilfe geschaffen werden.

Die Anmietung des früheren Discountmarktes durch die Stadt Übach-Palenberg war da ein echter Segen, dennoch scheint es angesichts der Spendenbereitschaft der Bevölkerung eher zu wenig Platz zu geben. Und es gibt einen Punkt, der Angelika Int-Veen sehr an der ganzen Organisation der Flüchtlingshilfe in Übach-Palenberg stört. „Die Zusammenarbeit mit der Stadt ist schwer verbesserungswürdig“, sagt sie. Und sie beginnt, ein paar Punkte aufzuzählen: so seien die ehrenamtlichen Helfer mit ihren privaten Pkw unterwegs, um Hilfsgüter wie Bekleidung oder Wohnungseinrichtungen bei den Spendern abzuholen, dazu stelle die Stadt kein Auto und zeige sich auch wenig kulant, wenn es darum geht, das ehrenamtliche Engagement auch finanziell zu unterstützen.

„Bestes Beispiel ist der Bodenbelag in einer Unterkunft“, erzählt Angelika Int-Veen. Die Stadt stelle dort die Räumlichkeiten und ein vereinbartes Mindestmaß an Ausstattung. „Aber der Holzboden im Kinderzimmer war so nicht nutzbar“, sagt Int-Veen weiter. Aus dem Holz herausstehende Nägel seien nicht zumutbar gewesen. So sprang der Verein ein, bestellte zum Selbstkostenpreis einen Linoleumboden für ein paar hundert Euro, ließ ihn fachmännisch verlegen und schickte die Rechnung an die Stadt. Die weigerte sich allerdings, die Rechnung zu begleichen.

„Zum einen waren wir nicht Auftraggeber“, erklärt hierzu der Erste Beigeordnete Helmut Mainz auf Nachfrage unserer Zeitung. Zum anderen habe der Verein nicht nur ohne Rücksprache den Boden erworben, sondern auch die Rechnungsstellung sei falsch gewesen. „So können wir das nicht abrechnen“, meint Mainz schulterzuckend. Also ersann er eine Hilfsmöglichkeit über die Aktion „Unsere Kinder“, die unverschuldet in Not geratenen Kindern hilft. So auch in diesem Fall, wie Mainz betont, denn die Sache mit dem Boden sei inzwischen vom Tisch.

Und auch wenn die Köpfe hinter „Hand in Hand“ ihr Zusammenwirken mit der Stadt noch immer kritisch sehen, sich beispielsweise einen Flüchtlingsberater wünschen, freut sich die Stadt über den ehrenamtlichen Einsatz. „Wir sind sehr glücklich über die Arbeit dieser Menschen“, hebt Helmut Mainz hervor. Und er lässt durchblicken, dass ohne dieses bürgerschaftliche Engagement die Hilfe für Flüchtlinge in der Stadt sicherlich ganz anders aussehen würde.

Dennoch bittet er um Verständnis dafür, dass die Stadt sich auch vor dem Hintergrund sich ändernder Rechtsgrundlagen und der chronischen Knappheit der Kassen derzeit einfach nicht weiter engagieren könne. Angelika Int-Veen findet das mehr als nur schade, sie bleibt bei ihrem Standpunkt, dass die Stadt ihre Pflichtaufgaben einer menschenwürdigen Unterbringung nicht nachkommt. Das lässt Helmut Mainz als Vertreter der Stadt so nicht gelten, er betont, dass für alle, die in der Stadt ein Anrecht auf Hilfe und Unterstützung haben, der gleiche Grundsatz gelte. „Dabei muss immer der soziale Friede gewahrt werden“, sagt Mainz.

Ihre persönliche Verärgerung darüber, dass in ihren Augen die Stadt Übach-Palenberg zu wenig für die aktuell rund 250 Flüchtlinge tue, hält Angelika Int-Veen und ihre Mitstreiter aber nicht davon ab, weiterhin alles für die Flüchtlingshilfe zu geben. „Wir sind schließlich so etwas wie eine Anlauf- und Beratungsstelle geworden“, freut sie sich. Und während Nadine Henry ein paar Schritte weiter schon die nächsten Spender begrüßt, lädt sie alle Interessierten dazu ein, sich ein Bild von der Hilfe „Hand in Hand“ zu machen. Am besten freitags, so zwischen 14 und 16 Uhr, wenn wahrscheinlich wieder viele Spender nach Palenberg strömen, um den Flüchtlingen gerne etwas abzugeben.